MLP-Aktie legt zu
Abhängig von der Altersvorsorge

Die Börse ist immer für eine Überraschung gut. So stieg am Freitag der Aktienkurs von MLP, obwohl der Finanzvertrieb eine Kapitalerhöhung durchgezogen hatte und nicht sagt, wo das Geld investiert wird. Die Börse kümmerte auch nicht, dass Analysten folgerichtig die Daumen für MLP senkten.

FRANKFURT. Schließlich ist die Übernahmefantasie weg, weil die Finanzkonzerne Allianz, Axa und HBOS nun MLP schützen. Zusammen mit MLP-Gründer Manfred Lautenschläger besitzen sie etwa 42 Prozent der Aktien.

Das ist schlecht für den Versicherer Swiss Life und seine Tochter AWD. Feindlich wollen beide MLP nicht übernehmen - das wäre viel zu gefährlich, weil MLP-Berater großen Wert auf ihre Eigenständigkeit legen. Und freundlich haben sie nun keine Chance mehr. Genau hierin liegt aber die Erklärung für den Kursanstieg von MLP am Freitag. Die Börse honoriert die neue Konstellation, weil MLP mittelfristig als unabhängiger Makler stärker profitieren könnte als in einem Konzernverbund.

Aktionäre von Swiss Life freute das zumindest am Freitag auch, der Kurs der Schweizer legte ebenfalls zu. Die meisten Analysten halten von einer MLP-Übernahme sowieso nichts und die Aktie fiel im August wie ein Stein. Nun erwarten die Beobachter, dass sich Swiss Life auf die Probleme bei AWD konzentriert und wie geplant mehr Aktien zurückkauft, statt Abenteuer einzugehen.

"Durch die Kapitalerhöhung bei MLP sind die Schweizer in eine Sackgasse geraten", urteilt Marc-Christian Effgen vom Broker Helvea in London. Für die Aktionäre wäre ein Aktienrückkauf besser gewesen als die Beteiligung an MLP, meint er. Fabrizio Croce, Analyst beim Brokerhaus Landsbanki Kepler in Zürich, sieht Swiss Life vor einem "Scherbenhaufen". Für einen Lebensversicherer wie Swiss Life sei es von Anfang an "unvorteilhaft" gewesen, groß in den Finanzvertrieb einzusteigen. Das Kapital des Versicherers sei jetzt blockiert und bringe keinen Nutzen.

Das allein ist schon bitter für Anleger. Hinzu kommen sehr schlechte Rahmenbedingungen für alle Vertriebe, die sich auf Altersvorsorge konzentrieren. Der Verkauf von Finanzprodukten ist in reifen Märkten wie der Schweiz und Deutschland seit Jahren schwierig. Hierzulande träumen Vorstände und Vermittler zwar davon, dass die Deutschen bald gewaltig fürs Alter vorsorgen müssen. Das tun sie auch, aber nicht so, wie es MLP oder AWD gerne hätten.

Die Finanzvertriebe verdienen am besten an Versicherungen oder Fonds, in die regelmäßig über viele Jahre Geld fließt. Diese Form der Geldanlage ist wegen der Börsenbaisse jedoch aus der Mode. Die Kunden sind verunsichert, klagt die Branche. Hohe Energiepreise und eine flaue Konjunktur zehren an den Nerven der Kunden.

Zudem belasten neue Regulierungsvorschriften die Vermittler. Statt mit breiter Brust auf Provisionsjagd zu gehen, quälen sie sich mit Papierbergen und höheren Anforderungen in der Beratung. Das kostet jeden Tag Zeit, die fürs Geschäft fehlt. Vertriebe müssen zudem in Informationstechnologie investieren. Manch kleinere Einheit schafft dies nicht und würde sich gerne in stärkere Arme werfen. AWD-Chef Carsten Maschmeyer ist daher auf Werbetour, nun beteiligt sich auch MLP. Deren Kriegskasse ist seit Freitag mit 120 Mill. Euro gut gefüllt.

Aktionäre müssen sich also für härtere Zeiten wappnen, finden Analysten. Nach Ansicht von JP Morgan gibt es sogar nur einen Gewinner: Maschmeyer. Der AWD-Gründer könnte später sein Geld und die Erfahrung nutzen, um einen neuen Vertrieb zu gründen, mutmaßen die Analysten. Dass sich die Aktienkurse von MLP und AWD trotz allem noch gut halten, liegt an Sondereffekten: MLP genießt einen Bonus als Marktführer und bei AWD winkt Anlegern eine attraktive Abfindung, wenn das Unternehmen von der Börse genommen wird.

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