MLP
Kommentar: Das Ende der Blütenträume

Die Wachstumsstory ist intakt! Das war die Hauptbotschaft, die MLP-Chef Bernhard Termühlen gestern bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen verbreitet haben wollte. Doch dem ist bei weitem nicht so. Von den traumhaften Wachstumsraten der Vergangenheit muss sich der Heidelberger Finanzdienstleister verabschieden. Statt eines Gewinns von 250 Millionen Euro werden für das kommende Jahr lediglich noch 120 Millionen Euro erwartet. Die Wachstumserwartungen für Umsatz und Gewinn nahm der Unternehmenschef von 30 auf 20 Prozent pro Jahr zurück.

Das trifft MLP schwer. Denn mit der rasanten Wachstumsstory köderte MLP bisher nicht nur Kunden und Mitarbeiter, sondern auch Investoren und Produktpartner. Für diese haben sich die Rahmenbedingungen nun verändert. Verträge und Konditionen könnten neu verhandelt werden - was zu Ungunsten von MLP ausgehen dürfte. Und auch die gerade erst durchgeführte und umstrittene Kapitalerhöhung - das Oberlandesgericht muss noch über zwei Aktionärsklagen entscheiden - war auf der Basis eines Wachstums von 30 Prozent durchgeführt worden.

Die Querelen hinterlassen ihre Spuren auch im operativen Geschäft. Die Gewinnung von Neukunden gestaltet sich inzwischen, wenig überraschend, alles andere als einfach. Denn das Beratungsgeschäft steht und fällt mit dem Vertrauen der Beratenen. Auch unter den bestehenden Kunden wächst die Unruhe. Das verneint Termühlen zwar. Doch wie anders ist es sonst zu erklären, dass Berater vom Neugeschäft abgezogen wurden, um sich nun um die Kundenbindung zu bemühen.

Hinzu kommt, dass demographische Studien eine Abnahme des für MLP so wichtigen Kundensegments der 30-Jährigen prognostizieren. Das ist hart: Hier, bei den Hochschulabsolventen und Berufseinsteigern, liegt die Wurzel des bisherigen Erfolgs von MLP. Hier hat das Unternehmen eine einzigartige Marktstellung. Ein Ausweichen auf andere Kundengruppen ist schwer. Zwar bietet MLP auch das Vermögensmanagement für ältere Kundenschichten an, doch ist gerade dieses Segment sehr stark umkämpft.

Die Gründe für den Rückschlag für MLP liegen natürlich in den Negativschlagzeilen der vergangenen Wochen: angefangen von Spekulationen über Bilanzfälschung bis hin zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und Abhöraffären. Es wäre aber viel zu einfach, alles auf die "externen Angriffe" zu schieben. Im Gegenteil: Viele Probleme von MLP sind hausgemacht. Das Geschäftsmodell ist intransparent und bietet viel Raum für Spekulationen. Die Kommunikation wirkt trotz der versprochenen Offensive weiterhin eher verdeckend als erhellend. Und Unternehmenschef Termühlen mag ein passabler Vorstandschef sein, aber als Alleinunterhalter ist er überfordert. Er braucht Unterstützung - zumindest durch einen starken Finanzvorstand an seiner Seite.

Nichtsdestotrotz: Das Geschäftsmodell MLP ist unbestritten ein Erfolgsmodell. Ein Wachstum von 20 Prozent pro Jahr ist mehr, als alle anderen Dax-Unternehmen vorweisen können. Und nicht zu vergessen: Anders als viele Finanzdienstleister schreibt MLP unverändert schwarze Zahlen. Da wird es nicht schaden, dass nach dem Hype der vergangenen Jahre wieder Realismus eingekehrt ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%