Mobilcom-Chef verkauft sein Aktienpaket
Gerhard Schmid: Vom Mobilfunkpionier zum Aussteiger

Dem Aufsteiger der Mobilfunkbranche, Gerhard Schmid, blieb letztlich nur der Ausstieg aus seiner Mobilcom AG.

dpa HAMBURG. "Ich führe das Baby in eine gesunde Zukunft und damit ist auch mein Job erledigt", sagte der Firmengründer am Dienstag mit Wehmut in der Stimme. Seiner Entscheidung, sich aus Mobilcom zurückzuziehen, war eine wochenlange Schlacht mit France Télécom um den Ausbau des Mobilfunkstandards der nächsten Generation - UMTS - vorausgegangen.

Schmid hatte seinem Großaktionär die Pistole auf die Brust gesetzt: "Es gibt nur schwarz oder weiß." Deutlich ließ er die Journalisten bei der Bilanzpressekonferenz vergangene Woche wissen, was das bedeutet: Entweder lassen die Franzosen die vereinbarten Milliarden für den Ausbau von UMTS fließen - oder Schmid zieht sich zurück.

Dass es der einstige Star der High-Tech-Branche und des Neuen Marktes mit seinem Ausstieg tatsächlich ernst meinen könnte, hatten in der Vorwoche manche noch als Finte im Machtpoker um Mobilcom bewertet. Es wurde bezweifelt, das France Télécom das Kaufangebot mit Abfindungen an freie Aktionäre überhaupt bezahlen könnte. Die jetzt gefundene Lösung, wonach Schmid sein Paket an eine Bankengruppe veräußert, entlastet die Franzosen. Es entlässt sie aber nicht aus der Pflicht, weiterhin die UMTS-Lizenzbedingungen zu erfüllen.

Welchen Weg Mobilcom unter Führung von France Télécom einschlägt, wird Schmid künftig aus der Ferne beurteilen. Im April soll für ihn Schluss in Büdelsdorf sein. Von der schleswig-holsteinischen Gemeinde aus hatte er sich mit den Großen der Branche gemessen. Als das Monopol der Telekom 1998 fiel, stieg Mobilcom mit aggressiven Preisen und eindringlicher Werbung zu einem unerbittlichen Konkurrenten auf. Schnell, flexibel, risikofreudig, clever und gerissen - diese Attribute wurden dem Marketingexperten in seiner Laufbahn immer wieder zugeschrieben. Mit einer Sekretärin und einer Mobilfunklizenz hatte er 1991 losgelegt, heute beschäftigt Mobilcom 5700 Mitarbeiter.

Seit die Rundfunksender am Dienstag die Nachricht vom Ausstieg ihres Chefs verbreitet haben, gibt es in der Belegschaft kaum ein anderes Thema. "Natürlich hat jeder Angst um seinen Arbeitsplatz, aber es muss ja auch mit den Franzosen irgendwie weitergehen", sagte Sophius Zeuss. Die Ungewissheiten um die Zukunft von Mobilcom bereiten auch Büdelsdorfs Bürgermeister Jürgen Hein Sorgen. Denn sollte der Mobilcom-Standort in seiner Stadt aufgelöst werden, würde das nicht nur den Verlust hunderter Arbeitsplätze bei der MobilCom selbst bedeuten. "Auch zahlreiche Kleinbetriebe und Zulieferer leben von dem Unternehmen", sagte Hein.

Die Sicherung der Arbeitsplätze lag Schmid im Streit mit France Télécom besonders am Herzen. Die Franzosen hatte er 2000 ins Boot geholt, um die UMTS-Lizenz für umgerechnet mehr als acht Milliarden Euro ersteigern zu können. Doch der Ausbau des Netzes und dann die Eroberung des Marktes verschlingen weitere Milliarden, die France Télécom strecken will.

Dadurch sah Schmid sein Ziel gefährdet: die schnelle Gewinnung von UMTS-Kunden und Marktanteilen. «Es funktioniert, erstklassige Bilder auf wirklich kleinen Handys», hatte Schmid noch über die Präsentation auf der High-Tech-Messe Cebit geschwärmt. Dass Mobilcom die letzte berufliche Station für den umtriebigen Manager gewesen sein soll, bezweifeln auch seine Mitarbeiter. So wird er sich nach seinem Ausscheiden bei Mobilcom wieder zu Wort melden - bestimmt auch über ein UMTS-Handy.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%