Mobilcom-Aktie setzt Höhenflug fort
Ex-Mobilcom-Chef verklagt France Telecom

Kompletter Rückzug oder Übernahmeangebot? Über das weitere Engagement bei Mobilcom will der Verwaltungsrat der France Telekom erst am 12.September entscheiden. Unterdessen will der frühere Mobilcom-Chef Gerhard Schmid die Übernahme seines Anteils gerichtlich erzwigen.

Reuters HAMBURG. Für das Überleben des verlustreichen Telekommunikationskonzerns Mobilcom dürften die kommenden vierzehn Tage entscheidend werden. Nach der Ankündigung von Großaktionär France Telecom, ihre Verwaltungsratssitzung auf Mitte September zu verschieben, wuchs am Freitag unter Börsianern und Anlegern die Spannung: Der frühere Mobilcom-Chef Gerhard Schmid die France Telecom nach Angaben aus seinem Umfeld auf die Übernahme seines Anteils an dem Büdelsdorfer Telekomanbieter verklagt.

Für Spekulationen sorgten zudem Aussagen von Mobilcom-Chef Thorsten Grenz in einem Zeitungsinterview, er halte ein Übernahmeangebot von France Telecom an die übrigen Mobilcom-Aktionäre für möglich. Analysten schlossen sowohl eine Übernahme durch France Telecom als auch eine Insolvenz der Büdelsdorfer Firma nicht aus. Getragen von den Erwartungen an ein bevorstehendes Angebot setzte die Mobilcom-Aktie am Neuen Markt ihren Höhenflug zunächst fort, verlor bis zum Nachmittag ihren Zugewinn aber weitgehend wieder.

France Telecom braucht Bedenkzeit

France Telecom will nach eigener Aussage die zusätzliche Zeit bis zur Verwaltungsratssitzung am 12. September dazu nutzen, um ihr Engagement bei Mobilcom weiter zu analysieren, bevor man endgültig entscheiden wolle. Dabei sei weiterhin jeder mögliche Ausgang denkbar, vom kompletten Rückzug bis hin zu einem Übernahmeangebot, hieß es aus mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen.

Ex-Mobilcom-Chef verklagt France Telecom

Schmid wolle erreichen, dass die mit 28,5 % an Mobilcom beteiligte France Telecom eine für den Konfliktfall mit ihm vereinbarte Put Option akzeptiere, hieß es am Freitag aus dem Umfeld des Mobilcom-Gründers. Der Übernahmepreis soll in diesem Fall durch eine Investmentbank ermittelt werden. Die Klage sei bereits zur Wochenmitte beim Landgericht Frankfurt eingereicht worden, hieß es. Schmid hält zusammen mit seiner Ehefrau knapp die Hälfte der Mobilcom-Anteile.

Grenz hält Mobilcom für sanierungsfähig

Der seit Mitte Juni als Vorstandschef von Mobilcom amtierende Grenz sagte in einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Freitagausgabe), der französische Staatskonzern schätze trotz hoher Verluste und eines gigantischen Schuldenbergs Mobilcom als sanierungsfähig ein und wolle ein öffentliches Übernahmeangebot unterbreiten. Der frühere Finanzchef Grenz gilt als Vertrauter der mit 28,5 % an Mobilcom beteiligten Franzosen. Er war nach der Abberufung von Unternehmensgründer Gerhard Schmid vom Aufsichtsrat an die Unternehmensspitze berufen worden.

Analysten schließen Übernahme nicht aus

Auch Analysten schlossen ein Übernahmeangebot von France Telecom nicht aus, empfahlen Anlegern aber, sich bei Mobilcom zurückhalten. Die Gefahr eines "Totalverlusts" des investierten Geldes sei zu groß, sagte Klaus Baumann vom Hamburger Analysehaus SES Research zur Begründung.

Joachim Koller vom Bankhaus Merck Finck in München sagte, er erwarte noch im September ein Übernahmeangebot von France Telecom. Der französische Staatskonzern könne sich einen Rückzieher ohne Gesichtsverlust wegen der im Frühjahr mit einem Bankenkonsortium im Grundsatz erzielten Vereinbarung zur Umschuldung der Mobilcom-Darlehen über 4,7 Mrd. Euro nicht leisten. France Telecom hatte sich mit dem aus 17 Instituten bestehenden Konsortium auf eine für die eigene Bilanz schonungsvolle Umschichtung der Kredite verständigt. Dies soll nach bisherigen Informationen über eine modifizierte Wandelanleihe geschehen. Durch dieses Instrument soll verhindert werden, dass die Mobilcom-Schulden die Bilanz von France Telecom zusätzlich belasten, wodurch sich deren Bonität an den Finanzmärkten verschlechtern würde.

Koller sagte weiter, im Falle einer Übernahme werde France Telecom die zusammen mit Mobilcom für 8,4 Mrd. Euro ersteigerte Lizenz für den UMTS-Mobilfunk womöglich ganz abschreiben müssen. Grenz hatte zuletzt bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen mitgeteilt, die UMTS-Lizenz solle wegen der hinter den Erwartungen zurückbleibenden Entwicklung im Mobilfunk der dritten Generation demnächst neu bewertet werden.

Koller rechnet nach eigenen Worten mit einem Angebot an die übrigen Mobilcom-Aktionäre im Volumen zwischen 500 Mill. und einer Milliarde Euro. Dies wäre mit Blick auf die Gesamtschulden von France Telecom von 70 Mrd. Euro "ein Tropfen auf den heißen Stein" und durchaus zu verschmerzen. Im Anschluss könnte sich France Telecom aus dem als überbesetzt geltenden deutschen Mobilfunkmarkt zurückziehen und seine Beteiligung wieder verkaufen. Als mögliche Interessenten brachte der Merck-Finck-Analyst die beiden Mobilfunkanbieter E-Plus und O2 Germany (früher Viag Interkom) ins Spiel.

Am Neuen Markt notierte die Mobilcom-Aktie am Nachmittag bei 7,36 Euro leicht im Plus. Im Vergleich zum Kursanstieg des Vortages, an dem die im Nemax-50 gelistete Firma um mehr als 12 % emporgeschossen war, hielt sich der Zugewinn aber in Grenzen.

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