Mitropa-Zukunt ungewiss - Zahlreiche Bahnhöfe werden verkauft
Bahn will Passagiere in Zukunft beim Essen erstklassig behandeln

Mit tief greifenden Änderungen in Infrastruktur und Service will die Bahn künftig Gewinne einfahren. So sollen zum einen rund 1 000 Bahnhofsgebäude im ganzen Bundesgebiet verkauft werden, zum anderen will das Unternehmen Fahrgäste der ersten Klasse in den IC- und EC-Zügen so verwöhnen wie im Flugzeug. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" hat unterdessen ein Streit in der Regierung Hilfe bei der Sanierung des Schienennetzes in Frage gestellt.

ap/afp/dpa FRANKFURT. Die Hamburger "Bild am Sonntag" schrieb, Getränke und Menüs sollten ab 2003 in der ersten Klasse der Schnellzüge von Stewardessen am Sitzplatz serviert und im Fahrpreis enthalten sein. Die Fahrten müssten aber wie Flüge vorher fest gebucht und reserviert werden, um ausreichend Speisen vorbereiten zu können.

Die Bahn setze auf Qualität, schrieb das Blatt: "Feinkost von exquisiten Markenherstellern ist vorgesehen. Fahrgästen der zweiten Klasse sollen in Bistro-Bereichen Snacks gegen Bezahlung angeboten werden." Die alten Speisewagen würden schon im nächsten Sommer stillgelegt. "Die Wagen sind zu alt und zu reparaturanfällig", sagte Bahnsprecher Dirk Große-Leege.

Bis zur Umsetzung des neuen Konzepts Ende 2002 will die Bahn statt der Bordrestaurants überzählige Bistrowagen aus still gelegten Interregio-Zügen als Übergangslösung an die Intercitys kuppeln. Noch offen ist der Zeitung zufolge, was aus der Bahn-Tochter Mitropa wird, die bislang die Speisewagen betreibt. Gedacht werde unter anderem an einen Verkauf.

Verkauf von Bahnhöfen bestätigt

Ein Unternehmenssprecher bestätigte am Samstag ferner, dass rund 1 000 Bahnhöfe verkauft werden sollen. Das Bielefelder "Westfalen-Blatt" meldete außerdem, daneben würden 250 Reisezentren geschlossen. Die Maßnahmen seien Teil des Sanierungskonzepts, mit dem die Bahn ihr Ergebnis im operativen Geschäft bis zum Jahr 2004 um 8,4 Mrd. DM verbessern wolle.

Der Sprecher sagte, der Verkauf der Bahnhöfe habe nichts mit einer Streckenstillung zu tun. Allerdings werde das neue Preissystem, das Anfang 2002 in Kraft trete, so einfach und überschaubar, dass der Beratungsbedarf der Fahrgäste sinke. Deshalb werde derzeit auch die Wirtschaftlichkeit von Verkaufsstellen vor allem in kleinen bis sehr kleinen Orten geprüft. Nach den Schließungen sollten sich Reisende mit ihren Fragen und Problemen an Reisebüros in der Nähe wenden können. "Das ist ein Prozess, das kommt nach und nach", sagte der Sprecher.

Entscheidungen über den geplanten Einstieg in den Stadtverkehr sind dagegen einer Bahnsprecherin zufolge noch nicht gefallen. Es würden derzeit Gespräche geführt. Das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete, die Bahn wolle die Verkehrsbetriebe mehrerer Städte komplett oder teilweise übernehmen. Um die meist verlustbringenden Betriebe profitabel zu führen, sollten die Fahrer zu deutlich niedrigeren Tarifen beschäftigt werden.

Regierungsstreit stellt Sanierung des Netzes in Frage

Unterdessen berichtete die "Süddeutsche Zeitung", ein Streit in der Bundesregierung gefährde die Sanierung des maroden Schiennenetzes. Das Verkehrs- und Finanzministerium seien sich uneinig über die Verwendung der jährlich zwei bis 2,5 Milliarden DM, die der Bund nach der Versteigerung der UMTS-Mobilfunkfrequenzen für die Bahn bereitgestellt hat, berichtete die Zeitung in ihrer Montagsausgabe. Verkehrsminister Reinhard Klimmt SPD will diesen Betrag für die Sanierung des Bahnnetzes und den Aus- und Neubau von Strecken nutzen.

Nach Angaben des Blattes will das Finanzministerium dagegen einen großen Teil des Geldes für andere Zwecke verwenden oder gar nicht auszahlen, sondern etwa mit den Kosten für Einsätze des Bundesgrenzschutzes bei der Bahn verrechnen. Die Reparatur der abgenutzten Gleise würde dann erheblich länger dauern als geplant.

Bei der Bahn gibt es inzwischen 2 000 Streckenabschnitte mit so genannten Langsamfahrstellen, an denen Züge aus Sicherheitsgründen meist nur im Bummeltempo unterwegs sind. Das Finanzministerium teilte der Zeitung auf Anfrage mit, es sei noch nicht entschieden, was mit den Milliarden für die Bahn geschehen soll.

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