Mittelständler Alfi entscheidet sich für Deutschland
Luxuswaren profitieren von hohen Standards

Ist Deutschland als Produktionsstandort für einen Mittelständler auf Dauer zu halten? Vor dieser Frage stand auch die Alfi Zitzmann GmbH in Wertheim zur Jahrtausendwende.

rv DÜSSELDORF. "Top-Manager stellen sich permanent diese Frage", kommentiert Nikos D. Pallis, Geschäftsführer der Münchener Helbling Management Consulting GmbH in München, Tochter des Schweizer Beratungsunternehmens Helbling AG, die sich auf den Mittelstand spezialisiert hat. "Wir wollen beweisen, dass es in vielen Fällen möglich ist, in Deutschland zu produzieren und dennoch Markt- und Kostenführer zu bleiben", betont Berater Pallis.

Eine generelle Faustregel "pro Standort Deutschland" gibt er auch: "Es funktioniert bei der Herstellung von Qualitätsprodukten, für die der Kunde bereit ist, einen entsprechenden Preis zu zahlen. Der Standort Deutschland profitiert dabei von seinem hohen Qualitäts- und Technologie-Standard sowie dem Know-how der Arbeitskräfte", beschreibt Pallis die Kriterien, die auch der 1914 von Carl Zitzmann und seiner Gattin als "Aluminiumfabrik Fischbach" (Alfi) gegründete Mittelständler mit 30 Mill. Euro Umsatz erfüllt.

Bei dem Unternehmen, das seinen Firmensitz nach der Enteignung durch die russische Besatzungsmacht 1949 nach Wertheim verlegt hatte, spielt beispielsweise die Schleiferei mit ihrem Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitskräften eine zentrale Rolle.

Die Auslagerung ins ferne Ausland würde gerade für den Mittelständler große Probleme bringen, gibt Pallis zu bedenken. "Gehe ich beispielsweise nach China, dann habe ich das Problem mit der Sprache und der Logistik." In anderen Ländern existiere oft ein anderes Qualitätsbewusstsein, fährt er fort, und die Produktivität sei niedriger. Anders als Großkonzerne könne ein Mittelständler kein Qualitätssicherungs-Team zur Kontrolle ins Ausland schicken.

Als sich bei Alfi die Standortfrage stellte, stand das Unternehmen an einem Wendepunkt. 2001 habe Alfi erstmals in seiner 90-jährigen Geschichte einen Umsatzrückgang verzeichnet, berichtet Alfi-Geschäftsführer Jörg Dümmig-Zitzmann: "Da eine positive Wende des Marktes nicht abzusehen war und für 2002 wiederholt ein Umsatzrückgang drohte, waren wir gezwungen, die Weichen neu zu stellen." Dafür holte sich der Alfi-Manager auf Empfehlung von Kollegen die Unternehmensberatung Helbling als Externe ins Haus, "die frei jeder Betriebsblindheit die Lage nüchtern beurteilen", wie Dümmig-Zitzmann lobt.

Erste Schritte zur Neuausrichtung hatte das Familienunternehmen, das 1987 an die Württembergische Metallwarenfabrik (WMF), Geislingen, verkauft worden war, bereits mit der Ausweitung des Sortiments auf modische Accessoires "rund um den Kaffee-Tisch" eingeleitet.

Bei der Produktion wurden Anleihen aus der Automobilindustrie genommen. Bei Alfi werden nun die Einzelteile der Kannen produziert und auf Lager gelegt. Die Kanne wird erst zusammengebaut, wenn eine eine Bestellung eingeht.

Beim Vertrieb richtet Alfi sein Augenmerk verstärkt auf Möbel- und Warenhäuser, da der Facheinzelhandel wegbricht. Außerdem wurden Synergien mit der Mutter erzielt. In Kooperation mit Helbling baut WMF seine Filialen um und bietet auch das Alfi-Sortiment an. Das eröffnet neue Absatzwege. "Die Herstellungskosten wurden bei Alfi gesenkt", zieht Pallis sein Fazit, "dadurch blieb Deutschland als Standort konkurrenzfähig".

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