Mittelfristig trübere Konjunkturaussichten
Konsum stützt Wachstum in Frankreich

Noch läuft der französische Wachstumsmotor einigermaßen rund. Doch die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas bereitet sich auf härtere Zeiten vor. Vielfach korrigieren Ökonomen ihre Wachstumsprognosen bereits nach unten. Vor allem für das vierte Quartal gelten die Perspektiven als unsicher.

PARIS. Frankreichs Wirtschaft hat sich in den vergangenen zwei Quartalen zwar besser behauptet als andere Ländern in der Euro-Zone. Aber auch die Konjunkturaussichten für die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas bleiben nicht von Unsicherheit verschont. Immer mehr Ökonomen revidieren bereits ihre Wachstumsprognosen für Frankreich nach unten. Als Reaktion räumt die Regierung unter Leitung des Premierministers Jean-Pierre Raffarin dem Abbau des Staatsdefizits keine Priorität mehr ein.

Gleichwohl verschärft Raffarin den Sparkurs, um unter keinen Umständen die eigene Defizitprognose von 2,5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu überschreiten. Schon im August verfügte das französische Finanzministerium deshalb eine Art Haushaltssperre über 4 Mrd. Euro. Dies entspricht rund 10 % des erwarteten Defizits.

Nach Angaben des Statistikamtes Insee in Paris legte das reale BIP im zweiten Quartal zum Vorquartal um 0,5 % zu - ebenso viel wie in den ersten drei Monaten nach einer Aufwärtsrevision um 0,1 Prozentpunkte. Frankreich lässt somit Deutschland (0,3 %) ebenso hinter sich wie Spanien (0,4 %), Italien (0,2 %) und die Niederlande (0,1 %). Auf Basis dieser Zahlen rechnen die Ökonomen der Commerzbank und von UBS Warburg jetzt damit, dass das BIP der Euro-Zone im zweiten Vierteljahr wie im ersten um 0,3 % zugenommen hat.

Für Frankreich zeichnet sich bereits ab, dass sich die Konjunkturdynamik auch im dritten Quartal nicht beschleunigt. Insee-Konjunkturchef Michel Devilliers erwartet wie Zentralbankchef Jean-Claude Trichet erneut 0,5 % Wachstum. Und die Aussichten für das vierte Quartal seien "ziemlich unsicher". Devilliers kündigte jetzt an, die Insee-Prognose von bislang 1,4 % für dieses Jahr werde nach unten korrigiert. Mit CDC-Ixis hat unlängst die erste französische Bank ihre Prognose für das Gesamtjahr auf unter 1 % korrigiert.

Besonders die anhaltende Investitionsschwäche macht Frankreichs Wirtschaft zu schaffen. Zudem beruhe der Außenbeitrag, der 0,3 Prozentpunkte zum Wachstum beitrug, vor allem auf mehreren Großexporten der Luftfahrt- und Schiffsbauindustrie, sagte Stéphane Déo von UBS Warburg: "Ohne diese Verkäufe wäre der Außenbeitrag sogar leicht negativ ausgefallen."

Motor des Wachstums blieb der private Verbrauch, der im zweiten Quartal mit 0,5 % etwas stärker zulegte als im ersten. "Es bleibt dabei: Geringe Inflation, hohe private Spareinlagen und Steuersenkungen lassen die Franzosen die steigende Arbeitslosigkeit vergessen", freute sich die Ökonomin Anne Beaudu von Crédit Agricole. Die lahmende deutsche Wirtschaft sei dagegen eine Hypothek für Frankreich: "Wenn der wichtigste Handelspartner schwächelt, ist das eine große Belastung."

Eine Belastung sind die trüberen Konjunkturaussichten auch für Premier Raffarin. Nächste Woche muss er entscheiden, wie stark er seine Wachstumsprognose für 2003 von bisher 3 % absenkt. Die Prognose ist die Grundlage für den Haushalt, den Raffarin am 25. September vorstellt. Viele Bankvolkswirte haben bereits ihre Prognosen für 2003 auf knapp 2 % reduziert.

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