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Mobilcom weist Fehlbetrag in Milliardenhöhe aus

Der Büdelsdorfer Telekommunikationskonzern hat für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Fehlbetrag von 1,047 Mrd. DM ausgewiesen. Der Abschlus ist bereits am 31. Januar erstellt worden. Erst jetzt legt das Unternehmen ihn der Öffentlichkeit vor.

HAMBURG. Der Büdelsdorfer Telekommunikationskonzern Mobilcom AG hat für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Fehlbetrag von 1,047 Mrd. DM ausgewiesen. Dies geht aus dem HGB-Abschluss hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. Die am Neuen Markt notierte Mobilfunkgesellschaft hat ihren Aktionären bisher nur einen Jahresabschluss nach den International Accounting Standards (IAS) vorgelegt. Danach erwirtschaftete das Unternehmen für 2000 einen Verlust von rund 180 Mill. DM. Der Aktienkurs von Mobilcom gab am Abend an der Frankfurter Börse um gut drei Prozent nach und sank unter die Marke von 25 Euro.

Der HGB-Abschluss ist bereits am 31. Januar von der PCW Deutsche Revision erstellt worden. Die Tatsache, dass er bis heute den Aktionären nicht vorgelegt wurde, begründet ein Unternehmenssprecher mit "drucktechnischen Umständen". Bankmanager bezweifeln das jedoch. Sie unterstellen, dass Mobilcom die Vorlage des HGB-Abschlusses bewusst verzögert, um einen weiteren Absturz des Börsenkurses zu verhindern.

Bisher hatte die Mobilcom AG ihren Aktionären und Journalisten stets zeitgleich Jahres- und Quartalsabschlüsse nach HGB und IAS präsentiert. Dies galt auch für die Veröffentlichung des Ergebnisses für das dritte Quartal 2000, als Mobilcom tief in die roten Zahlen gerutscht war. Das hatte erstmals deutlich gemacht, welche Auswirkungen der Kauf einer Lizenz für die neue Mobilfunkgeneration UMTS auf die Bilanz hat. Mobilcom hatte die Lizenz von der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation für rund 16,5 Mrd. DM erworben. An der Börse war die Mobilcom-Aktie daraufhin um 19 % auf 57 Euro abgesackt. Wenige Wochen später verdichteten sich angesichts des hohen Quartalsverlustes Gerüchte über einen Liquiditätsengpass des Konzerns. Dies beschleunigte die Talfahrt des Mobilcom-Kurses weiter.

Um Aktionäre und Wertpapieranalysten durch das schlechte HGB-Jahresergebnis nicht erneut zu schockieren, verzichtete der Mobilcom-Vorstand bei der Bilanzpressekonferenz darauf, für 2000 einen Jahresabschluss nach HGB zu präsentieren. Die Differenzen zwischen den Abschlüssen kommen zu Stande, weil bei der Rechnungslegung nach HGB die Abschreibung auf den Erwerb der UMTS-Lizenz, die Finanzierungskosten und die Bankgebühren sofort bilanziert werden müssen. Sie belaufen sich allein für 2000 auf 775 Mill. DM.

Nach dem IAS-System hat die Mobilcom AG hingegen ein Wahlrecht. Der Telekommunikationsriese braucht hierbei die Abschreibung und die Kosten für den Erwerb der UMTS-Lizenz erst mit dem geplanten Start des Netzes Mitte 2002 zu bilanzieren. Diesen legalen Trick nutzte Mobilcom, um einen niedrigeren Fehlbetrag im Konzern und ein besseres Ergebnis pro Aktie zu präsentieren. Im Anhang des HGB-Abschluss macht Mobilcom erstmals auch konkrete Angaben zur Finanzierung des UMTS-Netzes. Danach verhandelt das Unternehmen insbesondere mit den Lieferanten über eine langfristige Refinanzierung von rund zwei Mrd. DM. Die Gespräche sollen noch im Frühjahr abgeschlossen werden. Scheitern sie jedoch, müsste Mobilcom "vertragsgemäß erhebliche Zinssteigerungen für die Fortsetzung der Brückenfinanzierung" einkalkulieren, heißt es im Anhang weiter. Die Laufzeit der Brückenfinanzierung würde sich dann "auf neun Jahre verlängern". Nach Angaben des Vorstands muss die Refinanzierung der gesamten Brückenkredite von rund 10,2 Mrd. DM bis Sommer 2002 gesichert sein.

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