Mitsubishi-Präsident Takashi Sonobe entschuldigte sich bei den Verbrauchern
Mitsubishi ruft 1,35 Millionen Fahrzeuge zurück

Der japanische Autohersteller Mitsubishi Motors hat zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres eine massive Rückrufaktion angekündigt. Betroffen seien gut 400 000 Fahrzeuge in Japan, und außerdem stehe ein Rückruf von etwa 950 000 Fahrzeugen in den USA bevor, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Tokio mit.

Reuters TOKIO. Mitsubishi-Präsident Takashi Sonobe entschuldigte sich bei den Verbrauchern. Die Daimler-Chrysler AG, die mit 34 % an Mitsubishi beteiligt ist, teilte mit, durch die Aktion entstünden für Daimler-Chrysler keine zusätzlichen Kosten. An der Börse in Tokio geriet die Mitsubishi-Aktie stark unter Druck. Im deutschen Aktienhandel gab auch die Daimler-Chrysler-Aktie leicht nach.

Der viertgrößte japanische Autohersteller hatte bereits im vergangenen Jahr rund eine Million Fahrzeuge zurückgerufen, nachdem bekannt geworden war, dass das Unternehmen jahrelang Beschwerden von Kunden verheimlicht hatte. In der jetzigen Rückrufaktion sind auch 110 000 Fahrzeuge enthalten, die bereits im vergangenen Sommer zurückgerufen worden seien. Von dem jetzigen Rückruf sind nach Angaben japanischer Behörden elf Modelle betroffen. Mitsubishi bezifferte die Kosten für die Aktion auf umgerechnet mehr als 310 Mill. DM. Mitsubishi hatte für das im März endende Geschäftsjahr einen Sonderverlust von mehr als 200 Mill. DM angekündigt, um die Rückrufaktionen des vergangenen Jahres zu decken.

Die deutsche Mitsubishi-Vertriebstochter teilte mit, in Deutschland würden 22 000 Fahrzeuge der Baureihe Galant der Baujahre 1993 bis 1996 und Eclipse ab dem Baujahr 1996 in die Werkstätten gerufen. Bei den Fahrzeugen würden Teile der vorderen Radaufhängung auf Verschleiß geprüft.

Mitsubishi-Motors-Präsident Sonobe entschuldigte sich in Tokio für die Rückrufaktion. "Wir müssen uns erneut öffentlich entschuldigen, dass wir das Vertrauen in uns enttäuscht haben", sagte er. Mitsubishi werde Verschiedenes unternehmen, damit sich solch ein Vorgang nie mehr wiederhole. "Wir hoffen, zusammen mit DaimlerChrysler ein Kontrollsystem aufzubauen", sagte Sonobe.

Analysten sagten, bei Mitsubishi sei eine drastische Umstrukturierung sämtlicher Geschäftsprozesse unter starker Kontrolle durch DaimlerChrysler nötig. Der Stuttgarter Konzern ist seit vergangenem Jahr mit 34 % an Mitsubishi beteiligt. Den damaligen Skandal um jahrelang verschwiegene Mängel nutzte DaimlerChrysler seinerzeit, um seinen Einfluss bei Mitsubishi auszubauen. So wurde der Kaufpreis für die Anteile gesenkt, und zudem erhielt DaimlerChrysler eine Option auf die Übernahme aller Anteile nach drei Jahren. Der frühere Chef der bisherigen Daimler-Bahntechnik-Tochter Adtranz, Rolf Eckrodt, wurde mittlerweile als für das Tagesgeschäft verantwortlicher Chief Operating Officer zu Mitsubishi entsandt und mit der Sanierung beauftragt.

Eine Daimler-Chrysler-Sprecherin sagte, für ihr Unternehmen entstünden durch den jetzigen Rückruf keine zusätzlichen Belastungen. "Wir wurden bereits frühzeitig informiert, und die Kosten sind bereits in dem Umstrukturierungsplan enthalten."

Daimler-Chrysler leidet derzeit auch unter hohen Verlusten seiner US-Tochter Chrysler. Auf seiner Bilanzpressekonferenz am 26. Februar will der Konzern ein Konzept für eine Neuausrichtung von Chrysler vorlegen, seine Pläne für eine Umstrukturierung von Mitsubishi erläutern und voraussichtlich auch die Belastungen durch die Vorhaben bekannt geben. In Firmenkreisen wird davon ausgegangen, dass es eine umfassende Plattformstrategie zwischen Mitsubishi und Chrysler geben wird, so dass Fahrzeuge beider Marken auf gemeinsamer Grundarchitektur entwickelt werden. An der Börse in Tokio gab der Kurs der Mitsubishi-Motors- Aktie um 8,3 % auf 364 Yen nach, während der Gesamtmarkt leicht zulegte. Im deutschen Aktienhandel sank der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie bis zum Mittag leicht gegen den Markttrend um 1,1 % auf 54,90 Euro.

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