Mittelabflüsse können die Wertentwicklung belasten
Ein Blick auf das Fondsvermögen lohnt sich

Ein schrumpfendes Portfolio kann gefährlich werden. Es zwingt den Fondsmanager unter Umständen zu ungeplanten Verkäufen - zu Lasten der Performance. Im schlimmsten Fall muss der Fonds sogar geschlossen werden.

HB DÜSSELDORF. Das war?s. Nach nicht einmal anderthalb Jahren stellte die DWS bei ihrem Aktienfonds DVG Internet Global "wegen geringer Nachfrage" die Ausgabe neuer Anteile ein. Zugegeben, der Auflagezeitpunkt Juni 2000 erscheint im Nachhinein mehr als ungünstig gewesen zu sein. Ob der Fonds geschlossen oder mit einem Schwesterprodukt zusammen gelegt wird, soll noch entschieden werden.

Am Ende hatte der Fonds nach Informationen der DWS-Internetseiten noch ein Volumen von rund 1 Mill. ?. Solche Minifonds gibt es aber nicht nur im arg gebeutelten Internetbereich. Auch im Fondssegment für europäische Standardwerte gibt es Produkte, die weniger als 10 Mill. ? verwalten. Sinkende Kurse und Anleger, die ihre Gelder abziehen, lassen bei vielen Fondsprodukten die Volumina abschmelzen.

Fondsexperten raten Anlegern, bei der Produktauswahl auch auf das Fondsvermögen und auf den regelmäßigen Zufluss von Anlegergeldern zu achten. "Wenn ein Fonds keine frischen Gelder herein bekommt, kann er möglicherweise Investmentchancen nicht nutzen. Das kostet Performance", warnt Waldemar von Roon, Vorstandsvorsitzender der RWS Vermögensplanung AG. Zudem besteht die Gefahr, dass bei einem zu geringen Volumen die Kapitalanlagegesellschaft den Fonds vom Markt nimmt - siehe Beispiel DWS.

Doch eine eindeutige Volumen-Marke, ab der ein Fonds wahrscheinlich geschlossen wird, gibt es nicht. Das bleibt der Geschäftspolitik der einzelnen Häuser überlassen. Auch beim zuständigen Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) heißt es, es gebe keine Regelungen über Mindestvolumina bei Fonds. "Meiner Meinung nach sollte ein Fonds mindestens zehn Millionen Euro haben, um vernünftig agieren zu können", meint Fondsexperte von Roon. Denn wenn ein Fonds klein ist und keine frischen Gelder hineinbekommt, muss das Fondsmanagement unter Umständen Positionen auflösen, um die Anleger ausbezahlen zu können, die ihre Gelder abziehen. Es besteht die Gefahr, dass der Fondsmanager dann bei einem Kurstief einzelne Werte verkaufen muss, um diese Abflüsse zu finanzieren, warnt von Roon. Auch das geht zu Lasten der Wertentwicklung des Fonds.

Wer sich über Volumina und Mittelaufkommen von bestimmten Fonds informieren will, findet die Daten im Internetangebot des Branchenverbandes Bundesverband Deutscher Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaften (BVI). Unter "Fondsmonitor" werden Fondstatistiken angeboten, die auf dem aktuellsten Stand sind.

Ein geringes Fondsvolumen muss aber nicht in jedem Fall schlecht sein, gibt Hermann-Josef Hall von Sauren Fondsresearch zu bedenken. "Ein kleiner Fonds ist in seiner Anlagepolitik flexibler als ein Produkt, das mehrere Milliarden verwaltet", sagt Hall. Aber auch er räumt ein, dass bei geringen Fondsvolumen die Fixkosten wie Erstellung der Rechenschaftsberichte und Kosten für Wirtschaftsprüfer stärker durchschlagen als bei einem großen Fonds.

Fixkosten belasten die kleinen Fonds

Diese Fixkosten hält Thomas Reinhold, Sprecher der Fondsgesellschaft Nordinvest, auch für die beiden Mini-Fonds seines Hauses für "verkraftbar". "Da mehrere Fonds zudem von einem Team gemanagt werden, müssen auch nicht die Kosten für das Management durch die Verwaltungsgebühr eines einzelnen Fonds gedeckt werden," erläutert er. Die beiden Fonds in der Tabelle seien daher nicht von einer Schließung bedroht. "Als Investmentgesellschaft wollen wir unseren Kunden möglichst eine umfassende Palette bieten", sagt Reinhold.

Auch Hauck & Aufhäuser will die beiden in der Tabelle genannten Fonds nicht zumachen. "Als Fondsgesellschaft einer Privatbank kennen wir einen Großteil der Anleger, die in diese Produkte investiert haben", erläutert Lothar Rafalski, Geschäftsführer von Hauck & Aufhäuser Investment in Luxemburg. Zudem müssten sich die Fonds nicht allein rechnen. "Da wir zu unseren Kunden Beziehungen auf mehreren Ebenen haben, gibt es die Möglichkeit zur Quersubventionierung", sagt Rafalski.

Fondsexperte von Roon ist die Aufblähung der Fondspaletten indes ein Dorn im Auge. Statt neuer Themen- und Spezialistenfonds wie Senioren- oder Jugendfonds auf den Markt zu werfen, sollten die Anbieter sich lieber um die Pflege der bestehenden Produkte kümmern, fordert er. Vermutlich könnte dann einigen Produkten das Schicksal des DVG Internet Global erspart bleiben.

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