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Mobile Office ist überall

Mobile Business gehört zu den großen Schwerpunkten der Cebit 2001. Ein Nutznießer mit gewaltigem Entwicklungspotenzial ist das virtuelle "Büro für unterwegs". Der Trend: Handy und Organizer verschmelzen zum Multifunktionsgerät mit drahtlosem Internetzugang und hoher Übertragungsgeschwindigkeit.

HANNOVER. Am Eröffnungsabend der Cebit hat Volker Jung den großen Trend bereits ausgemacht: "Mobilität und mobile Business." "Bereits 2002 haben wir in Europa mehr mobile als stationäre Internet-Terminals", sagte der Bitkom -Präsident (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien).

Und wohin soll die Reise mit dem mobilen Internet gehen? Hewlett-Packard -Chefin Fiorina wusste Antwort: "Mobile Dienste müssen selbstverständlicher werden, sie müssen sich ganz natürlich in das tägliche Leben einfügen", sagte sie. Dabei kämen vor allem auf die Hersteller von Endgeräten wie Handys oder tragbare Kleincomputer große Anforderungen zu, die sich oft wie Widersprüche anhörten: "Die Geräte sollen einfach in der Handhabung sein, aber sehr viele Funktionen bieten. Oder sie sollen modisch, aber individuell angepasst sein." Die wichtigste Voraussetzung für einen Erfolg des mobilen Internets sei aber ein großes Angebot an nützlichen Dienstleistungen, die sich über die mobilen Geräte abrufen lassen, für Geschäftskunden und private Nutzer, sagte Fiorina. "Es geht um mehr als das Erfinden eines coolen Geräts."

Der Startschuss fällt mit dem mobilen Zugang zum Internet

Wenn auch das papierlose Büro weiterhin eine Vision bleiben wird, rückt das Mobile Office mit Vollausstattung doch einen gewaltigen Schritt näher. Der entscheidende Startschuss wird dann fallen, wenn - noch in diesem Jahr - der Zugang zum Internet nicht mehr fast ausschließlich über den PC erfolgen. Davon ist zumindest der deutsche IBM -Chef Erwin Staudt überzeugt. Und dann würden auch mobile Zugänge über Handy oder Laptops den Computer auf dem Schreibtisch ablösen. "Das Büro der Zukunft wird überall stattfinden", ergänzt Werner Biesenberger, Leiter des Projekts "Office 21" des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation.

Während die Anwender noch auf den Tag X warten, haben die F&E-Schmieden der Cebit-Aussteller schon einmal an der bislang vernachlässigten Produkt-Convenience gearbeitet. Nach dem PC, dem Mobiltelefon und dem Persönlichen Assistenten (PDA) sind auf der diesjährigen Computermesse vor allem auch neue Multifunktionsgeräte zu sehen sein. Beispiele dafür sind das bereits im Markt eingeführte "Smartphone" von Ericsson und der jetzt in Hannover vorgestellte neue "Communicator" von Nokia .

Telefonieren ist bei den Geräten nur noch eine Funktion unter vielen. Als Prototyp eines neuen Computers stellt die Industrie so genannte "Table-PCs" vor. Die sehr flachen Geräte können neben den herkömmlichen Aufgaben eines Desktop-Rechners auch Handgeschriebenenes erkennen.

Neben seinen "Büroarbeiten" soll der Anwender natürlich auch von unterwegs überall online einkaufen und andere mobile Dienste abrufen können. Nach dem elektronischen Handel setzt die Branche zunehmend auf M-Commerce - den Handel über mobile Endgeräte. Zum Beispiel Bankgeschäfte und Hotelbuchungen soll der Nutzer künftig auch unterwegs erledigen können. Vor allem in individuell zugeschnittenen Informationen wie Navigationssysteme oder Nachrichtenangebote sieht die Branche den Markt der Zukunft.

Und das soll möglichst mit drahtloser Elektronikübertragung funktionieren. Der US-Computerkonzern IBM und der britische Software-Hersteller Symbian entwickeln neue Software für die so genannten Smartphones. Durch die Partnerschaft soll die Einführung neuer Software-Anwendungen für drahtlose Infrastruktur vereinfacht werden, teilte IBM in Hannover mit. Wann genau mit einem Marktstart zu rechnen sei, ließ IBM allerdings offen.

Mit der neuen Software könnten Unternehmen ihren Mitarbeitern, die über Smartphones, also mobile Kommunikationsgeräte, verfügen, geschäftsrelevante Anwendungen bereitstellen. Mit dem Projekt werden nach Einschätzung von IBM über 70 Prozent des gesamten Smartphone-Markts angesprochen. Eine erste vollständige Umsetzung der neuen Software-Plattform der beiden Unternehmen sei für Kommunikationsgeräte von Nokia und Ericsson vorgesehen.

GPRS-Handy und PDA gehen zusammen

Auf das Zusammenwachsen mobiler Multimediageräte baut auch Siemens. Peter Zapf, Vorsitzender des Siemens -Bereichs ICM (Information and Communication Mobile) hat auf der Cebit die Richtung vorgegeben, in die der Münchner Handy-Hersteller künftig steuern soll: "Mobile Multimedia". Zwei Aspekte werden die Entwicklung vorantreiben, glaubt Zapf. Zum einen werde es im nächsten Jahr weltweit mehr Mobiltelefonierer geben als Festnetz-Nutzer. Zum anderen werde spätestens im Jahr 2006 die Zahl der mobilen Internet-Nutzer die der Festnetz-Surfer überholen. Ein erster Schritt ist ein neues Gerät, das die Funktionen eines GPRS-Handys mit denen eines "Persönlichen Digitalen Assistenten" (PDA) verbindet.

Das auf der Messe vorgestellte Multifunktionsgerät "MultiMobile" ermöglicht sowohl Telefongespräche als auch eine Vielzahl von digitalen Anwendungen von der E-Mail über Textbearbeitung bis zum Surfen im Internet. Das Gerät verwendet das Microsoft-Betriebssystem PocketPC.

Wie die stationären Arbeitsplätze auch können die Mobile Offices mit verschiedenen Services ausgestattet werden. So präsentiert zum Beispiel Linguatec seine Übersetzungs-Software in einer Ausgabe für den Palm . Der Linguatec Palm Translator kann mit internet-fähigen Palm-Handhelds abgerufen werden, um Sätze oder Texte zu übersetzen. Derzeit werden die Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch unterstützt. Spanisch, Italienisch und Japanisch sind in Vorbereitung. Die Web-Clipping-Anwendung kann unter www.linguatec.de/palm/ heruntergeladen werden und kommt mit 5 KB Speicherplatz aus. Die Software beruht auf der "Personal-Translator-Technologie", die Texte nicht nur satzweise, sondern auch satzübergreifend analysiert. Durch die Berücksichtigung des Kontextes sollen Übersetzungsfehler minimiert werden.

Mobile Office als Serviceleistung

Damit der Anwender sich in seinem mobilen Büro nicht allein mit den umfangreichen Daten und Funktionen herumschlagen muss, bieten Dienstleister ihre Hilfe an. Nach Services wie Space2go oder Daybyday geht nun auch Talkline mit "Mobile Office" auf Sendung. Mit dem Talkline-Produkt können Adressen, Termine, E-Mails und Dateien mit einem PC, Notebook, Wap-Handy oder Organizer auf einem zentralen Server gespeichert und verwaltet werden. Der 25 MB Onlinespeicher sowie ein Anwenderkonto mit SSL Verschlüsselung sollen für den privaten wie für den professionellen Gebrauch genügend Spielraum bieten, um auch von unterwegs bequem auf die wichtigsten Daten zuzugreifen. Die benötigten Informationen werden dazu in das virtuelle Büro überspielt, wo sie dann jederzeit von überall abgerufen werden können. Die Anmeldung und Nutzung ist für Talkline Mobilfunk- und Talknet-Kunden gratis. Es fallen lediglich die Verbindungsgebühren für den Web- bzw. WAP-Zugang an.

Für Unternehmen mit großen SMS-Verteilern bietet Talkline "Business-SMS" an. Mit diesem SMS-Massenversand können Mitarbeiter informiert oder Kunden beworben werden. Bald sollen mit diesem Business-Tool auch Zahlungen getätigt werden können. Talkline offeriert "Business-SMS" Kunden an, die mindestens 22 500 SMS pro Monat versenden. Es gibt keine Mengenbegrenzung nach oben. Anschluss- oder Implementierungskosten fallen nicht an. Der Versand kann vom Kunden über eine Web-Oberfläche abgewickelt werden.

Bei allen Visionen und Neuheiten, die auf der Cebit angepriesen werden, haben die Anbieter noch keine Lösung gefunden, wie das Massengeschäft auf Touren gebracht werden kann. Die Killer-Applikation ist noch nicht gefunden. Neue Wege will daher Nikesh Arora gehen. "Momentan stecken wir mehr Geld ins Marketing als in die Services und die Kommunikation zum Kunden, die ihm erklärt, wie die Services funktionieren", sagt der CEO von T-Motion, London. Was die Suche nach der Killer-Applikation für die mobilen Multimedia-Anwendungen der Zukunft angeht, lautet seine Prognose: "Es wird keine Killer Application geben, weil wir als Nutzer dafür zu unterschiedlich sind. Vor dem M-Commerce, so Arora müsse "M-Fun" kommen: "Die Menschen müssen erst Vertrauen in die neuen Dienste fassen, bevor sie mit ihnen ihr Bank- und Börsengeschäft abwickeln." Wie stark das Büro für unterwegs davon betroffen sein wird, das wird dann wohl auf der nächsten Cebit zu sehen sein.

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