Mitinhaber der Unternehmensberatung C4
Carsten Frigge: Der flexible Querdenker

Er hatte schon viele Jobs: in der Werbung, in der Politik und in der Wirtschaft. Nun tritt der 38-jährige Carsten Frigge gegen die Stars der Beraterbranche an - mit Erfolg.

DÜSSELDORF. Alle Überredenskünste nützen nichts. Ein Blick in sein Büro, selbst ein nur ganz kurzer, ist nicht drin. "Nein, das dürfen nur meine Mitarbeiter betreten", verkündet Carsten Frigge seinem überraschten Besucher freundlich, aber bestimmt. Warum diese Geheimniskrämerei, die nicht einmal Chefs bekannter Konzerne an den Tag legen?

"Dort hängt eine große Wandtafel, die ist voll geschrieben mit Ideen und Strategien für unsere Kunden", klärt der Mann mit dem korrekten Seitenscheitel sein Gegenüber auf. Das ist also das Kapital des Mitinhabers und Mitgeschäftsführers der Düsseldorfer C4 Consulting GmbH. Damit muss sich Frigge mit seiner Mitgesellschafterin und-geschäftsführerin Anabel Houben und seinen 14 Beratern gegenüber den Consulting-Hundertschaften von McKinsey und anderen behaupten.

Den Kampf David gegen Goliath führt er mit einem besonderen Ansatz. "Wir berücksichtigen bei Fusionen den Shareholder-Value-Gedanken genauso wie die Frage, ob die Firmenkulturen zusammenpassen", erklärt der 38-Jährige den Unterschied zur Konkurrenz. "Wir haben keine Konzepte von der Stange wie die großen Beratungshäuser, sondern ganz individuelle Lösungen für jeden Kunden", wirbt er. Die Botschaft kommt offensichtlich an. Konzerne wie Siemens, die Deutsche Bank und MG Technologies lassen sich von C4 in Strategie- und Organisationsfragen beraten.

Und auf einmal ist es mit der Zurückhaltung des sonst so kontrollierten Kopfmenschen Frigge vorbei. "Manche Berater von unseren großen Konkurrenten geben doch schon Antworten, bevor der Kunde überhaupt eine Frage gestellt hat. Die behandeln ihn nicht als gleichberechtigten Partner", nimmt er kein Blatt vor den Mund.

Äußerlich unterscheidet sich Frigge aber nicht von seinen Kollegen aus den Top-Consulting-Häusern. Er trägt einen gedeckten grauen Anzug mit Weste und dezenter Krawatte, fährt einen großen BMW und residiert in einem repräsentativen Büro an einer guten Adresse am Düsseldorfer Rheinufer.

Ein Mann, der es nirgendwo lange aushält

Doch der erste Eindruck täuscht. Frigge ist keiner der üblichen Überflieger, die von der Uni direkt ins Beratergeschäft drängen. Sein Lebenslauf ist für die Branche eher ungewöhnlich und vermittelt das Bild eines Mannes, der es nirgendwo lange aushält, der sich aber locker zwischen den Welten Werbung, Politik und Wirtschaft bewegt.

"Ich liebe die Abwechslung und hasse Gewohnheit und Abhängigkeit", kommentiert er sein Berufsleben und gibt als größte Schwäche seine "Ungeduld" an. Frigge arbeitet gerne im Hintergrund, wo er die "Dinge mit etwas Abstand" betrachten kann.

Bereits als 20-Jähriger schließt er seine Ausbildung zum Werbekaufmann als Jahrgangsbester ab und wird von der Agentur Lintas als Wahlkampfmanager in den US-Präsidentschaftswahlkampf geschickt. Während er später zügig sein Betriebswirtschafts- und Psychologiestudium durchzieht, arbeitet der CDU-Mann nebenbei ("Das hilft, die Arbeit zu strukturieren") als Referent in der Hamburger Landespolitik.

Später vielleicht in die Politik

Er sammelt Erfahrungen in der Wirtschaft als rechte Hand von Jürgen E. Schrempp, dem heutigen Daimler-Chrysler-Chef, der damals die Deutsche Aerospace AG (Dasa) führt. Später krempelt er einen Mittelständler um und geht 1994 zu Roland Berger. "Das war auch alles prima", merkt Frigge mit der ihm eigenen ironischen Art an. "Aber es ist eben eine große Organisation, bei der gewisse Einschränkungen von Freiheitsgraden unumgänglich sind."

Das ist nichts für den auf Unabhängigkeit bedachten, flexiblen Querdenker. Er steigt 1997 aus. Er geht nicht etwa in die Politik zurück, was ihn aber später einmal reizen könnte, sondern gründet mit seiner Ex-Kollegin Anabel Houben die C4 Consulting. Das Geschäft scheint gut zu laufen. Seine Berater machen nach eigenen Angaben heute so viel Umsatz wie die Topkonkurrenten. Das wären pro Consultant rund 400 000 Euro im Jahr.

Auch privat passt der Wahl-Düsseldorfer in kein Schema. Er ist mit dem exzentrischen Künstler Markus Lüpertz ebenso befreundet wie mit Spitzenbanker Hilmar Kopper von der Deutschen Bank. Frigge joggt nicht und spielt weder Tennis noch Golf ("zu mühsam"). Doch er liest viel, mindestens jeden Monat eine Biografie.

Die Bücherregale sind denn auch das einzige Persönliche in seinem diskreten Büro. Das zeigt er zwar keinem Fremden, aber er zeichnet es beim Mittagessen auf eine Serviette.

Vita

Carsten Frigge, 13. Juli 1963 in Hamburg geboren, wird Werbekaufmann und studiert Betriebswirtschaft sowie Psychologie. Zwischendurch arbeitet er als Wahlkampfmanager und als Referent in der Hamburger Politik. Nach dem Studium startet er 1990 bei Dasa-Chef Jürgen Schrempp, strukturiert ab 1992 den Mittelständler Deutsche Tailleur um und wechselt 1994 zu Roland Berger. 1997 gründet er die Unternehmensberatung C4 Consulting.

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