Mitteilung des Amtsgerichtes
Lipro unter vorläufiger Insolvenzverwaltung

Das Softwarehaus steckt nach der schlechten Entwicklung der Zahlen tief in der Krise.

ddp.vwd BERLIN. Das Berliner Softwarehaus Lipro AG steht unter vorläufiger Insolvenzverwaltung. Wie das Unternehmen am Freitag in einer Pflichtmitteilung erklärte, habe es am Donnerstag eine entsprechende Mitteilung des Amtsgerichtes Berlin-Charlottenburg erhalten. Diese sei «mitten in die Aktivitäten und Verhandlungen zur Umsetzung des am 28. Juni veröffentlichten Fortschrittskonzeptes» gefallen. Den Angaben zufolge haben die Mitarbeiter diese Entscheidung als Gefahr für ihre Arbeitsplätze angesehen und eine sofortige Aussetzung der vorläufigen Insolvenzverwaltung gefordert.

Hintergrund der Entscheidung des Amtsgerichtes ist die problematische Entwicklung bei der Lipro AG, die am Neuen Markt gelistet ist. Das Unternehmen hatte im Mai seine im April veröffentlichten vorläufigen Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr nach unten korrigiert. Danach belief sich das endgültige Vorsteuerergebnis auf minus 25,6 (1999: -2,4) Millionen Mark (rund 13,1 Millionen Euro). Der Umsatz lag bei 8,5 (9,4) Millionen Mark. Erforderlich geworden war die Korrektur des ursprünglich ausgewiesenen Ergebnisses laut Unternehmensangaben durch eine Entscheidung von Aufsichtsrat und Vorstand zur Bewertung aller Risiken und die Anrechnung der angefallenen Kosten. Bilanz und Sanierungskonzept führten außerdem zu einer Korrektur der Planzahlen für das laufende Geschäftsjahr. Der voraussichtliche Umsatz betrage 2001 nun 35,9 Millionen Euro, das Ergebnis vor Steuern 9,2 Millionen Euro.

Wie es dazu in einer Lipro-Erklärung weiter hieß, falle vor allem die Risikobewertung des im vergangenen Jahr getätigten Russlandgeschäftes ins Gewicht. Das Unternehmen hatte sich Marktrechte gegen die Lieferung von Softwarelizenzen zusichern lassen. In der Konsequenz ergebe sich aber für 2001 die Aussicht auf außerordentliche Erträge auf Basis der bereits 2000 geschaffenen Werte. Zur Überbrückung des bestehenden Liquiditätsengpasses hatte Lipro den Hausbanken ein Restrukturierungs- und Sanierungskonzept vorgelegt. Danach sollen die Organisation des Gesamtkonzerns effizienter gestaltet, Synergiepotenziale zwischen den Tochterunternehmen verstärkt und die Ausrichtung auf nunmehr drei Geschäftsfelder erfolgen.

Lipro hatte dann Mitte Juni einen Bußgeldbescheid über 80.000 Euro von der Deutschen Börse AG erhalten. Er wurde damit begründet, dass Lipro seinen Jahresabschluss mit einer Verspätung von 26 Börsentagen eingereicht habe.

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