Mobile Content in Europa
Rahmenbedingungen für profitable UMTS-Inhalte

Seit den spektakulären Auktionen der UMTS-Lizenzen werden die Zweifel am Sinn dieser Investitionen immer lauter. Viele Aktionäre und Kreditgeber stehen den künftigen UMTS-Netzbetreibern kritisch gegenüber. Letztlich wird die Entwicklung der mobilen Datendienste den Erfolg der UMTS-Investitionen bestimmen.

Gast-Kolumne von Dr. Andreas Gentner, Partner bei Andersen Business Consulting und Leiter des Bereichs Technology, Media and Communications, sowie von Steffen Legler, Manager/Prokurist bei Andersen Business Consulting im Bereich Technology, Media and Communications.

Mobile Content wird die Nutzung von Inhalten über die traditionellen Medien ergänzen, häufig sogar fördern. Deshalb ist neben dem direkten Umsatzbeitrag zu erwarten, dass Mobile-Content-Anwendungen einen Haupttreiber für die traditionellen Produkte und Dienstleistungen von Content-Anbietern und Mobilfunknetzbetreibern darstellen werden.

Tageszeitungen haben bereits erkannt, dass Eilmeldungen den Verkauf ihrer Printausgabe steigern. Der Markt, der durch Sportmeldungen erreicht wird, ist vermutlich größer als der Markt der traditionellen Sportnachrichtenkäufer (Sportzeitungen, Pay-TV usw.). Mobile-Spiele werden vermutlich Nichtspieler zum Spielen animieren. In vergleichbarer Weise werden Nachschlagewerke per Mobilfunk vermutlich nur gelegentlich konsultiert werden und daher CD-ROMs oder klassische Online-Angebote ergänzen. Anbieter von Musikinhalten erwarten, dass das Downloaden oder Anwählen von Zehn-Sekunden-Hörproben den Verkauf von CDs fördern wird.

Für die Betreiber von Mobilfunknetzen können Content-Anwendungen eine Schlüsselrolle sowohl bei der Förderung von Sprachkommunikation als auch bei transaktions- und kommunikationsorientierten Anwendungen spielen: So tätigen zum Beispiel im Mobile-Content-Vorzeigeland Japan die Nutzer von Datendiensten auch bis zu 15 Prozent mehr (Sprach-)Anrufe als Nutzer, die diese Dienste nicht abonniert haben. Zudem können Mobile-Content-Anwendungen den Betreibern helfen - falls sie die Rolle eines Portals übernehmen - die Kosten für die Kundenbindung zu reduzieren: Kunden werden wahrscheinlich weniger häufig abspringen, wenn sie sich erst einmal an Inhalt, Format und Schnittstelle des Portals gewöhnt haben.

Der europäische Mobile-Content-Markt muss sich jedoch erst noch entwickeln, um sein Potenzial auszuschöpfen. Dieses hat Andersen Business Consulting im Rahmen der soeben erschienenen EU-Studie "Digital Content for Global Mobile Services" auf 18,9 Mrd. Euro im Jahr 2006 beziffert. Dafür sind einige Hindernisse zu überwinden. Die in der Vergangenheit erfolgreich verwirklichten Modelle zur (mobilen) Übertragung von Daten, wie z.B. in Japan NTT DoCoMo´s i-mode im Jahre 1999 und bereits 20 Jahre zuvor in Frankreich der Minitel von France Telecom, sind nicht mit der heutigen Situation in Europa zu vergleichen. Das liegt an der multikulturellen und vielsprachigen Umgebung in Europa, an den zahlreichen miteinander konkurrierenden Wettbewerbern sowie an den mittlerweile begrenzten finanziellen Möglichkeiten der großen Mobilfunkbetreiber.

Fünf Faktoren hemmen die Entwicklung des Mobile-Content-Marktes

In der oben erwähnten Studie wurden fünf wesentliche Hindernisse identifiziert, die die Entwicklung des europäischen Mobile-Content-Marktes hemmen:
- Die hohen Kosten für die Entwicklung und Herstellung datendienstfähiger Endgeräte,
- die mangelnde Bereitschaft bzw. Fähigkeit der Netzbetreiber zur Subventionierung dieser Endgeräte,
- die fehlende Investitionsbereitschaft der Netzbetreiber in barrieresenkende Technologien,
- das Bestreben der Netzbetreiber, einen möglichst großen Teil der neuen Wertschöpfungskette zu kontrollieren,
- die begrenzte Verfügbarkeit von Endgeräten, die Inhalte attraktiv aufnehmen, übertragen und empfangen können.

Vor diesem Hintergrund ergeben sich für die Marktteilnehmer unterschiedliche Handlungsempfehlungen:
- Content-Anbieter sollten die Initiative ergreifen: Content-Anbieter sollten in die Errichtung innovativer mobiler Dienste mit bestehender Technologie investieren, und das positive Potential von Mobile Content für den traditionellen Verkauf erkennen.
- Netzbetreiber sollten die Endgeräte subventionieren, in Zugangstechnologien investieren und Partnerschaften fördern: Die Betreiber der Mobilfunknetze sollten sicherstellen, dass eine maßvolle Subventionierung datendienstfähiger Endgeräte vorgenommen wird. Den hierfür benötigten finanziellen Freiraum sollten sich die Netzbetreiber durch die gemeinsame Nutzung der Netze eröffnen. Ferner ist in die nötigen Zugangstechnologien für Kunden und künftige Partner (z. B. neue Fakturierungssysteme) zu investieren.
- Infrastrukturhersteller sollten die gemeinsame Nutzung von Netzkomponenten fördern: Netzausrüstungsherstellern ist zu empfehlen, die schnelle Entwicklung und Auslieferung von Netzinfrastruktur sicherzustellen, welche die gemeinsame Nutzung von Netzkomponenten ermöglicht. Dabei sollte auch die Austauschbarkeit der Netzinfrastruktur (2G, 2,5G, 3G) sichergestellt werden.
- Endgerätehersteller sollten sich auf einen einheitlichen Technologiestandard verständigen: Die Hersteller der mobilen Endgeräte sollten eine enge Zusammenarbeit mit den Entwicklern von künftigen Anwendungen anstreben und die schnellstmögliche Auslieferung der Endgeräte sicherstellen.

Die Mitgliedstaaten der EU und die Europäische Kommission können zusätzlich für positive Begleitumstände sorgen, auch wenn die Veränderungen aus der Branche selbst kommen müssen. National bedeutet das vor allem: Sicherheit schaffen für die Content-/Portal-Anbieter beim Verkauf von Content orientierten Anwendungen durch klare gesetzliche Vorschriften, sowie Förderung der Vorteile des gleichen Zugangs in einem 3G-Umfeld für Netzinfrastrukturbetreiber. Auf die EU bezogen bedeutet das: Nachdrückliche Unterstützung einer gemeinsamen Netznutzung bei allen nationalen Regulierungsbehörden, Fortsetzung der Bemühungen zur Einführung eines harmonisierten, den digitalen Content nicht diskriminierenden Mehrwertsteuersatzes und Verstärkung der Aktionsrichtlinie des europäischen eContent-Programms.

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