Mittelfristig Potenzial bis auf 6 600 Zähler
Dax-Ausblick: Kurzfristig ist ein Rückgang bis auf 5 670 Punkte möglich

Einstiegschancen und Aufwärtspotenziale werden jede Woche veröffentlicht. Doch manchmal werden auch Experten von der Eigendynamik der Märkte überrascht. Analysten waren sich in den vergangenen Wochen einig, dass der Dax sich zwischen 6 000 und 6 300 Punkten eine längere Verschnaufpause (Konsolidierungsphase) gönnt. Schon bald sollte es aber wieder freundlichere Kurse geben. Seit dem Kursverfall am Freitag - zeitweise unter 5 900 Dax-Punkte - haben sich diese Szenarien in Luft aufgelöst.

DÜSSELDORF. "Die Konsolidierungsphase ist zerlegt", sagt Uwe Wagner von der Deutschen Bank . Der Charttechniker hält es jetzt für möglich, dass der Standardwerte-Index nach seinen Jahres-Tiefstständen Ende März (3-Monats-Chart) ein zweites Mal nach unten tendiert. Der Analyst beschreibt das als "zweites Bein ausbilden." Und er hält es durchaus für möglich, dass sich der Index - nunmehr mit zwei Beinen ausgestattet - wieder nach oben stemmen kann.

Zunächst stellt sich jedoch die Frage, wie hoch die Korrekturpotenziale ausfallen könnten? Wagner sieht aus charttechnischer Perspektive Unterstützungslinien bei 5 948, 5 830 und wenn der Index auch durch dieses Niveau brechen sollte schließlich bei 5 720 bis 5 670 Punkten. "Dass es dann noch weiter abwärts geht, ist höchst unwahrscheinlich", sagt Wagner.

"Anschließend muss der Dax die Marken bei 6 000 und 6 300 Punkten knacken. Dann gibt es Aufwärtspotenzial bis auf 6 600 Punkte", sagt Wagner. Eine Abschätzung, wann dieses passiert, sei in dieser charttechnischen Prognose jedoch nicht möglich.

Abwarten, nichts tun und auf eine Stabilisierung warten

Kleinanlegern rät der Analyst, momentan dem Aktienmarkt fernzubleiben. "Der sinnvollste Rat, den man zurzeit geben kann, ist: nichts tun", sagt er. Privatinvestoren sollten abwarten, bis sich die Börsen wieder stabiler zeigten.

Neben rein markttechnischen Aspekten fällt Analysten momentan eine richtungsweisende Einschätzung schwer. Die Kapitalmarktexperten der DG Bank sehen erst Indexstände von 6 300 Punkten beim Dax und 1 800 Zählern beim Nemax-All-Share erneut als Kaufsignale an, heißt es in ihrer wöchentlich veröffentlichten Wertpapierstrategie. Ein kurzfristiges Unterschreiten der 6 000 Punkte-Marke sei beim Dax nicht notwendigerweise negativ, sondern könnte sich als "Bärenfalle" erweisen. Zumindest mittelfristig sei davon auszugehen, dass die US-Börse den deutschen Aktien freundliche Vorgaben liefert.

Zunächst rechnen die DG-Banker jedoch mit belastenden Einflüssen von Unternehmensnachrichten und Konjunkturdaten. Die kommende Woche wird erneut bestimmt von zahlreichen Hauptversammlungen. Interessant dürfte die Zusammenkunft der Lufthansa-Anteilseigner am Mittwoch werden, nachdem die Kranich-Airline vor allem bei den Personalkosten jüngst abhebt. Ein Überblick über die wichtigsten Daten der kommenden Woche verbirgt sich hinter folgendem Link:

Tabelle mit Unternehmensterminen

Flut von US-Gewinnwarnungen könnte Leitbörsen ins Minus ziehen

Die Experten der DG Bank warnen, vor der im Juli beginnenden Berichtssaison der US-amerikanischen Unternehmen sei mit einer Flut von Gewinnwarnungen zu rechnen. Auch im 3. Quartal scheine noch keine Besserung in Sicht. Für das vierte Quartal erwarte der Markt jedoch eine nachhaltige Wende zum Besseren. Dann sollten auch die Zinssenkungen der vergangenen Monate ihre Wirkung zeigen.

Hamburgische Landesbank sieht Dax kommenden Freitag bei 6 000 Punkten

Die Analysten der Hamburgischen Landesbank prognostizieren den Dax auf Wochenfrist bei 6 000 Zählern und auf Sicht von 6 Monaten bei immerhin 6 750 Punkten. In der kommenden Woche sollten die Kurse ihrer Einschätzung nach fallen. Auch beim Stoxx 50 sehen Sie nachgebende Stände bis auf 4 080 Punkte (3-Monats-Chart).

Wir haben in dieser Woche strategische Anlageempfehlungen von der Hamburgischen Landesbank in einer Tabelle für Sie zusammen gestellt:

Anlagefavoriten der Hamburgischen Landesbank

Die Analysten der GZ Bank glauben ebenfalls, dass sich die "globalen Irritationen am Aktienmarkt" fortsetzen. Sie raten Anlegern daher, defensive Sektoren bei Aktienkäufen zu bevorzugen und auf diese Weise "sichere Häfen" aufzusuchen. Auf ihrer Empfehlungsliste rangieren die Titel Eon , Schering und Unilever ganz oben.

Eon sei auf dem Weg zu einem globalen Power-House titeln die GZ-Banker in einer Kurzeinschätzung. Sie bestätigte jüngst die Aktie des Energie-Riesen als "Outperformer". Nach den Übernahmen von Powergen und der schwedischen Sydkraft sei die "Kriegskasse" weiter gut gefüllt und ermögliche auch künftig Akquisitionen. Die Konzentration auf die Kerngeschäftsfelder Energie und zunächst noch Chemie werde kontinuierlich durch den Verkauf von Randaktivitäten voran getrieben. Die Aktie sei mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17,8 (Basisjahr: 2002) im Branchenvergleich günstig bewertet.

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