Mitsubishi-Präsident Kawasoe zurückgetreten
Daimler-Chrysler zieht die Zügel bei Mitsubishi an

Die Daimler-Chrysler AG weitet ihren Einfluss bei dem japanischen Autobauer Mitsubishi Motors aus und bezahlt einen geringeren Preis für ihre geplante Beteiligung an der Firma.

Reuters STUTTGART/TOKIO. Für den 34-prozentigen Anteil werde der Konzern statt der zunächst vereinbarten 2,4 Mrd. Euro nur 2,2 Mrd. Euro bezahlen, teilten beide Firmen am Freitag in Stuttgart und Tokio mit. Zudem könne der Konzern den Anteil nach einer Frist von drei Jahren unbegrenzt aufstocken. Daimler-Manager Rolf Eckrodt, der bisher die Bahn-Tochter Adtranz geleitet hatte, werde die neue Stelle des Chief Operating Officer (COO) antreten. Mitsubishi-Präsident Katsuhiko Kawasoe erklärte nach Vertuschungs-Vorwürfen gegen den Konzern seinen Rücktritt.

Daimler-Chrysler hatte erst im Juli die Allianz mit dem asiatischen Konkurrenten besiegelt. Für die überwiegend im PKW-Bereich geplante Kooperation waren damals eine Beteiligung von 34 % an Mitsubishi und drei Posten im Führungsgremium des Partners vereinbart worden. Nachdem Mitsubishi aber im vergangenen Monat eingeräumt hatte, über 20 Jahre hinweg meldepflichtige Fahrzeugdefekte den Behörden verheimlicht zu haben, zog Daimler-Chrysler nun die Zügel bei der Firma an. Dadurch will das Unternehmen laut Branchenbeobachtern die Sanierung beschleunigen und weitere Qualitätsmängel verhindern. Analysten werteten die Vereinbarung als positiv für Daimler-Chrysler.

Der Kaufabschluss für die Beteiligung an dem Unternehmen solle im Oktober vollzogen werden, teilte Daimler-Chrysler weiter mit. Die Vereinbarung sehe vor, dass der Vorstand von Mitsubishi Motors von zehn auf elf Mitglieder erweitert werden solle. Die für den 58-jährigen Eckrodt neu geschaffene Position des COOs umfasse die Verantwortung für Forschung und Entwicklung, Produktion, Qualitätsmanagement, Einkauf, Marketing und Vertrieb. Eckrodt werde seine neue Tätigkeit nach erfolgreicher Abwicklung des im August vereinbarten Verkaufs von Adtranz an die kanadische Bombardier beginnen.

Mit der Entsendung eines COO zu Mitsubishi kann Daimler-Chrysler nach eigenen Angaben das Heft bei der japanischen Firma in die Hand nehmen, ohne dabei die hohen Schulden von über 30 Mrd. DM in seiner Bilanz ausweisen zu müssen. Bei einer gelungenen Sanierung des zuletzt noch Verluste schreibenden Unternehmens hat Daimler-Chrysler nun aber auch die Option, nach dem Ablauf von drei Jahren die Mehrheit bei Mitsubishi zu erwerben.

"Mit der Vereinbarung haben wir im Rahmen unserer Allianz eine solide Basis geschaffen, um Mitsubishi Motors aus einer schwierigen Situation wieder in die Position der Stärke zu führen", kommentierte Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp die erzielte Einigung. Dadurch solle das gute Ansehen des viertgrößten japanischen Autoherstellers weltweit wieder hergestellt werden.

Kawasoe bleibt weiter im Board

Der Präsident von Mitsubishi Motors, Katsuhiko Kawasoe, zog gleichzeitig die Konsequenzen aus dem Vertuschungsskandal und kündigte seinen Rücktritt an. Der 63-jährige Manager war der Architekt der Allianzen mit dem schwedischen Lkw-Hersteller Volvo und mit Daimler-Chrysler. Seine Nachfolge wird nach Angaben von Daimler-Chrysler der bisherige Stellvertreter Takashi Sonobe zum 1. November antreten. Kawasoe werde dem Mitsubishi-Board - einer Mischung aus Vorstand und Aufsichtsrat - weiter als kontrollierenden Mitglied angehören, hieß es.

Vor der Ankündigung von Kawasoe hatte das japanische Transportministerium mitgeteilt, wegen der Vertuschungen werde es Strafanzeige gegen Mitsubishi erstatten und eine Geldstrafe von bis zu vier Mill. Yen (rund 76 000 DM) für vier heimliche Rückrufaktionen beantragen.

Analysten beurteilten die jetzige Vereinbarung überwiegend positiv. Christian Breitsprecher von der Deutschen Bank erwartete, dass Daimler-Chrysler auch durch nun angekündigte die Entsendung weiterer Manager aus Ebenen unterhalb des Vorstands nun die Sanierung bei Mitsubishi schneller und härter vorantreiben werde als bisher geplant. Dadurch könnten zwar kurzfristig nochmals höhere Verluste entstehen, allerdings würde die Gewinnzone dann rascher erreicht.

Nach Ansicht von Branchenbeobachtern könnte sich künftig auch der Kampf zwischen Daimler-Chrysler und Volvo um die Nutzfahrzeugsparte zuspitzen. Daimler-Chrysler werde alles dafür tun, die Position des schwedischen Herstellers bei Mitsubishi zu übernehmen, vermutete ein Analyst. Der Stuttgarter Konzern kann auf die Nutzfahrzeugsparte von Mitsubishi nicht zugreifen, da die Firma dort bereits mit Volvo kooperiert. Volvo hatte am Freitag bekräftigt, man würde bei einem richtigen Preis eine Aufstockung bei der LKW-Sparte von Mitsubishi Motors erwägen. Offiziell heißt es bei Daimler-Chrysler dazu lediglich, man habe die Verbindung zwischen den Volvo und Mitsubishi immer akzeptiert und daran ändere sich nichts. Kawasoe sagte, es gebe keinen Grund für die Firma, ihren Anteil an der Mitsubishi zu erhöhen. Volvo hält derzeit fünf Prozent an dem japanischen Autobauer und ist damit zu 20 % an einem Lkw-Joint-Venture mit Mitsubishi beteiligt.

Mit der Mitsubishi-Beteiligung wird Daimler-Chrysler zum drittgrößten Autokonzern der Welt. Über die jetzigen Änderungen war seit einer Woche spekuliert worden. Überraschend kam die Reduzierung des Kaufpreises, da bisher von einer Aufstockung des Daimler-Chrysler-Anteils ausgegangen worden war. Die Aktien des deutsch-amerikanischen Konzerns zogen bis Freitagmittag in Frankfurt um 0,59 % auf 58,18 Euro an.

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