Archiv
Mixed als Frustbremse für SchüttlerDPA-Datum: 2004-06-28 14:13:22

London (dpa) - Eigentlich hätte man den Kopf schütteln müssen vor lauter Unverständnis über Rainer Schüttler. Warum in aller Welt bürdet sich der beste deutsche Tennisprofi ausgerechnet in Wimbledon auch noch den ersten Auftritt im gemischten Doppel auf?

London (dpa) - Eigentlich hätte man den Kopf schütteln müssen vor lauter Unverständnis über Rainer Schüttler. Warum in aller Welt bürdet sich der beste deutsche Tennisprofi ausgerechnet in Wimbledon auch noch den ersten Auftritt im gemischten Doppel auf?

Als der Korbacher nach seinem bitteren Drittrunden-Aus in Wimbledon seinen Traum vom Triumph auf dem «Heiligen Rasen» wieder einmal frühzeitig begraben musste, mit Barbara Schett aber die Lust am Tennis wiederfand, war die Antwort nicht mehr ganz so schwer.

«Ich wollte Spaß haben», sagte Schüttler. Und den hatte das harmonische Paar und wird ihn auch gegen die übermächtigen Gegner in Runde zwei, die Amerikaner Lisa Raymond und Doppel-Weltmeister Mike Bryan, wieder haben. Aus sportlicher Sicht war die Entscheidung Schüttlers unverständlich, auch für das Doppel mit Karsten Braasch sowie das Mixed zu melden. «Das ist eine Frage der Prioritäten. Ob es einem genügt, in Wimbledon dabei zu sein, oder ob man erfolgreich sein will», sagte der dreimalige Champion Boris Becker.

«Als Barbara jetzt keinen Partner hatte, habe ich zugesagt, mit ihr zu spielen», erklärte der Mixed-Debütant und fügte grinsend hinzu: «Aber ich habe ihr gleich gesagt: Bitte erwarte nicht zuviel von mir. Ich weiß gar nicht, ob ich mich traue, hart auf die Frau zu spielen.» Nach anfänglicher Scheu gelang ihm das unbestritten ganz gut. Der Aufenthalt in London wird nun doch länger als erwartet dauern. Mit der gleichaltrigen Österreicherin, die viele Jahre Doppelpartnerin von Anke Huber war, ist der 28-Jährige seit Jahren befreundet.

Das stressfreie Match auf einem gemütlichen Nebenplatz an der Church Road tat Schüttler merklich wohl. Denn der desolate Auftritt bei der glatten Dreisatzpleite gegen den Amerikaner Vince Spadea nagte an seinem Selbstbewusstsein. Erst im gemischten Doppel entdeckte er die Leichtigkeit des Seins wieder neu.

Dennoch kam Schüttler nicht darum herum, die Lehren aus der neuerlichen Pleite zu ziehen. «Ich habe nie ein Konzept gefunden. Es war so ein Tag, an dem nichts klappte», meinte er und konnte sich die Gründe nicht wirklich erklären. An der fehlenden Kraft konnte es nicht liegen, denn nach dem Fünfsatz-Krimi gegen den Briten Greg Rusedski und dem sich anschließenden überflüssigen Doppel-Auftritt, hatte er dank des Regens einen Tag zur Regeneration. «Ich war fit und ausgeruht», erklärte der durchtrainierte Athlet. Aber die geistige Frische war ihm bei der quälenden Warterei trotz der mentalen Hilfe seines Psycho-Coaches Alberto Castellani abhanden gekommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%