MLP-Dementi bleibt wirkungslos
MLP stürzt am Nachmittag weiter

Weil das Anleger-Magazin "Börse Online" die Richtigkeit der Gewinne in der MLP-Bilanz anzweifelte, brach die MLP-Aktie heute Vormittag ein. Nachdem das Unternehmen die Vorwürfe entschieden zurückwies, erholte sich die Aktie wieder - um später auf den tiefsten Stand seit den Terror-Anschlägen abzutauchen.

vwd/ mm FRANKFURT/ HEIDELBERG. Die MLP AG, Heidelberg, ist am Donnerstag wegen eines Berichts in der Zeitschrift "Börse Online" massiv unter Druck geraten. Dem Finanzdienstleister wird eine "ungewöhnliche" Bilanzierung vorgeworfen. So sollen Gewinne "frisiert" und Schulden versteckt worden sein. MLP hat die Vorwürfe mittlerweile entschieden zurückgewiesen.

Die MLP-Aktie verlor im frühen Geschäft 18 Prozent auf 49,03 ?und notierte nach dem Dementi wieder erholt bei 53,72 ?, was allerdings immer noch ein Minus gegenüber gestern von zehn Prozent bedeutete. Am späten Nachmittag sorgten massive Verkäufe für einen erneuten Einbruch auf nur noch 47,00 ? - ein Minus von mehr als 20 Prozent zum Vortagesschluss. Damit hat die Aktie das Niveau von September 2001 nach den Terror-Anschlägen erreicht.

Laut "Börse Online" deutet vieles darauf hin, dass MLP einen großen Teil seiner Gewinne seit Jahren durch eine zweifelhafte Bilanzierung erziele. Gleichzeitig würden außerhalb der Bilanz hohe Schulden aufgebaut. Demnach habe MLP einen Teil der neu abgeschlossenen Lebensversicherungen an Rückversicherer weitergegeben. Damit ließen sich bei jungen, schnell wachsenden Lebensversicherungen die hohen Abschluss-Provisionen der Vermittler finanzieren. Im Gegenzug werde den Rückversicherern ein Teil der künftigen Prämien-Einnahmen abgetreten. Im Grunde seien dies Darlehen der Rückversicherer, heißt es in dem Bericht.

Bei MLP sei der Anteil dieser Transaktionen ungewöhnlich hoch, schreibt das Blatt. Allein vom Jahresabschluss 2001 stammten beim Vorsteuerergebnis von 150,7 Mill. Euro rund 58,8 Mill. Euro aus derartigen Transaktionen. Eigentlich müßte der Refinanzierungsbedarf der LV-Abschlusskosten gering sein, da der Aufwand für die Provisionen der MLP Lebensversicherung AG als Ertrag bei der MLP Finanzdienstleistungen AG auftauche. Von dort fließe der Ertrag teilweise wieder in den Konzerngewinn. Durch diese "Darlehensvergewinnung" müßten sich nicht ausgewiesene Verpflichtungen gegenüber den Rückversicherern auf über 150 Mill. Euro belaufen.

"Da die Rückversicherer ihr geliehenes Geld - höchstwahrscheinlich mit Zinsen - wieder zurückhaben wollen, dürfte MLP langfristig mehr an die Rückversicherer zurückzahlen, als die Gesellschaft von ihnen bekommen hat", heißt es weiter.

Von Händler- und Analystenseite gab es zunächst ein recht vorsichtiges Echo. Der Analyst Alfred Kaiser von Fritz Nols erklärte, um den Verdacht loszuwerden, wäre es wohl am besten, die Bilanz von einem anderen Wirtschaftsprüfer gegenprüfen zu lassen. Das wies MLP jedoch mittlerweile zurück. Es werde keine Sonderprüfung geben. Sein Kollege Stefan Chahsari von Concord Effekten meinte, er könne die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Es gebe keine geschickte Bilanzierung, sondern nur eine korrekte oder unkorrekte - "und die von MLP ist korrekt". Ein Dritter sagte, selbst wenn sich der Magazin-Bericht bestätigen sollte, handele es sich nicht um eine Täuschung, sondern nur um eine Enttäuschung - weil MLP nicht umfassend informiert habe.

Nach Angaben eines weiteren Analysten stützen sich die gegen MLP erhobenen Vorwürfe vor allem auf einen Gegenantrag zur Hauptversammlung, auf den MLP in einer Stellungnahme bereits reagiert habe. "Dem Unternehmen sind diese Vorwürfe bereits bekannt. Daher wird MLP sicherlich die Probleme aus der Welt schaffen können", schätzt er. Allerdings werde seit Jahren immer wieder bemängelt, dass das Unternehmen viele Positionen in seinen Bilanzen nicht ausreichend erkläre. Insgesamt schienen die Vowürfe jedoch unbegründet und die Bilanzen nicht gegen geltendes Recht zu verstoßen, hieß es weiter.

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