Mitglieder wandern ab: Ex-Billig-Krankenkasse kämpft gegen Schieflage

Mitglieder wandern ab
Ex-Billig-Krankenkasse kämpft gegen Schieflage

Die erst 1996 gegründete Betriebskrankenkasse für Heilberufe galt lange Zeit als günstige Alternative für gesetzliche Versicherte. Jetzt hat ein Sanierer die Leitung der Kasse übernommen.

dc DÜSSELDORF. Die goldenen Zeiten für preiswerte Internet-Krankenkassen gehen offenbar zu Ende. Die Betriebskrankenkasse (BKK) für Heilberufe, die ihre Mitgliederzahl dank niedriger Beitragssätze binnen weniger Jahre auf eine halbe Million vervielfacht hatte, wechselt angesichts einer drohenden finanziellen Schieflage ihre Führung aus. Wie der BKK-Landesverband Nordrhein- Westfalen mitteilte, wurde der als Sanierer bekannte Krankenkassenfachmann Jochem Schulz als neuer Vorstand eingesetzt. Das Bundesversicherungsamt (BVA) als Aufsichtsbehörde hat sich nach Auskunft seines Sprechers eingeschaltet, um den "nötigen Konsolidierungsprozess zu begleiten".

Die BKK für Heilberufe hatte sich nach Einführung des Kassenwahlrechts für die Versicherten im Jahr 1996, ebenso wie andere der neu in den bundesweiten Wettbewerb eingetretenen Betriebskassen, mit besonders günstigen Beitragssätzen profiliert - zum Unmut etablierter Kassen wie Barmer und AOK. Letztere sahen sich durch ihren traditionell höheren Anteil an älteren Versicherten und damit höheren Kosten im Wettbewerb mit den "virtuellen Kassen" benachteiligt.

Neben dem umstrittenen Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen, der solche Unterschiede der Risikostruktur egalisieren soll, sorgt nun jedoch auch ein Zustrom "teurerer" Versicherter zu den einstigen "Billig-Kassen" dafür, dass sich deren Position verschlechtert. Eine Schieflage droht, wenn diese Kassen Beitragserhöhungen zu lange hinauszögern. Nach Informationen des Fachblattes "dfg" hat BVA-Präsident Rainer Daubenbüchel im Fall der BKK für Heilberufe bereits im Sommer 2002 gerügt, diese richte ihre Beitragskalkulation nicht genügend an der veränderten Risikomischung aus. Zwar hat die Kasse ihren Beitragssatz von einst 11,9 % binnen Jahresfrist gleich mehrfach erhöht, zuletzt im August um einen Prozentpunkt auf 13,9 %. Doch angesichts einer Abwanderung von Mitgliedern sowie bereits bestehender Kreditverpflichtungen reichte dies zur Konsolidierung offenbar nicht aus.

Noch im Jahr 2001 musste die BKK für Heilberufe nach Angaben aus ihrem Geschäftsbericht über 40 % ihrer Einnahmen an den Finanzausgleich abführen.

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