Mobiler Zugriff auf Unternehmensdaten
Immer im Dienst

Wo ich bin, da ist mein Büro. Arbeiten - immer und überall - diese Vision hat von ihrer Anziehungskraft offenbar nichts eingebüßt. Drahtloses Internet im Hotel und am Flughafen wird zum Standard, bald wollen gar Taxis nachziehen. Smartphones sollen den Gerätepark im Handtäschchen schrumpfen lassen.

HB DÜSSELDORF. Geschäftsreisen sind so eine Sache: Immer wieder fallen lange Wartezeiten an, die völlig ungenutzt vergehen. Und währenddessen stapelt sich in der elektronischen Mailbox die Post. Da müssen häufig wichtige Fragen beantwortet oder Entscheidungen getroffen werden. Dabei geht es auch anders: Ungenutzte Leerzeiten, die immer auch die Effektivität im Back-Office verringern, müssten nicht sein, sagt Manfred J. Pauli, Business Development Manager bei Wireless E-Business Services. "Ein Return-on-Investment ist mit mobilen Lösungen relativ schnell zu realisieren."

Die Anwendungen klingen verlockend: Mitarbeiter, die via Handy ständig mit dem Intranet ihres Unternehmens verbunden sind und nach Belieben auf Inhalte aus der Firmendatenbank zurückgreifen - seien es Daten zu Artikeln, Kunden, Angeboten, Bestellungen, dem Lagerbestand oder Rechnungen. In Zukunft könnten sie ihren Kunden sogar via Mobilfunk vor Ort Videopräsentationen der neuesten Produkte vorführen. Auch die Aufnahme von Schäden durch Versicherungsvertreter sind so denkbar. Ingenieure könnten sich auf dem funkversorgten Firmengelände elektronische technische Zeichnungen auf ihren Laptop laden und besäßen so ihr mobiles Büro in der Tasche.

Berlecon Research geht davon aus, dass bis 2006 alle deutschen Großunternehmen und bis 2009 40 % der kleinen Unternehmen ihren Mitarbeitern den mobilen Zugriff auf ihre IT-Systeme ermöglichen werden. "Die Markteinführung neuer Smartphones und verbesserter HSCSD- und GPRS-fähiger Endgeräte hat frischen Wind in den M-Business-Markt gebracht", sagt Thorsten Wichmann von Berlecon. "Mit diesen Geräten können mobile Mitarbeiter schneller und komfortabler auf das Unternehmens-IT-Netz zugreifen." Mit Nokia Card Phone, einer PC-Karte, lässt sich das Notebook schnell in ein mobiles Büro verwandeln. Eine Vielzahl von Geräten, wie sie auf der Cebit zu finden sind, vereint Handyfunktionen mit denen von PDA oder Notebooks. Beispiele dafür sind der Nokia-Communicator, der MDA von T-Mobile oder der XDA von O2. Software-Lösungen wie Avant Go sollen helfen, das breite Spektrum an mobilen Geräten - wie Palm, Sony, Casio, HP und Motorola - unter einen Hut zu bringen. "Ein Smartphone ist etwas für alle, die ein Mobiltelefon und einen Handheld benutzen, aber nur ein Gerät haben wollen", sagt Manfred Breul vom Branchenverband Bitkom. Nachteil der Telefone mit den großen Displays und winzigen Tastaturen: die langwierige Texteingabe. Außerdem wird der Akku im Handheld-Betrieb schnell leer: Die Smartphones halten bei intensivem Einsatz wegen des Energie zehrenden Farbdisplays kaum länger als zwei Tage durch.

Nach Meinung von Professor Elgar Fleisch, Forscher am Institut für Wirtschaftsinformatik (IWI) der Universität St. Gallen, werden bei den Datennetzen innerhalb von Firmengebäuden Wireless LAN und Bluetooth die Nase vorn haben. Im öffentlichen Raum hingegen gehöre UMTS die Zukunft. "Wenn das Handy heute schon nicht so genutzt wird, wie man es könnte, dann liegt das vor allem an der Datenübertragung", glaubt auch die Chefin der Mode & Marketing Agentur Ingeborg Maschke, die mit ihrem mobilen Büro zu 80 % auf der Straße unterwegs ist. "Das geht noch alles zu langsam." Das Marktforschungsunternehmen Tech Consult glaubt, dass UMTS mit fünf Prozent Anteil bis Ende 2004 noch ein Nischenthema bleiben wird. Auf der Cebit wird klar, dass für mobile Office-Lösungen noch WLAN-Funknetze (Wireless Local Area Network) im Vordergrund stehen.

Hotels und Flughäfen wie in München setzen heute schon vielfach auf WLAN. Gemeinsam mit Vodafone will auch Lufthansa seine weltweit 55 Lufthansa-Lounges mit lokalen WLAN-Netzen ausstatten, um den Fluggästen drahtloses Surfen und den Zugriff aufs Firmen-Intranet zu ermöglichen. Seit Jahresbeginn können Gäste in den Senator-Lounges in Frankfurt, Düsseldorf und New York ihren Laptop oder PDA in ein mobiles Büro verwandeln. "Geschäftsreisende können so die Transferzeit am Flughafen produktiv und in angenehmer Atmosphäre nutzen", so Thomas Sattelberger, Bereichsvorstand Produkt und Service bei der Lufthansa.

Auch im Auto fährt das Büro mit: Gemeinsam mit Daimler-Chrysler, Siemens, Sun Microsystems und der Jentro AG präsentierte T-Mobile kürzlich das weltweit erste UMTS- Testfahrzeug mit Java-Technologie auf Basis der Mercedes S-Klasse. Von unterwegs kann man auf Internetinhalte und Firmen-Datenbanken zugreifen, E-Mails senden und empfangen und Videokonferenzen abhalten. Und die Frankfurter Taxi-Zentrale plant sogar die Ausstattung aller Taxis mit einem Zugang zum Internet.

Mit Verbreitung smarter UMTS- Endgeräte ließen sich aus der Ferne schließlich auch komplette Produktionsprozesse überwachen und steuern. Professor Fleisch glaubt, "dass mobile Techniken gerade in der Kommunikation zwischen Menschen und Maschinen ihr Potenzial entfalten werden".

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