MKS-Verdachtsfälle in Deutschland bestätigen sich nicht
Künast sieht keine Chance für MKS-Massenimpfung in EU

Für Massenimpfungen gegen die in der EU ausgebrochene Maul- und Klauenseuche (MKS) sieht Bundesverbraucherministerin Renate Künast keine Chance, wohl aber für eine Ausweitung regionaler Impfungen. Für Massenimpfungen müsse es einen einstimmigen Beschluss der Länder der Europäischen Union (EU) geben, sagte Künast am Sonntagabend vor einem informellen Treffen der EU-Agrarminister in Östersund in Schweden.

rtr ÖSTERSUND/BERLIN. Da viele Länder von Fleischexporten abhängig seien, bezweifle sie, dass ein solcher Beschluss zu Stande kommen werde. Die Maul- und Klauenseuche ist nach Großbritannien auch in Irland, Frankreich und den Niederlanden aufgetreten. Verdachtsfälle in Deutschland bestätigten sich vorerst nicht.

Die Bauern müssten aber wissen, dass eine Ausweitung regional begrenzter Ringimpfungen angestrebt werde, sagte Künast und fügte hinzu: "Wir wollen nicht Bilder wie in Großbritannien haben." Dort sind bislang mehr als 1100 Betriebe von der Seuche betroffen, Hunderttausende Tiere wurden getötet und verbrannt. Agrarminister Nick Brown sagte am Sonntag, es sei noch zu früh zu sagen, ob der Höhepunkt vorbei sei. In sieben Tagen könne man wahrscheinlich den Trend feststellen.

Angesichts neuer MKS-Fälle in den Niederlanden müsse man erörtern, wie durch Impfungen ein Ring um den Seuchenherd gelegt werden könne, sagte Künast. Je nach Entfernung der Infektionsherde von Deutschland könne man überlegen, ob auch in Deutschland geimpft werden solle. Insgesamt gebe es noch keinen Anlass für eine Entwarnung in Deutschland, "so lange das Problem in Großbritannien so groß ist". Die Gefahr eines MKS-Ausbruchs werde jedoch täglich "Millimeter für Millimeter" geringer, sagte Künast. Dennoch sei ein Ausbruch in Deutschland aber nicht auszuschließen, da es immer "schwarze Schafe" geben könne, die gefährdete Tiere illegal nach Deutschland einführten.

Die MKS-Impfpolitik steht im Mittelpunkt der bis Dienstag dauernden Beratungen der 15 EU-Agrarminister. Zudem wurden erste Debatten über eine Reform der Agrarpolitik erwartet, die Künast angesichts der Verbreitung der Rinderseuche BSE angemahnt hatte.

In der EU haben sich weder die Staats- und Regierungschefs noch die Europäische Kommission für Massenimpfungen gegen die Maul- und Klauenseuche ausgesprochen, die vor über einem Monat in Großbritannien ausgebrochen war. Die Kommission hatte Großbritannien und den Niederlanden jedoch regional begrenzte Impfungen erlaubt, mit denen die beiden Länder eine weitere Ausbreitung der Seuche verhindern wollen. Insgesamt setzt die EU-Kommission aber weiter auf eine Strategie, die darauf abzielt, die Seuche "auszuradieren".

Das hessische Sozialministerium gab am Sonntag für zwei betroffene Betriebe bei Gießen und bei Bad Nauheim endgültig Entwarnung. Die Sperrung der Betriebe sei aufgehoben worden. Auch der am Wochenende aufgekommene Verdacht auf Maul- und Klauenseuche in Rheinland-Pfalz bestätigte sich zunächst nicht. Ein endgültiges Ergebnis werde am Montag vorliegen. Auch in Bayern hatten die Behörden am Samstag bei einem Verdachtsfall in Vilsbiburg Entwarnung gegeben.

Bei den auf dem Hof bei Worms entdeckten Symptomen könnte es sich möglicherweise um Lippengrind handeln, sagte ein Sprecher des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums. Das würde erklären, warum die verdächtigen Bläschen bei den Tieren nur am Maul und nicht an den Klauen aufgetreten seien. Nach dem Auftauchen des MKS-Verdachts waren die 17 Klauentiere des Hofes getötet und ein Sperrbezirk rund um den Betrieb eingerichtet worden.

Der Bundesverband der Amtstierärzte forderte ein Umdenken der EU bei MKS-Impfungen. Der Präsident des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte, Herbert Wohn, sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", die EU-Kommission müsse ein Schwergewicht auf die Entwicklung so genannter markierter Impfstoffe legen. Durch den Einsatz der Marker-Impfstoffe ließen sich geimpfte Tiere von infizierten unterscheiden.

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