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Mobile Zukunft zu Gast beim M-Commerce-Day in Hamburg

DÜSSELDORF. E-Commerce war gestern M-Commerce ist morgen. Unter diesem Motto hat gestern in Hamburg der erste "M-Commerce-Day" in Europa stattgefunden. Vertreter von IT- und Telekommunikationsunternehmern, Mobilfunkproduzenten und Internet-Start-Up?s erläuterten wie die Zukunft des Internet in Zeiten des Mobile Business nach Ihrer Einschätzung aussehen wird.

Die Frage nach profitablen Geschäftsmodellen, Strategien und Lösungen und Chancen des Mobile Business war zentrales Thema der Tagung. Das Internetunternehmen AOL kündigte an, seine bisherige Startegie, "AOL anywhere", auch auf das mobile Internet übertragen zu wollen. Der Community-Gedanke stehe dabei im Vordergrund, teilte das Unternehmen mit. VW will mit einer eigenen Portalseite und multimedia Fahrzeugen mobil werden und das Internetunternehmen fluxx.com, das mit der Mobilcom kooperiert sieht in Crossmedia-Gewinnspielen profitable Geschäftsfelder im M-Commerce der Zukunft. Einig waren sich die Gastredner der vertretenen Unternehmen in einem Punkt: Der Durchbruch des Internets und des elektronischen Handels kommt nicht über Computer, Web-TV oder ähnliche stationäre Zugänge. Die Zukunft gehört dem M-Commerce, dem elektronischen Handel über mobile Geräte.

Japan: E-Commerce war vorgestern M-Commerce ist heute

Die Branche gibt sich selbstbewußt. Der technologische Vorsprung in der Mobilfunk-Technik gegenüber den USA sei beträchtlich, sagte der Geschäftsführer der Hamburgischen Wirtschaftsförderung, Uwe Jens Neumann. Internet und Mobilfunk sei dort keineswegs Standard, Hightech finde man vorwiegend in Metropolen, wie New York, San Franzico und dem Silicon Valley. Gespannt werde in eine andere Richtung des Erdballs geblickt, nach Japan. Der Mobilfunkstandard GPRS werde dort seit zwei Jahren betrieben und UMTS stehe kurz vor der Einführung. So ist der japanische Mobilfunkmarkt aus Sicht der Europäer besonders aus einem Grund interessant: Die Japaner verlassen derzeit das Stadium zwischen E-und M-Commerce und steigen in Kürze in das Mobile Business ein. Dort gilt: E-Commerce war vorgestern, M-Commerce ist heute. Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit der Europäer vor allem auf ein Thema: Wie wird die neue Technologie angenommen, und welche Anwendungen und Dienste setzten sich durch. Oder anders gesagt: Wie verdienen die Japaner mit Mobile-Business Geld?

VW wird "mobil"

Die erläuterten Ansätze, wie in Europa mit UMTS und Mobile Bussiness Geld verdient werden könnte, waren vielschichtig und individuell. Gilbert Heise, Leiter der Strategischen Marketingplanung des Fahrzeugherstellers VW, sagte, der VW-Konzern strebe die Entwicklung eigener Internet-Portale an. Von dort aus, so die Vision, sollen Besitzer multimedial ausgerüsteter Fahrzeuge in Zukunft mit einer großen Bandbreite von Dienstleistungen versorgt werden. Das Zauberwort des Fahrzeugherstellers lautet: Personalisierte, situationsabhängige, ortsbezogene Dienste.

AOL anywhere

Das Internet-Unternehmen AOL teilte mit, die "Mission", der Aufbau eines globalen Mediums, werde im Rahmen der "AOL Anywhere"-Strategie zielstrebig weiterverfolgt. "Die Zusammenarbeit mit Time Warner wird sicherlich einen weiteren entscheidenden Schub in diese Richtung geben", sagte der gerade aus den USA zurückgekehrte Senior Vice Präsident von AOL, Klaus Täubrich. M-Commerce heiße letztendlich "Geld verdienen." Als Voraussetzung für einen funktionierenden und florierenden E- und M-Commerce betrachte AOL deshalb Online Communitys. Diese seien letztendlich Interessens-Gemeinschaften. Nur darüber könne die nötige Masse erzielt werden, um die verhältnismäßig geringen Gewinnmargen bei Einzeltransaktionen auffangen zu können. AOL werde seine Strategie auch im mobilen Internet, mit einer "Always on"-Philosophie anwenden.

Ericsson baut Netz für Mobilcom

2001 soll es nach einer Studie des Handy-Hersteller Ericsson mehr Mobilfunk- als Festnetz-Nutzer geben. Für 2003 prognostiziert das Unternehmen, mehr mobile Internetnutzer, als Festnetznutzer. Dabei sei WAP mit gemischten Gefühlen verbunden und GPRS ein wichtiger Schritt, um Marktforschung zu ermöglichen, sagte Tor Marklund, Exekutiv Vice Präsident der Ericsson GmbH. Erst UMTS biete die ideale Plattform für M-Commerce. Mobile Geräte und elektronische Dienstleistungen würden mit UMTS zum ständigen Begleiter des Menschen werden. Vorstellbare neue Dienste seien Videokonferencing, mobile Büros, Reisedienste, Online-Shopping und das versenden von Digitalfotos. Marklund wies darauf hin, dass sein Unternehmen seinen Umsatz nur zu einem Fünftel mit dem Verkauf von Handys erziele. 60 % des Umsatzes entfalle auf Einnahmen für die Bereitstellung und den Aufbau der Infrastruktur von Mobilfunknetzen. Ericsson habe bereits mit 18 europäischen Netzbetreibern Verträge über den Aufbau der Netz-Infrasturktur abgeschlossen. Darunter in Deutschland mit der Mobilcom, in Großbritannien mit Vodafon und der Tim in Italien.

Mobilcom startet 2002 UMTS-Netz

Ein leistungsfähiges Funknetz gehört für die Mobilcom zur Grundvoraussetzung für den Aufbau funktionierender UMTS-Angebote. Bereits für 2002 plane das Unternehmen den UMTS-Netzstart in einigen Regionen Deutschlands, sagte Alexander Rochlitz, Direktor der Mobilcom Mobilcom-Tochter Multimedia GmbH. Dort werde mit der Inbetriebnahme eine 30 %-ige Bevölkerungsabdeckung anvisiert, da man sich zunächst nur auf Ballungsgebiete konzentrieren wolle. Für den Aufbau der Netzinfrastruktur durch Erisson, investiere die Mobilcom in den nächsten Jahren 1,6 Mrd DM. Der Bereich M-Commerce werde die wichtigste Säule bei der strategischen Ausrichtung der Mobilcom Multimedia.

Gewinnspiele und Wetten

Zur Cebit 2001 gehe die Mobilcom mit einem mobilen Portal in Markt, so Rochlitz weiter. Die "fluxx.come" werde dieses Portal bereitstellen. Auch das Internetunternehmen "fluxx.com" sieht die WAP-Technolgie kritisch. "Die isolierten WAP-Angebote funktionieren nicht, GPRS ist eine Übergangslösung und UMTS noch zu weitweg," sagte Christoph Tonn, Geschäftführer der fluxx.com e-production GmbH. Dafür boome das Geschäft mit SMS. Ein gutes Beispiel dafür sei das Big Brother-SMS Gewinnspiel, das derzeit von RTL2, jaxx.de und games2win veranstaltet werde, erläutert Tonn. Das angewendete Crossmedia-Konzept berge mit UMTS ein großes M-Commere-Potenzial. Gewinnspiele und Wetten gehören nach Einschätzung der fluxx.com und Mobilcom zu hochprofitablen Geschäftsfeldern des mobilen Internets.

Forschung entdeckt Mobile Business

Auf der Suche nach Strategien und Anwendungen für profitablen Mobile Business wurden auf dem M-Commerce-Day viele Schlagworte genannt, die die Wirtschaft noch lange beschäftigen werden. Darunter Crossmedia Konzepte, Visionen für "Permission Marketing" und "Video-Streaming." Neben der Umsetzung von Ideen ist aber die Vermittlung zwischen Politik und Wirtschaft ein wichtiges Element für die Umsetzung technischer Standards, Normen und Bildung. So meldete sich auf der Tagung auch die "Initiative für mobiles Netz" (IMN) zu Wort. Der im Mai 2000 von führenden deutschen Internet-Firmen gegründete Interessensverband wolle die kommerzielle Nutzung des Intenets vorantreiben und sich in politische Debatten einmischen, berichtete Verbandssprecher Matthias Kose. Gestärkt werden solle die Position Deutschlands in der globalen Internetwirtschaft. Die nach der UMTS-Verteigerung aufgestellten Forderungen der IMN, einen Teil der Einnahmen in den Ausbau der Infrastruktur zu investieren, habe dazu beigetragen, dass aus dem UMTS-Topf nun eine Mrd. DM in Bildung investiert würden, so Kose weiter. Die Foschung habe mittlerweile das Thema Mobile Commerce entdeckt. Es habe zahlreiche Anfragen von Professoren aus allen Teilen Deutschlands gegeben, die die nicht einfach zu beantwortende Frage gestellt hätten: Was ist Mobile Business?

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