MLP schwach
Dax dreht nach US-Konjunkturdaten ins Minus

Schwächer als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten aus den USA haben am Donnerstag die deutschen Aktienmärkte nach einer zunächst freundlichen Tendenz in die Verlustzone gedrückt.

Reuters FRANKFURT. Am Nachmittag gab das US-Handelsministerium bekannt, dass die Einzelhandelsumsätze im Mai im Vergleich zum Vormonat um 0,9 Prozent gesunken waren. Einen Teil ihrer Verluste bauten derweil die Papiere von MLP ab, nachdem der Finanzdienstleister die Vorwürfe eines Anlegermagazins über angebliche Bilanzmanipulationen zurückgewiesen hatte.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss mit einem Minus von 0,9 Prozent auf 4470 Zähler, nachdem er zuvor auf 4441 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Mitte Oktober 2001 gefallen war. Im frühen Geschäft war der Index noch bis auf 4584 Stellen angestiegen, was Händler mit einer technischen Reaktion auf die Verluste in den vergangenen Tagen begründet hatten. Seit Anfang Juni hatte das wichtigste deutsche Börsenbarometer rund fünf Prozent seines Wertes eingebüßt.

Am Neuen Markt verlor der Blue-Chip-Index Nemax50 0,8 Prozent auf 671 Stellen. Der MDax für die mittelschweren Werte gab um 0,3 Prozent auf 4156 Punkte nach.

Nach den schwachen Konjunkturdaten kam es auch zu Kursverlusten an den Märkten in New York. Der Industriewerte-Index Dow Jones verzeichnte bei Börsenschluss in Deutschland einen Abschlag von 0,6 Prozent auf 9564 Stellen. Der technologielastige Nasdaq-Index gab um ebenfalls 0,6 Prozent auf 1510 Punkte nach.

"Die Einzelhandelsumsätze waren schlecht", sagte Alfred Kaiser, Analyst beim Bankhaus Nols. "In den Zahlen spiegelt sich wider, dass der Konsum in den USA im Mai nicht zu laufen schien." Analysten hatten anstelle des Rückgangs von 0,9 Prozent ein Minus von 0,3 Prozent erwartet. Ohne die Automobilbranche fielen die Umsätze um 0,4 Prozent. Hier hatten Analysten ein Plus von 0,3 Prozent prognostiziert.

Nachdem die Aktien von MLP zunächst zeitweilig um mehr als 13 Prozent eingebrochen waren, bauten sie im späten Verlauf den größten Teil ihrer Verluste wieder ab und schlossen um 2,3 Prozent schwächer bei 32,52 Euro. MLP hatte am Nachmittag zu den wesentlichen Vorwürfen des Berichts in dem Anlegermagazin "Börse Online" Stellung genommen. Derzeit lasse MLP prüfen, inwieweit rechtliche Schritte gegen die Vorwürfe des Magazins möglich seien, hieß es. "Es ist kein Problem für uns, alle offenen Fragen zu beantworten und wir tun dies auch sorgfältig so schnell wie möglich", teilte MLP-Chef Bernhard Termühlen mit.

Bereits am Mittwoch waren die Titel des Finanzdienstleisters nach einem Vorabbericht des Magazins über angebliche Bilanzungereimtheiten zeitweise um rund 20 Prozent eingebrochen.

Nach der Bekanntgabe der Konjunkturdaten brachen die Papiere der Deutschen Telekom ihre Erholungstendenz ab und schlossen um 0,9 Prozent schwächer bei 10,21 Euro. Zuvor waren sie um mehr als fünf Prozent gestiegen.

Tagesverlierer waren die Papiere des Automobilherstellers BMW, die um 5,6 Prozent auf 42 Euro fielen. Händler hatten für die deutlichen Abschläge keine Erklärung. Auch aus dem Unternehmen gebe es keine Nachrichten, die den Kurs belasten könnten, sagte ein Sprecher von BMW.

Von den US-Konjunkturdaten zeigten sich auch zunächst die Technologiewerte belastet, die entweder ihre Gewinne schmälerten oder ins Minus rutschten. Im weiteren Verlauf erholten sich die Papiere jedoch wieder. Siemens schlossen um rund ein Prozent fester, Infineon gewannen 1,5 Prozent und SAP legten um 1,3 Prozent zu.

Am Neuen Markt stiegen die Aktien von Mobilcom um mehr als 22 Prozent auf 7,50 Euro. Das Papier profitiere von einer möglicherweise bevorstehenden Abberufung des Firmen-Gründers und-Chefs Gerhard Schmid, sagten Händler. Seit Ende vergangener Woche war das Papier wegen des sich zuspitzenden Streits zwischen Schmid und dem Großaktionär France Telecom um rund 60 Prozent eingebrochen.

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