Mitglieder werden zu "Bauteilen"
Funktion von Online-Übersetzern nicht überzeugend

Wo wohnt der britische Premierminister? "Niederwerfende Straße 10" - behauptet jedenfalls das Übersetzungsprogramm der Internet-Suchmaschine Google, die die weltbekannte Originaladresse "Downing Street Number 10" in London sehr frei ins Deutsche überträgt.

Reuters BERLIN. Wie viele andere Web-Dienste bietet Google seinen Nutzern seit Mai eine Übersetzungshilfe für gefundene Internet-Inhalte an, die sich allerdings noch in der Erprobung befindet. Nicht immer erfüllen diese Dienste den gewünschten Zweck: "Solche Online-Module, die gewisse Übersetzungsleistungen versprechen, erweisen sich meist als Quelle allgemeiner Erheiterung oder Verärgerung", weiß Klaus Knoppe vom Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ).

Neben dem britischen Premier Tony Blair kann sich auch der US-Präsident mit seiner Hompage www.whitehouse.gov den Besuchern in der jeweiligen Landessprache vorstellen, wenn auch etwas holprig: "Amerikas 43rd-Präsident, George W. Bush und erstes Willkommen der Dame Laura Bush Sie zum weißen Haus", erscheint etwa bei deutschen Google-Nutzern auf dem Schirm (Originaltext: "America's 43rd President, George W. Bush, and First Lady Laura Bush welcome you to the White House").

Maschinelle Übersetzung qualitativ schlecht

Die übersetzten Internet-Seiten unter www.google.de und www.google.com würden durch eigene Technologien und mit Hilfe externer Anbieter realisiert, erläutert Unternehmenssprecherin Cindy McCaffrey aus Mountain View in den USA. Bislang werde ins Englische, Spanische, Deutsche, Italienische und Französische übersetzt. Doch auch McCaffrey räumt ein, dass die maschinellen Übersetzungen nicht die gleiche Qualität hätten wie ein menschlicher Dolmetscher.

Zweifel an einer vollkommenen Überwindung der Sprachgrenzen im Internet äußert BDÜ-Vizepräsident Knoppe: "Möglichst perfekt bekommt man einen Text im Moment nur von Human-Übersetzern geliefert". Online-Hilfen seien hingegen eher für die Übersetzung einzelner Wörter geeignet. Allerdings bleibe auch dabei fraglich, ob die Terminologie-Datenbank immer die passende Bezeichnung parat habe und nicht sinnentstellend wirke. So werden auf den ins Deutsche übertragenen Websites der Elite-Universitäten Oxford und Berkeley Fakultäten zu "Fähigkeiten", Mitglieder zu "Bauteilen" und Eltern zu "Muttersubstanzen". Knoppe: "Manchmal ist ... noch viel Phantasie erforderlich." Aber eine massive Verbesserung sei so teuer, dass die Internet-Dolmetscher dann sicherlich nicht mehr kostenlos angeboten werden könnten.

Der Suchmaschinen www.abacho.de und www.altavista.de bieten neben der sprachlichen Umwandlung von Websites auch die Übersetzung eigener eingegebener Texte an. Eine Sprecherin des Abacho-Betreibers Endemann Internet AG bezeichnet das Sprach-Projekt als ausgereift, die Zugriffe auf die Seiten hätten sich vier Wochen nach dem Start im Mai verdoppelt.

Umgangssprache sollte vermieden werden

Bei der Übersetzung eigener Texte empfiehlt Altavista, in kurzen Sätzen zu schreiben und Umgangssprache zu vermeiden. Dabei zeigen die Textmaschinen von altavista und abacho, dass sie grundsätzlich sinngemäße Übersetzungen anbieten können, etwa wenn sie aus dem englischen Sprichwort "The early bird catches the worm" die deutsche Entsprechung "Morgenstund hat Gold im Mund" machen.

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