Mittelständische Fachgeschäfte laufen den Handelsriesen davon
Außenseitersieg im Sporthandel

Die Deutschen kaufen ihre Laufschuhe, Tennisschläger und Snowboards immer häufiger im Fachgeschäft. Ausgerechnet der lukrative Sportartikelhandel widersteht damit dem Trend zur Größe, unter dem der mittelständische Einzelhandel sonst so leidet. Während sich in den vergangenen Monaten mehrere Fachmarktketten zurückzogen, gewannen die kleinen Sportgeschäfte Marktanteile hinzu.

DÜSSELDORF. Als Hauptgewinner gilt die Mainhausener Einkaufskooperation Sport 2000. Bei einer nahezu unveränderten Zahl von 771 Mitgliedsunternehmen stieg der Außenumsatz der angeschlossenen Geschäfte von 1,53 Mrd. auf 1,7 Mrd. Euro. Und die Expansion drückte bei der Kooperationszentrale - einer Tochter des Einkaufsverbands Ariston-Nord-West-Ring (NNWR) - nicht einmal das operative Ergebnis. Es blieb mit 0,7 Mill. Euro vor Steuern unverändert. "Im deutschen Sporthandel tun sich Systemanbieter deutlich schwerer als wir", freut sich Geschäftsführer Jens Fischer.

Tatsächlich kommen in Deutschland Sportketten kaum über einen Marktanteil von 20 %. Trotz ausgefeilter Warenwirtschaftssysteme und Kundenkarten fällt es Konzernzentralen schwerer als einzelnen Händlern, sich auf regional unterschiedliche Kaufgewohnheiten einzustellen. Denn was in Berchtesgaden Sportbegeisterte in die Läden lockt, kann in Flensburg wie Blei im Regal liegen.

Das musste zuletzt der französische Sportfachmarkt-Betreiber Décathlon erfahren, dessen Umsatz hier zu Lande bei 70 Mill. Euro stagniert. Statt der angekündigten Expansion schloss die Dortmunder Deutschland-Zentrale im Frühjahr drei ihrer zehn Häuser wieder. Mit Läden von bis zu 4 000 Quadratmetern Verkaufsfläche und günstigen Preisen hatte sie Kunden auf die "grüne Wiese" locken wollen.

Auch für den Hagener Douglas- Konzern erwies sich der Handel mit Sportartikeln als unrentabel. Er verkaufte deshalb die Konzerntochter Voswinkel, die ebenfalls rund 70 Mill. Euro umsetzt, zum Jahreswechsel an die mittelständische Einkaufskooperation Intersport. Diese steigt damit zum ersten Mal direkt in den Einzelhandel ein. Komplett aus dem deutschen Markt verabschiedet hat sich der aus Rimini gesteuerte Sportswear- Filialist Giacomelli. Der größte italienische Sporteinzelhändler will seinen Schwerpunkt nun auf Polen legen. Dort werde "an einem Tag im Laden der Umsatz erreicht, den wir in deutschen Stores in einer Woche erzielen", erklärte das Management.

Bei einem branchenweiten Umsatzrückgang von 3,7 % musste 2002 selbst Marktführer Karstadt-Quelle Federn lassen. Dabei investierten die Essener kräftig in ihren Hoffnungsträger Karstadt Sport. Sie eröffneten zwei neue Sportmärkte und drei zu Sportläden umgebaute ehemalige Warenhäuser - mit insgesamt 22 100 Quadratmetern. Der Sport-Umsatz schrumpfte 2002 trotzdem einschließlich des Lauf- Spezialisten Runners Point um 0,5 % auf 554 Mill. Euro.

Sport 2000 hat dagegen deutlich Marktanteile dazugewonnen. Die Kooperation lässt den Mitgliedsunternehmen bei der Auswahl des Sortiments weitgehend freie Hand. Auch die persönliche Betreuung durch den Ladeninhaber sieht Sport-2000-Manager Harald Ostermeir als einen klaren Wettbewerbsvorteil. "Kunden, die nach einem geeigneten Laufschuh suchen, benötigen ein Vertrauensverhältnis zu ihrem Sportartikelverkäufer", sagt er.

Mit einem gemeinsamen Einkauf, einer umfangreichen Eigenmarkenpalette und Empfehlungen für den Ladenbau wollen die Mainhausener den Nachteil kleinerer Geschäfte ausgleichen. "Das Sport-2000-Logo funktioniert bei den Kunden wie ein Gütesiegel", sagt Jens Fischer. Wie der Laden am Ende aussehen soll, überlässt Sport 2000 jedoch weitgehend den Mitgliedern. Ein Running-Shop müsse eben ganz anders gebaut sein als ein Outdoor-Laden, heißt es in der Kooperationszentrale.

Enger an die Leine nimmt Sport 2000 allerdings die Betreiber der rund 1 500 Quadratmeter großen "Big Point"-Märkte. Der vor sieben Jahren entwickelte Betriebstyp soll verhindern, dass der Einkaufsverband den großen Konkurrenten die größeren Standorte ohne Gegenwehr überlassen muss. Anstatt wie sonst auf die Individualität der Händler zu setzen, hat Sport 2000 hier die Shop-Kriterien in Franchiseverträgen kleinlich vorgegeben. Die Großfläche, das weiß man inzwischen auch in Mainhausen, funktioniert eben doch nicht mit den traditionellen Rezepten mittelständischer Fachhändler.

Quelle: Handelsblatt

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