mmO2 enttäuscht
O2 freut sich über Kundenzuwachs

Die zum britischen Mobilfunkkonzern mmO2 gehörende O2 Germany hat im Mai in Deutschland erstmals mehr als vier Millionen Mobilfunkkunden gezählt. Zugleich sank aber der durchschnittliche Umsatz je Kunde (ARPU), was das Unternehmen auf saisonale Effekte zurückführte.

Reuters MÜNCHEN/LONDON. O2-Chef Rudolf Gröger führte am Mittwoch in einer Telefonkonferenz den seit Monaten anhaltenden Kundenzuwachs auf das Produkt O2 Genion zurück, mit dem Handy-Nutzer in einem räumlich begrenzten Bereich zu Festnetztarifen telefonieren können. Im vierten Quartal des im März beendeten Geschäftsjahr habe sich ein Großteil der Vertragskunden für Genion entschieden.

Der Kundenzuwachs sei zudem nicht über erhöhte Subventionen an die Neukunden erreicht worden, sagte Gröger. Die Kundengewinnungskosten seien im jüngsten Geschäftsjahr um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesenkt worden und hätten im Durchschnitt 154 Euro betragen. Gröger zufolge könnten die Kosten noch auf 120 bis 130 Euro sinken.

Kundenumsätze sinken, Marktanteil wächst aber

Allerdings sei der durchschnittliche Umsatz pro Kunde in den ersten drei Monaten dieses Jahres (viertes Geschäftsquartal) im Monatsmittel auf 27 Euro von 29 Euro im Vorquartal gesunken, wofür saisonale Effekte verantwortlich seien. Der Umsatz pro Kunde gilt als wichtige Kennzahl im Mobilfunksektor. Deutschlands Marktführer T-Mobile verzeichnete im ersten Quartal im Monatsmittel nach früheren Angaben einen Umsatz je Kunde von 23,20 Euro.

In einem rückläufigen deutschen Markt habe sich der Marktanteil durch den Kundenzuwachs bis Mai auf sieben Prozent erhöht, teilte die noch defizitär arbeitende mmO2-Tochter mit, die bis Mai unter dem Namen Viag Interkom firmierte. Von Januar bis März gewann O2 rund 235 000 neue Kunden. In diesem Zeitraum sei die Gesamtzahl der Mobilfunkkunden in Deutschland um rund 280.000 zurückgegangen. Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) habe sich im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 269 Millionen Euro etwa halbiert. Der Umsatz stieg um 29 Prozent auf rund 1,4 Milliarden Euro.

mmO2-Kurs fällt

Der britische Mutterkonzern mmO2 erzielte im Gegensatz zur deutschen Tochter im Geschäftsjahr 2001/02 einen operativen Gewinn am oberen Rand der Markterwartungen. Das Ebitda lag vor Sonderposten bei 433 Millionen Pfund (rund 680 Millionen Euro) nach einem Pro-Forma-Ebitda-Verlust von 39 Millionen Pfund im Vorjahr. Von Multex.com befragte Analysten hatten eine Spanne von 412 bis 437 Millionen Pfund erwartet. Der Konzernumsatz kletterte um 11,5 Prozent auf 4,276 Milliarden Pfund.

Dennoch fiel der Aktienkurs von mmO2 zwischenzeitlich um mehr als 15 Prozent an der Börse in London auf ein Rekordtief von unter 40 Pence, was Händler mit der Enttäuschung des Marktes über das schwache britische Geschäft begründeten. Der Umsatz stieg in Großbritannien lediglich um 50 Millionen Pfund auf 2,756 Milliarden Pfund.

Der britische Markt stelle das Unternehmen weiter vor Herausforderungen, sagte mmO2-Chef Peter Erskine Erskine. Ein Aktienhändler sagte in London, "das internationale Geschäft ist besser verlaufen als das britische, doch am Markt wollen viele, dass mmO2 sich aus Deutschland und den Niederlanden zurückzieht." Durch den Verkauf könne der Konzern Geld einnehmen, um es anderswo sinnvoll einzusetzen.

Internationaler Ausblick bleibt verhalten

Die britische O2-Mutter peilt für Deutschland in den kommenden fünf Jahren einen jährlichen Anstieg des Anteils an Europas größtem Mobilfunkmarkt um einen Prozentpunkt an. Sollten dieses und andere Sanierungsziele verfehlt werden, erwäge mmO2 den Verkauf der deutschen Tochter, hatte das Unternehmen jüngst erklärt. Erskine sagte am Mittwoch: "Wir arbeiten weiter an einer Wertsteigerung unserer Beteiligungen. Was immer wir tun, es soll den Wert erhöhen."

O2-Chef Gröger sagte unter Verweis auf den gestiegenen Marktanteil: "Alle Indikatoren zeigen in die richtige Richtung." Weitere Marktanteilszuwächse will Gröger vor allem dadurch erreichen, dass unzufriedene Kunden anderer Anbieter gewonnen werden. Die Zahl der potenziellen Neukunden, die bislang noch keine Handy hätten, sei dagegen gering.

UMTS-Dienste erst Mitte 2003

mmO2 ist in Europa der fünftgrößte Mobilfunkanbieter. Der Ausblick des Konzerns fiel verhalten aus. "Unser Marktumfeld bleibt weiter schwierig, da sich das Kundenwachstum verlangsamt und der Markt für mobile Datenübertragung noch in einer frühen Entwicklungsphase steckt", sagte mmO2-Chairman David Varney.

Allerdings rechne mmO2 weiterhin mit einem Umsatzanstieg und einer "erheblichen Verbesserung" der Ebitda-Margen, fügte er hinzu. MmO2 wurde Ende vergangenen Jahres vom britischen Telekomkonzern BT und zählt in Großbritannien, den Niederlanden, Deutschland und Irland. 17,5 Millionen Kunden. Mit der Einführung von UMTS-Diensten rechnet das Unternehmen erst für Mitte 2003.

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