MLP
Kommentar: Abstieg als Ausweg

Das MLP-Management kämpft an allen Fronten. Nach außen müssen sich Gründer Manfred Lautenschläger und Vorstandschef Bernhard Termühlen mit immer neuen Vorwürfen zur Bilanzierungspraxis des Finanzdienstleisters herumschlagen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf falsche Jahresabschlüsse, die Finanzaufsicht befasst sich mit der Möglichkeit von Insidergeschäften mit der MLP-Aktie. Gleichzeitig wächst intern die Unruhe unter den Beratern, Motivationsarbeit ist gefragt. Eine Herkulesaufgabe für die Führungsspitze inmitten eines Hexenkessels. Wie konnte es so weit kommen? Eine Antwort gibt der Kursverlauf der MLP-Aktie. Die Aufnahme in den Dax vor einem Jahr wurde anfangs als Prestigeerfolg gefeiert, im Nachhinein war es der Startschuss für das jetzige Kursdebakel. Die Bewertung war viel zu hoch, was Spekulanten über Leerverkäufe gnadenlos ausnutzten. Und MLP war auch den Publizitätsanforderungen nicht richtig gewachsen, sonst hätte die Diskussion um die Bilanzen niemals so zermürbend werden können.

Wie kommt MLP aus dem Teufelskreis heraus? Zuerst müssen die Berater bei der Stange gehalten werden, die Vergütungskomponente Aktie darf keine große Rolle mehr spielen. Dann wird es darauf ankommen, das Geschäftsmodell auch in seinen Details überzeugend zu präsentieren, denn die Ausrichtung auf Akademiker als Kunden ist weiterhin Erfolg versprechend.

Die größte Hilfe könnte allerdings - so paradox es klingen mag - der Rausschmiss aus dem Dax werden, auch wenn dies noch nicht sicher ist. Denn ein Abstieg aus der Oberklasse der Börse in den M-Dax würde MLP ein Stück weit aus dem Rampenlicht der Analysten, Hedge-Fonds und Anlegermagazine zerren. Dann wird vielleicht einkehren, was sich in Heidelberg alle wünschen: Ruhe und Normalität.

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