Mobilcom-Kollaps belastet beteiligte Banken
Deutliche Verluste an Europas Börsen

Die Aktienmärkte Europas haben am Freitag bis zum frühen Nachmittag erneut deutliche Verluste hinnehmen müssen. Der DJ Stoxx50-Index fiel um 2,6 % auf 2 542 Zähler. Die Branchenindizes der Technologie-, Telekom - und Versicherungsaktien lagen je über 3 % im Minus.

Reuters DÜSSELDORF. Im Telekomsektor fiel der Kurseinbruch der France Telecom-Aktie von rund zehn Prozent ins Gewicht. France Telecom habe es versäumt, dem Markt einen konkreten Schuldensanierungsplan vorzulegen, hiess es. France Telecom hatte sich von Konzernchef Michel Bon getrennt und sich von Mobilcom zurückgezogen. Mobilcom wird nun einen Insolvenzantrag stellen; der Titel brach in der Folge rund 45 Prozent ein. Der Kollaps der Mobilcom habe die Aktien verschiedener an ihr beteiligten Banken wie ABN Amro belastet.

Im Technologiesektor gaben die Titel der Softwarefirma SAP nach der Zurückstufung durch eine Investmentbank rund acht Prozent nach. Der Versicherungssektor sei unter anderem von der Allianz belastet worden, deren Titel rund acht Prozent verloren. Allianz hatte die Rückstellungen bei der US-Tochter Fireman's Fund erhöht. Generell belaste nach der Rede des US-Präsidenten George Bush vor der Uno-Vollversammlung weiter auch die Angst vor einem möglichen Krieg in Irak die Börsenplätze, hiess es.

LONDON: Verluste von Bankwerten zogen den Londoner Aktienmarkt nach unten. Der FTSE-100-Index gab um 2,4 Prozent auf 3 986 Punkte nach. Sorgen über den Zustand der US-Konjunktur und negative Meldungen aus der Telekomindustrie habe die Stimmung im Banksektor getrübt. Lloyds TSB verloren über fünf und HBOS 4,4 Prozent. Die Titel des Versicherers Royal & Sun setzten den Abwärtstrend mit einem Minus von sechs Prozent fort. Die Erdölwerte BP und Shell gaben 1,3 Prozent und rund zwei Prozent nach. Die Titel des Telekomschwergewichts Vodafone verloren 4,5 Prozent. Unter Druck standen auch die Aktien des Elektrotechnikkonzerns Invensys, die fünf Prozent einbüssten. Die Zurücknahme der Prognosen des US-Sektorvertreters Honeywell habe die Titel belastet. Gegen den Trend kletterten die Titel der Fluggesellschaft EasyJet über sechs Prozent.

ZÜRICH: Die Schweizer Aktien tendierten belastet durch Rezessions- und Kriegsängste auf breiter Front schwächer. Der SMI notierte 2,2 Prozent tiefer auf 4 968 Punkten. Einmal mehr führten ABB mit einem Minus von 6,8 Prozent die Verlierer im SMI an. Eine Gewinnwarnung von Konkurrent Honeywell sowie die wieder aufgeflackerten Asbest-Probleme hätten ABB gedrückt. Nach Baloise am Vortag warteten die Händler nun auf das Ergebnis von Swiss Life am kommenden Mittwoch. Rentenanstalt sanken vier Prozent, Baloise weitere fünf Prozent. Aber auch Swiss Re und Zurich verloren kräftig.

PARIS: An der Pariser Börse führten France Telecom eine lange Verliererliste an. Der CAC 40-Index verlor 3,2 Prozent auf 3 140 Zähler. Die France Telecom-Titel brachen rund zehn Prozent ein. Der verschuldete Telekomkonzern hatte sich von Chairman Michel Bon getrennt und sich von der deutschen MobilCom zurückgezogen. France Telecom habe es jedoch versäumt, dem Markt einen konkreten Schuldensanierungsplan zu vorzulegen, hiess es auf Analystenseite. Die Titel der Tochtergesellschaft Orange notierten mit einem Minus von rund vier Prozent vergleichsweise moderat schwächer. Ein weiterer Hauptverlierer war Versicherungswert Axa, der sieben Prozent verlor. Die Aktie des Medienkonzerns Vivendi Universal büssten 6,5 Prozent ein.

BENELUX: Die Benelux-Börsen notierten deutlich schwächer. Der Amsterdamer AEX-Index fiel um 2,8 Prozent auf 340 Zähler und auch der Brüsseler Bel20-Index gab um 2,8 Prozent auf 2141 Punkte nach. In Amsterdam stachen vor allem die Verluste von ASML heraus, die erneut sechs Prozent einbrachen und damit auf ein 52-Wochentief absackten. Auch ABN Amro verloren sechs Prozent, was Händler mit deren Beteiligung an der vor der Insolvenz stehenden deutschen MobilCom begründeten. In Brüssel fiel Finanzwert Dexia um 6,7 Prozent. Dexia hatte am Donnerstag nach Börsenschluss seine Prognosen für 2002 zurückgenommen.

MAILAND: Die Titel der Bankgruppe Capitalia sowie des angeschlagenen Autoherstellers Fiat führten den Abwärtstrend an der Börse Mailand an. Der Mib30-Index gab um 1,9 Prozent auf 24 342 Punkte nach. Capitalia verloren 4,5 Prozent und Fiat sackten vier Prozent ab. Unter Druck stand auch Energiewerte Enel mit einem Minus von 2,3 Prozent. Generali sanken nach dem siebenprozentiegn Kursverlust vom Vortag erneut um 2,2 Prozent. Der Versicherungskonzern gab für das erste Halbjahr einen Gewinneinbruch bekannt und Verwaltungsratspräsident Gianfranco Gutty gab seien Rücktritt bekannt.

MADRID: Die spanische Börse wurde von Verlusten der Bankschwergewichte und Telefonica nach unten gezogen. Der Ibex 35-Index verlor 2,6 Prozent auf 6 091 Zähler. Banco Bilbao Vizcaya Argentaria sanken um 3,5 Prozent und Santander Central Hispano sackten um vier Prozent ab. Telefonica ermässigten sich um 4,1 Prozent. Die Sorgen über die Krise in Argentinien seien nach Kommentaren des Internationalen Währungsfonds (IWF) vom Vortag wieder aufgeflackert.

SKANDINAVIEN: Erneut nachgebende Technologie- und Telekomaktien drückten den DJ StoxxNordic-Index der skandinavischen Aktienmärkte 2,3 Prozent ins Minus auf 235 Punkte. Die Schwergewichte Ericsson notierten um vier Prozent und Nokia um 3,5 Prozent schwächer. ABB gaben 6,1 Prozent nach. Marktteilnehmer verwiesen auf Spekulationen um mögliche Rückstellungen wegen Asbest-Fällen. Die Titel der norwegischen Fischfarm-Gruppe Pan Fish verloren weitere 8,3 Prozent, nachdem die Banken ein Refinanzierungspaket zurückgewiesen hatten.

WIEN: Am Wiener Aktienmarkt tendierte der ATX-Index in einem als träge beschriebenen Handel um 0,9 Prozent tiefer bei 1 106 Punkten. Wienerberger lagen 0,4 Prozent im Minus. Die belgische Koramic hatte am Donnerstag darüber informiert, wie sie ihre Wienerberger-Beteiligung abbauen will.

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