Mitinhaber der Designfirma Schwitzke & Partner
Karl Schwitzke: Der coole Markenmacher

Er gibt den Stars der Modebranche ein architektonisches Gesicht. Karl Schwitzke entwirft für Unternehmen wie Burberry, Tommy Hilfiger und Ipuri die Ladenlokale - ein wachsendes Geschäft. Die Düsseldorfer Designfirma zählt zu den größten ihrer Art in Deutschland.

DÜSSELDORF. Ja, so stellt man sich einen Kreativen vor. Ganz lässig kommt er daher. Er trägt kein Hemd, sondern einen dünnen Pulli, darüber ein legeres Jackett, Baumwollhose und moderne Freizeit-Schuhe, alles Ton in Ton und schwarz natürlich. "Hallo, ich bin Karl Schwitzke", sagt der Mann mit dem Kurzhaarschnitt und bittet den Besucher in sein Büro. Das befindet sich natürlich nicht in einem langweiligen Glas-Stahl-Palast, sondern im Hinterhof-Loft in einer ehemaligen Düsseldorfer Fabrik.

Und schon ist Schwitzke in seinem Element und sprudelt nur so über vor Ideen, wie er die deutsche Handelslandschaft verbessern könnte. "Die Autoindustrie muss sich doch etwas einfallen lassen, wenn die Gruppenfreistellung fällt", erzählt er und ein leichter Pfälzer Dialekt klingt beim gebürtigen Kaiserslauterner durch. "Die Händler könnten ihre Läden doch zu Spezialhäusern für Cabriolets oder Geländewagen aller Marken umbauen", schlägt er vor. "Wieso gibt es kein Kino nur für Erwachsene?" und, und, und.

Schwitzke produziert Ideen am laufenden Band. Die Designfirma Schwitzke & Partner, die der 47-Jährige mit seinem jüngeren Bruder Klaus leitet, arbeitet aber hauptsächlich für Modefirmen. "Wir geben einer Marke das architektonische Gesicht", erklärt er selbstbewusst. Schwitzke entwirft mit seinen 100 Mitarbeitern - vor allem Designern und Innenarchitekten - Ladenlokale, Messestände, Showrooms und sogar Firmenzentralen für die Großen der Branche, von Burlington über Cerruti bis Tommy Hilfiger und Esprit.

Oft sitzt er schon in einer frühen Phase mit den Kunden am Tisch und macht sich Gedanken darüber, wie die Marke auf die Käufer im Laden wirken soll. "Wir haben immer mehr Kunden, die noch wie Hersteller denken und erst eine richtige Marke entwickeln müssen", erzählt Schwitzke. Er sieht sich dann als treibende Kraft und kümmert sich mit seinem jungen Team um alles: von der Definition der Zielgruppe bis zur Farbe der Regale und dem Design der Einkaufstüten.

Aber trotz aller Kreativität und großer Lässigkeit - in der Firma duzen sich alle - , Karl Schwitzke schaut streng auf die Kosten. Er hat ein Kontrollsystem eingerichtet, das ihm jederzeit anzeigt, welches der jährlich bis zu 500 Projekte aus dem Ruder läuft.

Ist das der Fall, macht Schwitzke schon mal Druck. Er wird dann aber nicht richtig laut. Selbst in einem Managementtraining schaffte er es nicht, sein Gegenüber anzuschreien. Ein Ex-Chef hat einmal über ihn gesagt, Schwitzkes größte Stärke sei es, in einer Gruppe Konsens herzustellen.

"Banken verstehen mein Geschäft nicht"

Das ist offensichtlich die richtige Eigenschaft für sein Geschäft. Bei einem Umsatz von rund 8 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr erzielt er eine "Umsatzrendite von deutlich mehr als zehn Prozent", kommt ohne Bankkredite aus und ist froh darüber: "Ich habe keine Lust, mich mit Banken über mein Geschäft zu unterhalten, die verstehen es ja doch nicht."

Der Kaiserslauterner ist ein Spätentwickler. Der Sprössling einer elfköpfigen Familie macht erst eine Schreinerlehre und schafft dann über die Begabtenförderung den Sprung an die Fachhochschule. Mit 23 ist er Innenarchitekt und Produktdesigner. Er genehmigt sich ein Jahr Auszeit in den USA und arbeitet dort für verschiedene Firmen und später am Ladenkonzept für die Modefirma Esprit in Düsseldorf.

Schließlich macht er sich 1989 in Düsseldorf selbstständig. Aber mit seinem Partner kommt er nicht klar. Dann versucht er es mit seinem Bruder Klaus, ebenfalls Designer und Innenarchitekt. Das scheint gut zu funktionieren: Beide sitzen im selben Büroraum und sogar am selben langen Schreibtisch. Karl (60 Prozent der Firmenanteile) kümmert sich vor allem um die Kundenakquisition, Klaus, auch geschäftsführender Gesellschafter (40 Prozent), um die laufenden Projekte. Die Firma ist heute eine der Größten ihrer Branche in Deutschland. Die Konkurrenten sitzen vor allem im Ausland.

Karl Schwitzke hält sich selbst für "eher faul". Auslandsreisen verkürzt er auf einen Tag, und vor neun Uhr ist er selten im Büro. Die Wochenenden verbringt er mit Frau und zwei Söhnen im parkgroßen Grundstück seiner Villa am Rande Düsseldorfs.

Besondere Hobbys? Fehlanzeige. Er denkt sich lieber neue Konzepte und Produkte aus. Für Vitra hat er gerade eine Schiene entwickelt, die Leuchten in Büroregalen mit Strom versorgt - er ist eben ein echter Kreativer.

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