Mittelfristig wieder positive Stimmung erwartet
Dax-Ausblick: Keine Hoffnung auf eine Weihnachtsrally

Die Mehrheit der von Handelsblatt.com befragten Analysten ist sich einig: Der Dax dürfte in der nächsten Woche seitwärts bis abwärts tendieren. Ob die 6 400er-Marke hält, wird angezweifelt.

DÜSSELDORF. Am Aktienmarkt wird die weihnachtliche Bescherung in diesem Jahr wohl ausfallen. Marktbeobachtern zufolge wurden Hoffnungen auf eine schnelle Erholung der Börsen durch Gewinnwarnungen zunichte gemacht. Diese prägten den Verlauf und den Ausklang der zurückliegenden Börsenwoche. Chase Manhattan, J.P. Morgan, Compaq und zuletzt Microsoft gaben mit Umsatz- und Ertragswarnungen den maßgeblichen Trend vor, der auch auf die Dax-Performance der nächsten Wochen nachwirken dürfte: Die Angst vor weiteren schlechten Unternehmensnachrichten aus dem Technologiesektor, noch mehr aber die Furcht vor schlechten Vorgaben der US-Börsen könnten Dax und Nemax lähmen.

GZ-Bank: Sichere Häfen ansteuern

Die Analysten der GZ-Bank empfehlen Privatanlegern weiterhin vorsichtig zu bleiben und eine erhöhte Liquiditätsquote zu halten. Umschichtungen in "sichere Häfen" und Substanzwerte seien sinnvoll. Als einziger Dax-Wert wird in dem Zusammenhang die Aktie des Chemiekonzerns BASF empfohlen. Die nächste Woche wird nach Ansicht der GZ-Bank-Experten keine nachhaltige Besserung der angespannten Situation an den internationalen Aktienmärkten bringen. Höchstens von der Sitzung der US-Notenbank am Dienstag könnte ein positives Signal ausgehen, wenn Alan Greenspan zu einer neutralen Haltung übergehen sollte. Dann würden Börsianer mit längerfristig sinkenden Zinsen rechnen, was wiederum die Aktienkurse beflügeln könnte. An den US-Finanzmärkten wird nach Einschätzung der GZ-Bank bereits im ersten Quartal eine Zinssenkung erwartet.

DG Bank: Mittelfristige Entspannung

Jörg Bungeroth von der DG Bank sieht den Dax ebenfalls stark unter dem Einfluss der US-Börsen. Kurzfristige Belastungen durch weitere Kurseinbrüche und Tiefstände an der technologielastigen Nasdaq könnten jederzeit eintreten, so der Analyst. Mittelfristig sei er allerdings positiv gestimmt, betont Bungeroth. Erstens sollte seiner Einschätzung nach die Anzahl negativer Unternehmensmeldungen  - wie zuletzt bei Microsoft - "saisonbedingt" zurückgehen, zweitens "ist der Markt bereits überverkauft" und somit auch druchaus zu kurzfristigen Erholungen bereit. Auf jeden Fall aber sollten weitere Meldungen von rückläufigen Umsätzen und Erträgen "keine nachhaltige Wirkung zeigen". Denn die derzeit schlechte Stimmung für Technologiewerte, so die Begründung, habe ihren Höhepunkt bereits überschritten. Als positive Signale für einen Markt, "der sich mittelfristig wieder entspannen dürfte" nennt Bungeroth den festen Kurs des Euro, den sinkenden Ölpreis, der sich unterhalb der 30-$-Marke pro Barrel Rohöl bewegt, sowie die Tendenz zu sinkenden Zinsen.

Commerzbank: Dax in sechs Monaten bei 7 800 Punkten

Die Experten der Commerzbank setzen mittelfristig auf ein anhaltendes Wachstum der deutschen Wirtschaft, das bei moderaten Lohnerhöhungen die Unternehmensgewinne zweistellig wachsen lassen könnte. Zusätzlich Impulse, so die Einschätzung der Analysten, könne der Aktienmarkt voraussichtlich von dem hohen Anlagebedarf der institutionellen Investoren erhalten. Diese verfügten zu Jahresbeginn über hohe Liquiditätsreserven. Auf Sicht von sechs Monaten trauen die Frankfurter Analysten dem deutschen Aktienindex einen Anstieg von rund 20 % auf 7 800 Punkte zu. Überdurchschnittliche Kurschancen sieht die Commerzbank bei Siemens und Singulus.

BG Berlin: Keine Jahresendrally

Die zumindest mittelfristig positive Einschätzung wird auch von der Bankgesellschaft Berlin geteilt. Hoffnungen auf eine schnelle Kurserholung noch im laufenden Jahr oder sogar einer Jahresendrally erteilte Analyst Günter Senftleben im Gespräch mit Handelsblatt.com allerdings eine Absage: "Die Börse ist in einer sehr schlechten technischen Verfassung und die Stimmung ist auch dementsprechend schlecht." Einen Test der 6 400er-Marke des Dax hält Senftleben in den nächsten Tagen durchaus für möglich. "Hält diese Unterstützung nicht, dann kann es durchaus weiter abwärts gehen", so Senftleben, "dann haben wir Luft bis 6 000." Der Markt sei "technisch eigentlich reif für eine Erholung", heißt es weiter, doch dabei müssten zunächst positive Vorgaben von den US-Börsen die tragende Rolle übernehmen. Auf der Liste der Kaufempfehlungen für spekulativ orientierte Privateanleger hat die Bankgesellschaft Berlin zurzeit zwei Titel aus dem Dax: Deutsche Telekom und Epcos. Konservativ eingestellte Anleger werden auf die Papiere von Henkel und Bayer verwiesen.

Neuer Markt: Nemax 50-Neubesetzung "spielt derzeit keine Rolle"

Angesichts weiterhin turbulenter Kursausschläge bei den Wachstumswerten am Neuen Markt sagte Guiseppe-Guido Amato, Analyst bei Lang & Schwarz, "Wir erleben den Versuch einer Bodenbildung." Wenn der Index in den kommenden Tagen ins Positive drehe, könnten auch wieder von über 4 000 Punkten im Nemax 50 erreicht werden. Aber "wehe, wenn wir die 3 000er-Marke als Schlusskurs unterbieten", so Amato, dann ginge es wirklich weiter nach unten und dann sei kein Ende in Sicht. Die anstehende Neubesetzung des Nemax 50, die von Montag an gilt, spiele derzeit keine Rolle. Infomatec, Ricardo.de, Teldafax und Teles seien zu kleine Werte, um den Index nachhaltig zu beeinflussen, daher sorge ihr Ausstieg aus dem Nemax 50 nicht für Unruhe. Insgesamt gesehen leide der Neue Markt unter der allgemein schlechten Stimmung. Die Anleger würden immer lustloser werden. Was fehle seien die Impulse von außen oder das berühmte "reinigende Gewitter".

Die strategischen Empfehlungen von Sal. Oppenheim für die Dax-30-Werte im Überblick:



Sal. Oppenheim

CompanyEinschätzungGewinn je AktieDividende pro Aktie
  00e01e99e00e

Adidas

-Salomon
Kaufen4,014,781,121,43
Allianz HoldingHalten12,1412,381,251,35

BASF

Kaufen3,003,701,131,17

Bayer

Halten2,483,001,301,10

Hypo

-Vereinsbank
Halten2,763,990,861,11

BMW

Halten1,501,900,390,42

Commerzbank

Halten3,152,310,830,93
Daimler-ChryslerHalten6,507,002,352,40
Degussa-HülsHalten2,663,120,901,00

Deutsche Bank

Kaufen8,186,481,151,45
Deutsche TelekomHalten-0,470,170,610,61
Dresdner BankHalten1,512,120,901,05

Eon

Halten2,442,611,251,30

Epcos

Halten3,563,940,000,00
Fresenius Med.CareHalten2,513,120,660,72

Henkel

Vz.
Halten3,163,610,921,03

Infineon

Halten1,832,060,000,00

Karstadt

-Quelle
Halten1,301,860,610,68

Linde

Kaufen2,513,021,131,15

Lufthansa

Kaufen1,171,420,500,50

MAN

Kaufen2,501,090,870,92

Metro

Halten0,851,071,021,07
Münchner RückHalten9,6411,110,951,00
PreussagKaufen2,402,430,770,88

RWE

Kaufen0,391,011,001,00

SAP

Vz.
Halten1,762,670,530,67

Schering

Kaufen1,842,300,830,83

Siemens

Kaufen4,905,551,001,20
Thyssen KruppHalten0,861,400,700,70

VW

Kaufen3,854,400,770,82
Frank G. Heide
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Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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