Mittlerweile gibt es ein breites Angebot an unterschiedlichen Derivaten
Den Hebel beim Gold ansetzen

Das gelbe Edelmetall liegt wieder vorn in der Gunst der Anleger. Auch wenn sich der Preis der physischen Feinunze in vergleichsweise moderaten Bahnen bewegt - mit Optionsscheinen, Turbos und Zertifikaten können Goldinvestoren ihre Gewinne vervielfachen - aber auch die Risiken sind beachtlich.

Handfestes Gold hat wenigstens zwei Nachteile: Es beult die Hosentaschen erheblich aus und es verursacht in größeren Mengen enorme Lager- und Transportprobleme. Ein Investment in physischem Gold ist denn auch eher etwas für Sicherheitsfanatiker und Liebhaber als für langfristig orientierte Anleger. Zum Glück gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, dem eigenen Depot ohne Kilo schwere Last einen Goldglanz zu verleihen und dabei wahlweise auf Sicherheit oder Spekulation zu setzen. Neben dem Kauf von Goldminenaktien und Anteilen an Schürfunternehmen bietet die Finanzindustrie dafür eine Reihe von derivativen Instrumenten an. Eine sichere Bank sind solche Papiere keineswegs. Der Vorteil ist jedoch, dass die Investoren mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz - und teilweise mit enormer Hebelwirkung - auf die Entwicklung des Goldpreises setzen können.

In der Risikoskala verhältnismäßig weit unten stehen Zertifikate auf die 31,1 Gramm schwere Feinunze Gold. Deren Preis bewegt sich im gleichen Verhältnis wie die Unzennotierung selbst. Wobei die meisten Emittenten aus optischen Gründen ein Bezugsverhältnis von 1 zu 10 bevorzugen. Dies bedeutet, dass ein Zertifikat nur ein Zehntel des Unzenpreises kostet. Berücksichtigt werden muss dabei allerdings, dass die meisten Papiere in Euro notieren. Da Rohstoffe traditionell in US-Dollar notieren, heißt das, dass sich Preisveränderungen des Greenbacks ebenfalls im Wert des Zertifikats niederschlagen.

Eine Steuerung ihres Risikos können Anleger durch die Wahl der Laufzeit solcher Zertifikate vornehmen. Konservative Investoren setzen auf Endlos-Papiere wie sie etwa ABN Amro aufgelegt hat. Etwaige Kursverluste lassen sich hier bei Bedarf aussitzen. Bei Zertifikaten mit begrenzter Laufzeit ist das nicht möglich. So wird das Papier der Commerzbank am 19.5.2004, also in knapp zwei Jahren, fällig.

Wichtig: Bei vielen Zertis, wie die Zertifikate im Börsenjargon kurz gerufen werden, wird am Ende nicht physisches Gold ausgeliefert, sondern es erfolgt ein so genannter Barausgleich: Der Anleger erhält eine Rückzahlung, die sich aus der Differenz zwischen Basispreis und dem aktuellen Kurs zu einem in den Emissionsbedingungen genannten Stichtag und dem Bezugsverhältnis ergibt.

Wem die Entwicklung des Goldkurses an sich zu gemächlich ist, der kann natürlich auch via Derivate auf die Aktien der Schürfer setzen. Der strategische Ansatz: Grundsätzlich profitieren Minenbetreiber von steigenden Goldpreisen. Allerdings manche mehr, andere weniger. Ausschlaggebend sind die Produktionskosten je Feinunze. Wer teuer fördert, dessen Gewinn legt bei steigendem Goldpreis prozentual mehr zu der von Konkurrenten, die zu vergleichsweise niedrigen Kosten schürfen. Durch den Kauf eines Index-Zertifikats, das sich auf einen Korb von Goldminenaktien bezieht, kann der Anleger das Einzelrisiko streuen - einfach, indem er auf einen Mix aus billig und teuer produzierenden Unternehmen setzt. So enthält beispielsweise das Papier der ING-BHF-Bank die weltweit zehn nach Marktkapitalisierung und Streubesitz größten Goldproduzenten.

Der Korb, in der Fachsprache "Basket" genannt, wird alle halbe Jahre neu zusammengestellt und hat als Grundlage die im FTSE Gold Mines-Index enthaltenen Unternehmen. Zu den Dauerbrennern zählen Barrick, Newmont, Anglogold und Placer Dome. Zudem einige kleinere Minenbetreiber wie Meridian Gold. Das Zertifikat wird fällig am 15.8.2008 und hat somit eine relativ lange Laufzeit.

Wer dennoch mit Einzelwerten liebäugelt, kann das Verlustrisiko senken, indem er Discount-Zertifikat auf die Aktien einzelner Schürffirmen erwirbt. Bei diesen Papieren profitiert der Investor durch den mehr oder weniger großen Rabatt, den die Papiere gegenüber dem direkten Kauf der Aktie bieten - ein Verlustpuffer also.

Der Nachteil: Discount-Zertifikate haben eine begrenzte Laufzeit von in der Regel wenig mehr als einem Jahr. Zudem ist das Gewinnpotenzial durch einen so genannten Cap, eine Kursobergrenze, begrenzt. Notiert der Basiswert am Fälligkeitstag über diesem Cap, wird dem Anleger nur ein vorher festgelegter Barbetrag ausbezahlt. Über das Discount-Zertifikat der Commerzbank können Anleger beispielsweise in die Anteile des Minenbetreibers Anglogold mit Rabatt einsteigen. Der Cap liegt hier bei 33 Dollar.

Richtig Tempo machen können risikobereite Goldanleger mit Turbo-Zertifikaten, mit denen sich die Gewinnchancen, aber eben auch die Verlustrisiken enorm steigern lassen.

Vorteil der Turbos: Der Anleger braucht sich nicht mit dem Problem des Zeitwertverlustes wie bei den herkömmlichen Optionsscheinen herumschlagen. Allerdings gilt es, die so genannten Knockout-Schwelle zu berücksichtigen, mit denen jeder Schein versehen ist. Sollte der Goldkurs unerwartet stark abstürzen, wird der Schein vorzeitig fällig und der Turbo-Anleger muss sich mit einem meist bescheidenden Restwert, der bar ausgezahlt wird, zufrieden geben.

Das Angebot an Turbo-Scheinen, die eine Spekuklation auf einen steigenden Goldkurs bieten, die so genannten Turbo-Calls, ist mittlerweile breit. Und bei Scheinen mit Basispreisen von 270 Dollar an abwärts scheint das Risiko eines vorzeitigen Knockouts zudem kalkulierbar.

Doch auch wer den hoffnungsvollen Prognosen der Experten misstraut und Pessimist ist in Sachen Gold, wird bei den neuen Derivate-Konstrukten fündig. So genannte Short-Zertifikate bieten die Möglichkeit, von einem Schwächeanfall des gelben Metalls zu profitieren. Damit lassen sich auch bestehende Engagements in Unzen- beziehungsweise Basketzertifikaten absichern. Denn ähnlich wie bei einem Put-Optionsschein steigt der Kurs des Shorties, wie sie von den Börsianern flapsig genannt werden, wenn der Basiswert fällt.

Fast alle großen Emissionshäuser haben solche Papiere im Programm. Zum Beispiel bezieht sich ein Short-Schein der ABN Amro-Bank auf den Kursindex "AMEX Gold Bugs", der die wichtigsten nordamerikanischen Goldminenaktien enthält. Angeboten werden von den Geldhäusern aber auch andere Basiswerte, so dass jeder Goldanleger das finden kann, was seinem Risikoprofil entspricht.

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