Mobilcom
Erste große Niederlage für Gerhard Schmid

Niederlagen gehörten für Mobilcom-Chef Gerhard Schmid bislang wahrlich nicht zum geschäftlichen Alltag. Am 21. Juni wird der Aufsichtsrat den Gründer der Büdelsdorfer Telekom-Firma nach monatelangem Streit mit Großaktionär France Telecom nun aber wahrscheinlich als Vorstandsvorsitzenden abberufen.

Reuters BÜDELSDORF. Der agile Franke kann auf eine bemerkenswerte Managerkarriere zurückblicken. 1977 begann Schmid seine Laufbahn als Vorstandsassistent beim Porzellanhersteller Hutschenreuther in Selb. Dort stieg er schnell auf und war zunächst Projektleiter für strategische Planung, später Leiter des Bereiches Marketing und Vertrieb. Schließlich war Schmid für das Controlling des Konzerns verantwortlich, bevor er 1986 als Geschäftsführer zum Ostseebad Damp wechselte.

Doch der Kurbetrieb scheint ihm nicht recht behagt zu haben. Schon drei Jahre nach seinem Start in Damp wechselte Schmid zum Autoverleiher Sixt, um dort sehr erfolgreich einen aggressiven Marketingstil zu entwickeln. Mit Werbeslogans wie "Neid und Missgunst für 99 Mark" versuchte Schmid Nobelkarossen wie Porsche und Mercedes auch für das breite Publikum populär zu machen. Als ihm nach einem Gespräch mit einem Vertreter die Marktchancen des Telefongeschäfts bewusst wurden, gab er seinen Vorstandsposten bei Sixt auf und gründete 1991 im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf die Telekommunikationsfirma Mobilcom.

Seine geschäftliche Basis bestand damals zunächst nur aus einer Lizenz als Mobilfunkpartner - und einer Sekretärin. Doch hatte Schmid damals den richtigen Riecher. Bereits 1993 machte die von ihm gegründete Firma einen Umsatz von über 100 Millionen DM.

1995 erreichte Mobilcom die Gewinnschwelle. Schließlich brachte Schmid seine Firma 1997 an die Börse und sorgte damals unter Anlegern für ein Fest: Die Mobilcom-Aktie startete am damals neu gegründeten Neuen Markt mit einem Preis von 62,50 DM und stieg innerhalb nur eines Jahres auf 1580 DM. In kurzer Zeit wurde Schmid zum Milliardär. Das "manager magazin" wies Schmid vor kurzem in der Liste der 100 reichsten Deutschen mit 1,4 Milliarden Euro Vermögen auf Platz 65 aus. Das war allerdings vor dem Kurssturz der Mobilcom-Aktie in den vergangenen Tagen.

Mit finanzieller Hilfe von France Telecom hatte Schmid im August 2000 für 8,4 Milliaren Euro eine von sechs Lizenzen für den UMTS-Mobilfunk in Deutschland erworben. Im Streit mit dem französischen Konzern über die Höhe der Investitionen für den Aufbau der dritten Mobilfunkgeneration scheidet er nun aus dem von ihm gegründeten Unternehmen aus. Doch gilt Schmid in der Branche nicht ohne Grund als Marketing-"Genie". An einen Vorruhestand des rastlosen Unternehmers glaubt deshalb kaum jemand.

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