Mittelstandslösung vor allem für Niederlassungen und Filialen
SAP kommt ohne Großaufträge nicht aus

Für SAP bleiben Großaufträge wie jüngst von Siemens oder Daimler-Chrysler wichtig. Auch die groß angekündigte Initiative im Mittelstand zielt am Ende vor allem auf die Niederlassungen großer Unternehmen.

FRANKFURT/LISSABON. Es ist wie verhext: Da trimmt der neue SAP-Vertriebsvorstand Léo Apotheker seine Mannschaft auf kleinere Aufträge und Kunden und plötzlich kommen wieder die Großkunden aus ihren Löchern. Nachdem am Mittwoch Siemens den Kauf von 440 000 Lizenzen der SAP-Portaltechnologie bekannt gegeben hatte, kündigte gestern der Automobilriese Daimler-Chrysler an, er werde weltweit das SAP-Produkt "mySAP.com" einführen. Im gleichen Zuge ernannte er SAP auch noch zum strategischen Partner. Zwar schweigt SAP in beiden Fällen über das Auftragsvolumen, doch die Projekte zählen zweifellos zu den Großaufträgen.

Projekte wie die von Siemens oder Daimler-Chrysler sind zur Zeit absolute Mangelware und deshalb hart umkämpft. Fast alle Großkonzerne halten sich angesichts der wirtschaftlichen Schwäche mit Investitionen in Informationstechnologie zurück. Dennoch gelingt es SAP offensichtlich immer häufiger, sich bei den wenigen größeren Aufträgen durchzusetzen. So haben sich Anfang August der Automobilhersteller Ford und der Baumaschinen-Hersteller Caterpillar entschieden, mit SAP eine Softwarelösung für die weltweite Ersatzteilversorgung aufzubauen.

Dennoch wollen Experten diese Erfolgsmeldungen nicht als ein Zeichen für eine neu aufblühende Investitionsbereitschaft von Großunternehmen interpretieren. "Wir sehen zwar insgesamt noch keine generelle Trendwende hin zu größeren Projekten, gehen jedoch davon aus, dass SAP das im Juli reduzierte Umsatzziel erreichen kann", sagte Manfred Jaisfeld von der WGZ-Bank. Etwas skeptischer sind die Analysten von Nomura, die weiterhin die Gefahr sehen, dass SAP die eigenen Ziele verfehlen wird.

Dagegen bestätigte SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann gestern den Ausblick, wonach der Umsatz im gesamten Jahr um fünf bis zehn Prozent und die operative Ergebnismarge von 20 auf 21 % steigen sollen. Allerdings bleiben die Rahmenbedingungen schwierig. "Der Ausblick wird nicht nur für das laufende Jahr, sondern auch für 2003 immer pessimistischer. Man kann nur hoffen, dass es so schnell wie möglich vorbei ist", sagte ein ernster SAP-Mitgründer und Vorstandssprecher Hasso Plattner gestern auf der Anwendermesse Sapphire in Lissabon.

Angesichts dessen sind Großaufträge wie die von Siemens und Daimler-Chrysler um so wichtiger, um das weitere Wachstum der SAP abzusichern. Zwar dürfte das Gewicht der Großkunden gemessen an ihrer Zahl zu Gunsten kleinerer Kunden abnehmen. Bezogen auf den Umsatz werden die kleineren Unternehmen aber auch künftig nur eine begrenzte Bedeutung haben. Das SAP-Management geht davon aus, dass in fünf Jahren etwa 20 % des Umsatzes auf mittelständische Unternehmen entfallen wird.

Dabei ist selbst diese Zahl verzerrt. Schließlich zielt die SAP mit dem jetzt gestarteten Vertrieb der Mittelstandslösung nicht primär auf den eigenständigen produzierenden Unternehmer. "Business-One" richte sich vielmehr vor allem an Dienstleistungsfirmen, erklärte Vertriebsvorstand Apotheker gestern. "Business-One" sei keine so genannte "Stand-alone-Lösung".

Damit dürfte der Marketingexperte vor allem auf die Vertriebsfilialen und Niederlassungen großer Konzerne schielen. Die meisten dieser Dependancen setzen auf einfachere Produkte kleinerer SAP-Konkurrenten, obwohl im Mutterkonzern bereits SAP installiert ist. Ein erstes Projekt dieser Art hat SAP bereits gewonnen. So will der Lampenhersteller Osram seine Service-Tochter Osram Light mit Hilfe des SAP-Produkts an die Informationstechnologie des Mutterkonzerns anbinden.

Dennoch bleibt der Weg zum Erfolg für SAP steinig. Schließlich begegnet SAP in diesem Markt scharfen und mächtigen Wettbewerbern. So verweist Yvonne Genovese, Marktforscherin bei der Gartner Group, darauf, dass in den Niederlassungen und Filialen großer Konzerne der Software-Anbieter Navision führend sei. Den aber hat sich gerade der Software-Gigant Microsoft einverleibt.

Quelle: Handelsblatt

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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