MMS bringt Farbe und Bewegung in die kargen Zeilen
"SMS ist erst der Anfang"

Jahr für Jahr überschlägt sich die Computermesse Cebit mit technischen Neuheiten, die schon nach kurzer Zeit wieder vergessen sind. Akzeptiert wird von den Verbrauchern nur das, was einfach zu bedienen ist.

ap HANNOVER. So fristen die meisten der schicken neuen WAP-Angebote auf dem Handy ein Schattendasein. Die schlichte SMS-Meldung hingegen erlebt einen Boom, wie er bei Einführung dieses Dienstes vor sechs Jahren kaum für möglich gehalten wurde.

Der "Short Messaging Service" ist vor allem bei Jugendlichen so beliebt wie kaum eine andere Technik. Derzeit werden im Schnitt in Deutschland jeden Monat zwei Millionen SMS-Botschaften verschickt. Über Weihnachten und Neujahr war der Andrang so stark, dass die SMS-Dienste zeitweise nicht erreichbar waren. Der internationale GSM-Verband erwartet, dass 2001 weltweit 200 Milliarden SMS-Botschaften verschickt werden.

Auf der Suche nach der entscheidenden `Killer-Applikation" - also der Anwendung, die den Durchbruch schaffen soll - für die Mobilfunkdienste der dritten Generation wird die SMS in den Blick genommen: Die Kurzmitteilung soll mit Bildern und Videos zum `Multimedia Messaging Service" (MMS) aufgemotzt werden. `Wenn das schon mit einfachen Textnachrichten so toll läuft, dann kann es mit Fotos und bewegten Bildern nur noch besser werden", sagt Nokia-Sprecherin Eva Heller. Wenn MMS so massenhaft genutzt wird wie SMS könnten die riesigen Investitionen der Mobilfunk-Anbieter - 99 Milliarden Mark für sechs UMTS-Lizenzen in Deutschland - zumindest teilweise wieder hereingeholt werden.

"Mit MMS ist schon eine erste wichtige Anwendung für UMTS gefunden", sagt die Nokia-Sprecherin. Bei dem finnischen Gerätehersteller wird an eine schrittweise Einführung von MMS gedacht. Den Anfang macht jetzt der auf der Cebit vorgestellte Nokia 9210 Communicator. Das Aufklapp-Handy mit großem Display kombiniert Telefon und Computer. Dank Kanalbündelung sollen Übertragungsraten bis 43 Kilobit/Sekunde möglich sein - statt bislang 9,6 KBit/sec. Und die Tastatur hilft beim Eintippen längerer Texte.

SMS befördert Bibelsprüche und Erinnerungen an Termine

Ein weiterer Zwischenschritt könnte die Einführung des `Enhanced Messaging Service" (EMS) werden: Hier fällt die SMS-Begrenzung von 160 Textzeichen weg. `SMS ist erst der Anfang", sagt Andre Wiegand von der Berliner Medienberatung GoldMedia. `M-Commerce muss gepusht werden." Mit diesem Schlagwort wird der `Mobile Commerce" bezeichnet, der elektronische Handel mit mobilen drahtlosen Geräten. Nach einer von ihm mitverfassten Studie sollen 2006 mehr als zwei Milliarden Euro (vier Milliarden Mark) mit so genannten Mobile-Broadcast-Diensten umgesetzt werden. Entsprechende Angebote werden der Studie zufolge künftig verstärkt für zielgruppenspezifische Werbung eingesetzt. Schon jetzt gibt es immer mehr Verwendungszwecke. Mit SMS werden E-Mails und Faxe verschickt, Nachrichten übertragen oder Erinnerungen an Termine übermittelt. In einer Fastenaktion der christlichen Kirchen lassen sich derzeit mehrere tausend Menschen täglich einen Bibelspruch aufs Handy schicken. Demnächst sollen auch Bankgeschäfte über SMS abgewickelt werden. SMS-Mitteilungen können auch ohne Handy verschickt werden, eine Reihe von Internet-Angeboten ermöglicht den kostenlosen SMS-Versand. Und bei E-Plus wird zur Cebit `SMS-to-Speech" angekündigt: Hier kann man sich die Kurzmitteilung über eine elektronische Sprachausgabe am Telefon anhören.

"Die neuen Dienste werden sicherlich nicht billiger angeboten als jetzt", sagt der 29-jährige Carsten Kovalski, der eine Protestaktion gegen die aus seiner Sicht zu hohen SMS-Preise gestartet hat. Während alle anderen Telefontarife in Bewegung geraten sind, verharrt der Preis für eine SMS seit der Einführung 1995 bei 15 bis 39 Pfennigen - je nachdem, ob die Botschaft im eigenen Netz verschickt wird oder in das der Konkurrenz geht. Die Reaktion der führenden Mobilfunkdienste D1 und D2 auf seine im vergangenen Jahr von 6.000 Kunden unterstützte Aktion sei ablehnend ausgefallen, sagt Kovalski. Da der SMS-Dienst so rege genutzt werde, seien die Preise in Ordnung, argumentierten die Anbieter.

"SMS hat den Sprung in den Mainstream geschafft", schrieb kürzlich Simon Buckingham im Fachdienst `Mobile Lifestreams". SMS werde zwar immer noch vorwiegend von Jüngeren genutzt. `Aber wenn das Multimedia Messaging in ein paar Jahren kommt, dann werden auch die Alten sicherlich dabei sein."

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