MMS die neue Hoffnung im Moblifunkmarkt.
Ein Bild sagt mehr als 160 Zeichen

Der SMS-Nachfolger MMS verändert die Fotobranche: Kamerahersteller werden Gewinne bald teilen müssen mit Handyproduzenten und Internet-Firmen.

Es gibt nur eines, was die abwärts strudelnde Telekom-Branche dringender braucht als Geld: Hoffnung. Der größte Silberstreif am Horizont heißt MMS und soll dafür sorgen, dass mit nervösen Fingern getippte SMS-Nachrichten bald der Vergangenheit angehören.

Multimedia Message Service (MMS) hebt die Beschränkung von 160 Zeichen pro Nachricht auf, unter der SMS leidet. Trotz dieses Makels brachten die Kurznachrichten den westeuropäischen Netzbetreibern im vergangenen Jahr rund 40 Mrd. $ ein. Doch MMS kann noch mehr als simple Worte übermitteln: Auch Bild- und Audiodateien lassen sich anhängen, später soll man sogar Videosequenzen versenden können.

Die Netzbetreiber wollen mit MMS nicht nur Geld einnehmen, sondern die Kunden auch aufwärmen für die Möglichkeiten des neuen Mobilfunkstandards UMTS . "Der Multimedia Message Service bietet vielfältige Anwendungen, die den Nutzen der Basistechnologien UMTS, GPRS und WAP verdeutlichen", kommentiert Andreas Schulz, verantwortlicher Produktmanager bei O2 Deutschland die Perspektiven für Verbraucher und Anbieter.

Neue Technik braucht neue Handys

Für die Teilnahme an dem neuen Dienst braucht man ein MMS-fähiges Handy, was Gerätehersteller auf steigende Verkaufszahlen hoffen lässt. Das von Nokia beauftragte Marktforschungsinstitut HPI Research Group ermittelte starkes Interesse am fotografierenden Telefon: 43 % der Befragten wollten ihr Mobiltelefon als Kamera einsetzen und Fotos übers Netz schicken. In Japan, wo Handynutzer dank der mobilen Internet-Variante I-Mode seit einem Jahr bunte Bildchen verschicken können, wurden bis Ende vergangenen Jahres über 3 Millionen Handys mit integrierter Kamera verkauft.

Momentan gibt es zwei für MMS gerüstete Handys in Deutschland, beide kosten rund 500 Euro. Nokias 7650 mit eingebauter Digitalkamera und Farbdisplay kommt in diesen Tagen auf den Markt. Konkurrent ist das bereits länger erhältliche, handlichere T68i von Sony Ericsson mit einer aufsteckbaren Kamera namens MCA-20. Außerdem warten der Organizer-artige XDA von O2 und das 3510 von Nokia auf den Verkaufsstart; Panasonic will im Herbst sein GD 87 ausliefern, und Motorola plant, zum Jahresende das erste UMTS-Handy in Europa zu verkaufen - allesamt MMS-fähig.

Feriengrüße via Foto-MMS

Wenn Feriengrüße von der Nordsee in diesem Jahr nicht auf einer Postkarte mit Leuchtturm stehen, sondern als persönlicher Schnappschuss aufs Handy der Freunde gefunkt werden, wird man diese Entwicklung bei den Herstellern digitaler Fotokameras aufmerksam beobachten. Sobald mit UMTS Übertragungsraten von bis zu 384 kbit/s möglich sind und bei MMS eventuell die Begrenzung von 30 kBit für Dateianhänge fällt, können Digitalfotografen nämlich auch hochaufgelöste Bilder mit dem Handy versenden.

Bereits im vergangenen Jahr arbeitete rund ein Viertel der in Deutschland verkauften Kameras statt mit Filmen mit digitalen Bildspeichern. Der Bilderversand via MMS könnte diesen Trend verstärken - und bei MMS-Nutzern den Wunsch nach qualitativ hochwertigen Kameras wecken.

Einige wenige Kamerahersteller haben sich bereits fruchtbare Gedanken über die Schnittstelle zwischen Kamera und Handy gemacht. Seit über einem Jahr speichern Kameras von Casio, Kodak, Konica und Minolta ihre Aufnahmen auf der kleinen Multimedia-Karte (MMC), die auch in Handys von Nokia oder Siemens Verwendung finden.

"Wir nehmen Mobile Imaging sehr ernst und wollen unsere Produkte und Dienste sinnvoll mit den Möglichkeiten des Internets und des Mobilfunks verknüpfen", begründete Gareth Jones, Regional General Business Manager and Vize-Präsident von Kodak Digital & Applied Imaging, den Wechsel von der in der digitalen Fotografie etablierten Compact-Flash-Speicherkarte auf die teurere Multimedia-Karte. "Fotografen brauchen lediglich die Multimedia-Karte mit den Fotos aus der Kamera zu nehmen, ins Mobiltelefon zu schieben und schon können sie ihre Fotos versenden."

Helmut Rupsch, Geschäftsleiter der deutschen Vertriebsdivision von Fuji, setzt dagegen lieber auf Funktechnik, um Kameras und Handys miteinander zu verbinden: "Die mobilen Bilderdienste sind für Fujifilm von allergrößter Bedeutung. Wir sehen darin ein großes Potenzial und entwickeln bereits entsprechende Produkte. Die Serienproduktion ist keine Frage der Technik, sondern der Nachfrage."

Bis Ende des Jahres sollten die Kamerahersteller mit neuen Produkten beweisen, dass ihre Begeisterung für mobile Bilderdienste kein Lippenbekenntnis ist. Bereits heute sind klassische Fotofirmen wie Fujicolor und Kodak auf die vielfältigen Dienstleistungen rund um die Multimedia Message und das digitale Foto vorbereitet. Sie stellen ihren Kunden im Internet Speicherplatz für digitale Aufnahmen zur Verfügung und liefern auf Bestellung sogar Abzüge fürs Fotoalbum.

Im Zeitalter von MMS werden sie den Markt aber mit Netzbetreibern, Internet-Anbietern und Handyherstellern teilen: Nokia hält beispielsweise registrierten Nutzern des Kamerahandys 7650 kostenlosen Speicherplatz bereit. Die Kunden können Fotos von dort aus direkt an einen Fotodruckdienst oder auf Handys weiter leiten.

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