Mitte April endet Aussetzung der Darlehenstilgung
Banken drängen Spar zum raschen Handeln

Die Konsumflaute im deutschen Lebensmittelhandel macht der Sanierung der Spar Handels-AG einen Strich durch die Rechnung. Der siebtgrößte deutsche Handelskonzern muss bereits bis Jahresende einen Großteil seiner Verbrauchermärkte abgeben. Dazu soll nun der Aufsichtsrat den Weg frei machen.

HAMBURG. Für die Spar Handels-AG aus Schenefeld bei Hamburg wird die Luft knapp. Die Kreditinstitute gewähren dem hoch verschuldeten Lebensmittelhändler eine Aussetzung der Tilgung aller Darlehen nur noch bis zum 15. April. Sie verlangen vom Vorstand und Aufsichtsrat der siebtgrößten deutschen Lebensmittelkette, dass sie bis dahin die Weichen für ein zeitlich deutlich gestrafftes Sanierungskonzept gestellt haben.

Heute soll das Kontrollgremium der Spar dazu seine Zustimmung erteilen, erklärte Spar-Aufsichtsrat Reiner Wiegand dem Handelsblatt. Sollten die Banken diesem Konzept nicht zustimmen, dann "wird es grau für die Spar", sagte der Verdi-Gewerkschaftsvertreter.

Die Spar Handels-AG hält sich bedeckt. Man wolle sich zu den vertraulichen Absprachen mit den Banken und zu Interna zwischen Vorstand und Aufsichtsrat nicht äußern, heißt es auf Anfrage des Handelsblattes. Zu den größten Kreditgebern der Spar gehören unter anderem Deutschen Bank und DZ Bank.

Wie das Handelsblatt aus dem Spar-Aufsichtsrat erfuhr, muss der Vorstand auf Drängen der Banken das ursprünglich mittelfristig angelegte Sanierungskonzept jetzt schneller umsetzen. Danach soll sich der Lebensmittelhändler bis spätestens Ende März kommenden Jahres von seinen 200 Eurospar- und 150 Intermarché-Verbrauchermärkten trennen. Betroffen wären etwa 9 000 Mitarbeiter.

Schon bis Ende Dezember sollen rund 8 000 Mitarbeiter von Bord gehen. Dabei ist geplant, die Verbrauchermärkte teils zu schließen, teils an Konkurrenten zu verkaufen oder an die Marktstellenleiter abzugeben. Der restliche Abbau soll bis Ende März nächsten Jahres erfolgen, heißt es aus dem Aufsichtsrat. Für die zu schließenden Verbrauchermärkte sei inzwischen mit dem Betriebsrat ein Sozialplan erstellt worden, der einen hohen zweistelligen Euro-Betrag umfasst. Über die Zahl der Schließungen waren weder vom Aufsichtsrat noch vom Spar-Management Angaben zu erhalten.

Die nach dem Vorbild des französischen Hauptanteilseigners ITM Entreprises SA auf das "Intermarché"- Konzept umgestellten Märkte sollen nach Unternehmensangaben an "selbstständige Einzelhändler" verkauft werden. Dies betrachte Spar nicht als eine Trennung, sondern als eine neue Vertriebslinie des Handelskonzerns.

Spar hatte ab Mai 2000 mit Investitionen in hoher zweistelliger Euro-Millionenhöhe damit begonnen, die Eurospar-Märkte sukzessive auf das französische Konzept umzustellen. Die Läden umfassen mehr Frischeprodukte und Handelsmarken.

Mit der vollständigen Trennung von den Verbrauchermärkten will Spar ihren größten Verlustbringer abschütteln. Denn der Bereich erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2001 operativ einen Fehlbetrag von rund 149 Mill. Euro. Damit waren die Verbrauchermärkte fast für den gesamten Konzernverlust von 167 Mill. Euro verantwortlich. Einen positiven Ergebnisbeitrag leisteten allein die Discount-Tochter Netto (33 Mill. Euro) und der Spar-Großhandel (8 Mill. Euro). Im 1. Halbjahr 2002 erreichte der operative Verlust bei einem Konzernumsatz von 3,2 Mrd. Euro (ohne Umsatzsteuer) 60,9 Mill. Euro, während er im vorangegangenen Vorjahreszeitraum bei 3,2 Mrd. Euro Umsatz 78,3 Mill. Euro ausmachte. Neuere Zahlen zum Geschäftsverlauf liegen bisher noch nicht vor.

Damit ist der Ausflug der französischen Handelsgruppe ITM in Deutschland gescheitert, die sie nach Schätzungen von Experten rund 1,3 Mrd. Euro gekostet hat. Der Pariser Lebensmittelriese war im Mai 1997 bei Spar eingestiegen und wollte durch die Umstellung der Verbrauchermärkte auf die werthaltigere Intermarché-Linie den finanziell schlingernden Konzern wieder fit machen.

Doch die hohe Verschuldung des Konzerns bei den Banken, die sich im Jahr 2001 bei rund 483 Mill. Euro bewegte, sowie die Konsumflaute machten Vorstandschef Fritz Ammann bei seinen Sanierungsbemühungen eine Strich durch die Rechnung.

Das Unternehmen wird sich künftig auf den Großhandel mit der Belieferung des selbstständigen Einzelhandels sowie den Discounter Netto konzentrieren.

Offen ist, wie viele der 350 Märkte tatsächlich an Wettbewerber verkauft oder von den Marktleitern ertragreich weitergeführt werden können. Der Verkauf der Märkte gestaltet sich angesichts der schwachen deutschen Einzelhandelskonjunktur und nicht optimaler Lage vieler Märkte schwierig. Denn Konkurrenten wie Edeka und Rewe dürften nicht um jeden Preis die Märkte übernehmen. So gingen bisher nur acht Eurospar-Märkte an die Edeka Nord. Edeka-Sprecher Joachim Brozio: "Ich kann mir keinen Paketkauf vorstellen." Allerdings seien Verhandlungen über einzelne Standorte möglich.

Die Börse zeigt sich von Spar unbeeindruckt. In Frankfurt notierten die Spar-Stämme und Vorzüge gegenüber dem Vortag unverändert. Die Stämme lagen bei 4,25 Euro, die Vorzüge bei 9 Euro.

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