Mix-Tape und Bandsalat
Die Musikkassette wird 40 Jahre alt

Sie ist nicht besonders schön. Ein rechteckiges Etwas aus Plastik, mit zwei Löchern in der Mitte: die Musikkassette (MC). Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin feiert die MC ihren 40. Geburtstag.

HB/dpa STUTTGART. Für die Fans der Musikkassette (MC), die oft nur ein bisschen jünger sind, klingen Chromdioxid und Dolby jedoch wie die Namen alter Freunde, und die MC gewinnt den Beliebtheitswettbewerb mit der wohlgeformten, spiegelnden Compact Disc (CD) mit großem Vorsprung.

Für die Pensionierung der Kassette ist es auch noch ein bisschen zu früh: Zwar wurde sie 1990 von der CD überflügelt, doch jedes Jahr gehen allein in Deutschland immer noch mehr als 20 Millionen bespielte MC's über den Ladentisch. Diese Zahl hat sich nach Angaben des Bundesverbands der Phonographischen Wirtschaft seit 1999 kaum verändert, während die Konkurrentin CD im gleichen Zeitraum an Popularität einbüßte und einen Rückgang der Verkaufszahlen um 16 Prozent auf knapp 166 Millionen Stück hinnehmen musste. Die MC überlebt in Nischen: In den Sammlungen von Volksmusik-Liebhabern und in Kinderzimmern hat die Kassette immer noch ihren festen Platz.

Es waren Hörspiele wie "Die drei Fragezeichen" oder "TKKG", die eine ganze Generation an den Kassettenrekorder fesselten. Und natürlich die individuell zusammengestellten "Mix-Tapes" mit den besten Liedern des Urlaubs, die als Erinnerung an den Ferien-Flirt etliche Male pro Tag gespielt wurden. Dieser Dauerbetrieb konnte allerdings schwer wiegende Folgen haben: den gefürchteten Bandsalat, der sich entweder mit Hilfe eines Bleistifts beseitigen ließ oder aber zu heftigen Wutausbrüchen führte.

Erfunden hat die Compact Cassette, wie das bespielbare Magnetband ursprünglich hieß, der niederländische Elektronikkonzern Philips. Der auf der IFA 1963 vorgestellte Taschen Recorder 3300 kostete 330 DM (169 Euro) und war als sprechendes Notizbuch gedacht. Ihren Siegeszug feierte die Musikkassette dann als Missionar des Rock "n' Roll, als oft nicht ganz legaler Mitschnitt von Live-Konzerten oder Schallplatten. Später brach dann die Ära der Radiorekorder und Kassettendecks an. Zum Hassobjekt der Musikfans wurden Hörfunk- Moderatoren, die ausgerechnet in den Song hineinquatschten, der in der eigenen Sammlung der Top Ten noch fehlte.

Die Musikindustrie konnte über den Erfolg der Leerkassette nicht gerade jubeln, sah aber auch keinen Grund zur Verzweiflung. Schließlich wurde die Qualität einer MC mit jeder Kopie immer schlechter, selbst das "Rauschunterdrückungsverfahren" Dolby konnte irgendwann nichts mehr ausrichten. Im digitalen Zeitalter lässt sich Musik hingegen sekundenschnell eins zu eins auf CD kopieren oder aus dem Internet herunterladen. Die gestressten Musikunternehmen versuchen deshalb sogar, CD-Raubkopien bei Razzien auf Flohmärkten sicherzustellen. Solche Feindschaft hatte die MC nicht zu befürchten. Sie ist zwar nicht schön, aber irgendwie unschuldig.

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