Mittelständische Unternehmen produzieren vor Ort
Produkte müssen „chinafähig“ sein

Längst sind es nicht mehr nur die Großkonzerne, die in China aktiv sind. Die Zahl der in China bei der Außenhandelskammer registrierten Tochtergesellschaften und Repräsentanzen deutscher Unternehmen lag im Oktober 2004 bei über 2. 600 - ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr.

HB. Auch die internationale Automobilindustrie investiert derzeit kräftig in der Volksrepublik. Die Produktionskapazität von aktuell rund zwei Millionen PKW-Einheiten wird sich bis 2010 mehr als verdoppelt haben. Diese Fabriken werden nicht nur den lokalen Markt bedienen, sondern auch Fahrzeuge für den Export bauen. Zulieferer, die nicht mitziehen, müssen mit dem Verlust von Aufträgen auch im Stammmarkt Deutschland rechnen bzw. werden für Folgemodelle gar nicht mehr berücksichtigt.

Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass die chinesische Regierung auf einen hohen und weiter steigenden Anteil von in China gefertigten Komponenten besteht. Insbesondere die so genannten "Tier 1 und 2"-Zulieferer sind bereits weitestgehend vor Ort, ebenso viele Mittelständler. Eine aktuelle KPMG-Studie zeigt, dass China bereits heute zu einem weltweit führenden Exporteur von Autoteilen geworden ist: die Zulieferer fertigen also längst nicht mehr nur für die heimische Produktion.

Der chinesische Markt für Maschinenbau ist der weltweit größte Inlandsmarkt und hat den deutschen seit 2002 vom Volumen her überflügelt. Deutsche Maschinen haben in China einen hervorragenden Ruf. Viele mittelständische deutsche Maschinen- und Anlagenbauer produzieren bereits in China, wobei mit Blick auf die Vermeidung von Know-how-Abfluss hundertprozentige Tochterunternehmen (Wholly Foreign Owned Enterprises) die klassischen Joint Ventures mit chinesischen Partnern als bevorzugte Investitionsform abgelöst haben. Deutsche Maschinenbauer sehen neben dem "Schutz des geistigen Eigentums" die chinesischen Regulierungen und die Personalrekrutierung vor Ort als die größten Herausforderungen an. Dies trifft Mittelständler in besonderem Maße, da ihr Unternehmensname bei den potenziellen Arbeitnehmern nicht bekannt ist und sie mit großen Namen konkurrieren müssen.

Zum 11. Dezember 2004, also drei Jahre nach dem WTO-Beitritt Chinas, werden die Bedingungen für die Gründung von Groß- und Einzelhandelsunternehmen ohne den bisher zwingend notwendigen chinesischen Partner gelockert und die Mindest-Eigenkapitalanforderungen deutlich gesenkt.

Gerade für neu investierende Mittelständler gilt: ohne die frühzeitige Einschaltung fach- und vor allem landeskundiger Berater endet der Ausflug nach Fernost schnell als kostspieliges Abenteuer. Auch die Hindernisse auf dem chinesischen Markt werden oft nicht genügend und vor allem nicht rechtzeitig bedacht. Drei von vier führenden Anbieter im Konsumgüterbereich, die bereits überwiegend in China operieren oder aber den Eintritt in den chinesischen Markt planen bzw. Güter aus China beziehen, bezeichnen den Schutz des geistigen Eigentums als das gravierendste Problem, so das Ergebnis einer weltweiten KPMG-Umfrage. Als weitere Hemmnisse bezeichnet jedes zweite der befragten Unternehmen Schwierigkeiten im Hinblick auf die Beschaffung aussagekräftiger Marktinformationen, die Rückführung von Vermögen sowie Import-/Export-Verfahren. Der Vorsitzende eines im Bereich schnell drehender Konsumgüter tätigen Unternehmens fasste die Probleme vieler Anbieter, ihr geistiges Eigentum zu schützen, zusammen: "Jedes Jahr verlieren wir 25 Prozent unseres Geschäftsvolumens auf Grund von Fälschungen. In einer fairen Marktumgebung müsste die Regierung dagegen vorgehen." Daher sollte genau geprüft werden, ob die eigenen Produkte "chinafähig" sind und das eigene Innovationstempo schnell genug ist, um wirksam vor Fälschungen geschützt zu sein.

Geklärt werden muss zudem, ob die Kostenvorteile in China einen Markteintritt auch langfristig rechtfertigen. Schließlich müssen sich gerade Mittelständler fragen, ob die Managementkapazitäten ausreichen, um das Geschäft vor Ort neben den weiter laufenden Belastungen im Heimatmarkt aufzubauen.

Thorsten Amann und Dr. Jürgen Kulle, China Desk von KPMG in Stuttgart

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