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Mobile soll dem Internet den Rang ablaufen

Das "M" soll dem "E" beim Online-Handel den Rang ablaufen. Die Industrie ist optimistisch, die Nutzer mit ihren internetfähigen Endgeräten für das Mobile-Business begeistern zu können. Doch sind Nutzer und Experten eingedenk der langsamen Übertragung und wenig ergiebigen Angeboten skeptisch. GPRS und UMTS sollen das mobile Internet anschieben.

ul/ddp DÜSSELDORF. Das Internet wird (immer noch) mobil, mobil, mobil und damit auch der E-Commerce. Vorbei sind die Zeiten, in denen Nutzer auf stationäre Webzugänge zu Hause, am Arbeitsplatz oder in Internet-Cafés angewiesen waren, um Informationen abzurufen oder online zu bestellen. Ob sich der Nutzer im Restaurant befindet, im Zug sitzt oder lässig im Swimmingpool auf der Luftmatratze liegt, überall funktioniert der Netzzugang mobil. Das zumindest verspricht die IT- und Telekommunikationsbranche schon seit einiger Zeit: Erste Gehversuche mit der WAP-Technologie verliefen bisher allerdings eher schlecht als recht. Das Wireless Application Protocol ist mit seiner quälend langsamen Übertragungsrate von nur 9,6 Kilobit pro Sekunde eine Zumutung für den Nutzer. So lief der Verkauf von WAP-fähigen Handys bisher nur schleppend an. Mit den neuen internetfähigen High-Tech-Spielzeugen und der schnelleren GPRS- bzw. UMTW- Übertragungstechnologie soll das aber jetzt alles kein Problem mehr sein.

Hersteller sind optimistisch

Die Hersteller von internetfähigen Endgeräten wie z.B. Handys, PDAs (Personal Digital Assistent) oder Handhelds, sind aber recht optimistisch, was ihre Entwicklungen und die Akzeptanz bei den Nutzern angeht. Aufwind geben sollen die beiden Mobilfunktechniken GPRS und UMTS. GPRS, das seit Februar von der Telekom-Tochter T-Mobil angeboten wird, bringt die Daten annähernd so fix auf die Engeräte wie die Modem-Verbindung des PC: 40 bis 50 Kbit/sec gelten als realitisch. Allerdings ermöglichte T-Mobil zum Start auch nicht mehr als 20 Kbit/sec, da die bisher verfügbaren Endgeräte nicht schneller arbeiten.

Endgeräte sind noch nicht der Weißheit letzter Schluss

Nun aber werden Ericsson, Nokia, Motorola sowie Siemens entsprechende GPRS-Handys vorstellen. Motorola trumpfte zur CeBIT mit fünf GPRS-fähigen Handys auf: Talkabout 192, V66 und V120, Accompli 008 und Timeport 288. Mehr als WAP per GPRS oder das Versenden von E-Mails haben diese Geräte bisher aber auch noch nicht "drauf".

Der Communicator 9210 von Nokia - der Nachfolger des legendären 9110 hat zwar mittlerweile ein farbiges Display. Nur fehle laut xonio.com ein MP3-Player und - was viel gravierender ist -, GPRS sowie die Bluetooth-Technologie, die Kabel überflüssig macht, unterstützt dieses Multimedia-Handy erst gar nicht. Wann die Geräte im Handel verfügbar sind, ist auch noch fraglich. Mit dem Mitte März erscheinenden Organizer Palm m105 gelangt der Nutzer über das "Mobile Internet Kit" an mobile Dienste. Darin enthalten sind ein E-Mail-Client und immerhin ein WAP-Browser. Kosten soll der Palm rund 528,- DM.

Hauptsächlich Unterhaltungsangebote

Bei "I-Mode" als weltweiter Vorreiter des mobilen Internets in Japan werden nach einer Studie von Ericsson hauptsächlich Unterhaltsungsangebote gegen Gebühr auf das mobile Endgerät geladen - besonders beliebt sind dort Fantasy-Figuren, Horoskope oder Karaoke-Texte. Auch in Deutschland setzen Anbieter von mobilen Portalen wie zum Beispiel www.jamba.de auf den Vertrieb von Klingeltönen und Logos für das Mobiltelefon.

Ob das die Kunden langfristig überzeugt, ist allerdings fraglich. Schließlich sollen die Nutzer nicht nur E-Mails versenden, Kinotipps, Börsennews oder den Wetterbericht abfragen können. Es geht um mehr: Wenn es nach den Herstellern geht, sollen die Nutzer mobiler Dienste sogar ihre Bankgeschäfte, Hotelbuchungen oder Bestellungen von Waren und Diensten aller Art abwickeln können.

Mit UMTS geht es erst richtig ab

Um das zu ermöglichen und die nötige Datensicherheit zu gewähren, braucht es mehr, als den GPRS-Standard. Mit UMTS soll ab Mitte nächsten Jahres die Post abgehen. Im mobilen Betrieb werden die Daten dann mit 384 Kbit/Sec übermittelt. "Das drahtlose Internet wird dann Video- und Audio-Übertragungen, Spracherkennung, M-Commerce und Sicherheit in einheitlichen Anwendungen kombinieren", sagt Tom Engibous, Chef von Texas Instruments. Was das den Verbraucher letztendlich kosten wird, steht noch nicht fest. Angeblich sei dieser nicht bereit, mehr als 40 DM pro Monat für den multimedialen Mobilfunk auszugeben. Das wird den UMTS-Anbietern sicherlich nicht ausreichen. Schließlich mussten sie für die sechs Lizenzen schlappe 99 Mrd. DM auf den Tisch legen. Pro Einwohner sind das immerhin 1200 DM, und diese Investionen wollen mittelfristig wieder hereingeholt werden.

Nutzer kennen viele Funktionen nicht

Trotz der bisherigen technischen Malaisen ist für Experten die Unwissenheit der Anwender die Ursache für die bisherige Flaute beim M-Commerce. "Die Unternehmen entwickeln neue Techniken und statten Mobiltelefone mit immer mehr Funktionen aus. In vielen Fällen nutzen die Anwender die neuen Möglichkeiten nicht, weil sie diese überhaupt nicht kennen", meint zumindest Knut Föckler vom Institut für Kultur- und Medienmanagement an der Hanns Eisler Hochschule für Musik, Berlin.

Verpasst Deutschland den Anschluss?

Obwohl Deutschland bei der mobilen Kommunikation den USA erstmalig den Rang abgelaufen habe, fürchtet der Deutsche Multimedia Verband (DMMV), dass man hierzulande den Anschluss beim Mobilen Internet verpassen könne. Deshalb fordert der DMMV die Schaffung rechtlicher Grundlagen und verlangt eine Überarbeitung des Einwilligungsgrundsatzes im Datenschutzrecht. "Die Voraussetzungen für die Einwilligung des Nutzers in die Erhebung und Verarbeitung seiner Daten müssen vereinfacht und an die Möglichkeiten des Mobilen Internets angepasst werden", sagte DMMV-Präsident Rainer Wiedmann kürzlich in Berlin. Von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post erwarte Wiedmann bessere Wettbewerbsbedingungen. Für das Mobile Internet bedeute dies, dass die Behörde auf faire Marktzugangschancen für alle Telekommunikationsanbieter drängt.

516 Millionen Handys

Das wirtschaftliche Potenzial im Handel mit Produkten und Dienstleistungen über mobile Endgeräte sei aber groß. "Der Markt für mobile Angebote ist wesentlich besser erschlossen als für den Handel über das Internet", sagt Hans Bötzow, Mitglied der Geschäftsleitung beim IT Heyde AG, -Dienstleister Bad Nauheim. Allein in Deutschland gebe es bereits 50 Millionen Handynutzer. Zu erwarten sei, dass es in einigen Jahren sogar mehr Mobiltelefone als Einwohner gebe. Das Handy ist nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken und wandelt sich zu einem Massenmedium wie der Fernseher. Dieser Eindruck wird auch durch eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung ( Gfk ) bestätigt. Das Institut erwartet weltweit ein Plus von 33 % beim Absatz von Mobiltelefonen. In Zahlen bedeutet das: In diesem Jahr sollen rund 516 Millionen mobile Endgeräte gekauft werden.

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