Mobilcom-Aktie fällt auf den tiefsten Stand seit Ausgabe – Französischer Konzern spielt auf Zeit
France Télécom kämpft mit harten Bandagen

France Télécom teilte am Donnerstag in Paris mit, man verlange vollständige Aufklärung durch einen unabhängigen Gutachter über den jüngsten Kauf von Mobilcom-Aktien durch die Ehefrau des Mobilcom-Chefs und Firmengründers Gerhard Schmid.

abo/lip/slo PARIS/HAMBURG. Die Auseinandersetzung zwischen Mobilcom und ihrem Großaktionär France Télécom spitzt sich zu: Der französische Konzern will Mobilcom-Chef und Firmengründer Gerhard Schmid vor Gericht ziehen, falls dieser nicht auf den France-Télécom-Kurs einschwenkt. Das teilte France Télécom gestern mit. Ansatzpunkt der Franzosen sind umstrittene Aktienkäufe von Sibylle Schmid, der Gattin des Firmengründers.

Der Mobilcom-Aktienkurs brach am Donnerstag zeitweise um 20 % ein und fiel auf 9,72 Euro, den tiefsten Stand seit der Aktienausgabe 1997. Bis zum Abend reduzierten sich die Verluste allerdings auf rund 5 %. Damit hat die Aktie der am Neuen Markt notierten Telekommunikationsfirma in einer Woche ein Drittel ihres Wertes verloren - das entspricht einer Kapitalvernichtung von fast 400 Mill. Euro.

Der Streit zwischen Mobilcom und France Télécom ist vor etwa einer Woche offen ausgebrochen. Er entzündete sich an den teuren Plänen von Mobilcom für die neue Mobilfunktechnik UMTS. France-Télécom-Chef Michel Bon möchte angesichts der eigenen Schulden von etwa 50 Mrd. Euro nicht bis zu 10 Mrd. Euro in das Mobilcom-Netz investieren. Die Investitionen seien jedoch vertraglich vereinbart, mahnt das norddeutsche Unternehmen an.

Aus Kreisen der beteiligten Unternehmen verlautete, dass der französische Konzern den Mobilcom-Chef aus dem Unternehmen herausdrängen möchte. Ein Kauf des Schmid-Paketes würde die Franzosen nach Analystenschätzungen 5 Mrd. bis 6 Mrd. Euro kosten - zu viel angesichts der hohen Verschuldung des Staatskonzerns. Daher versucht France Télécom, den Einfluss von Firmengründer Schmid und seiner Gattin bei Mobilcom zu reduzieren.

In einem ersten Schritt lässt France Télécom nun die Rolle, die Sibylle Schmid beim Kauf einer fünfprozentigen Beteiligung an Mobilcom spielte, von einem Gutachter prüfen. Das beschloss der Aufsichtsrat der Mobilcom AG in einer Nachtsitzung zum Donnerstag. Ein Teil der Aktien soll für ein Aktienoptionsprogramm für Mobilfunkhändler verwendet werden. Damit würde die Beteiligung von Frau Schmid an dem Unternehmen sinken.

Dem Aufsichtsamt für Insiderhandel liegen keine Hinweise vor, dass Frau Schmid rechtlich unzulässig gehandelt habe. Dass der Aktienerwerb nicht öffentlich gemacht wurde, verstoße nicht gegen geltendes Recht. Mobilcom brauchte erst von 2002 an Anteilskäufe über fünf Prozent zu melden.

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