Mobiles Multimedia
Autoradio wird zur Unterhaltungs-Plattform

Kinofilm, Videospiel, Reiseroute oder Konferenzschaltung - geht es nach den Plänen der Radiohersteller, dann hat das Unterhaltungsprogramm im Auto bald den Standard wie im Flugzeug. Radio und Navigationssystem wachsen zusammen und entwickeln sich zur Entertainmentplattform auf vier Rädern.

HB/dpa HAMBURG. Während der Internationalen Funkausstellung in Berlin (IFA) zeigen alle großen Hersteller wie Blaupunkt, Panasonic oder Alpine neue Trends fürs multimediale Auto. Die IFA ist neben der Fachmesse "Car + Sound" in Sinsheim wichtiges Branchenbarometer.

"Das Geschäft zieht immer mehr an", beschreibt Jochen Wiesinger, Sprecher der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) die Marktentwicklung. Rund 775 Mill. ? wurden im Jahr 2002 nach Angaben des Bundesverbandes Technik des Einzelhandels (BVT) mit mobilen Multimediasystemen umgesetzt. Dabei bestellen nicht nur Neuwagenkunden ihr Fahrzeug gleich mit DVD-Player oder Navigationssystem. "Die Nachrüstung ist einfacher geworden, deshalb tauschen auch viele Autofahrer das alte Radio aus", erläutert Wiesinger.

Der Straßenatlas wandert immer öfter ins Altpapier. Stattdessen setzen Autofahrer auf elektronische Hilfe bei der Streckenplanung. Rund 700 000 Navigationssysteme wurden im vergangenen Jahr verkauft. Für 2003 rechnet der BVT mit einem Absatz von rund 900 000 Geräten und einem Umsatzvolumen von 1,5 Mrd. ? - Tendenz weiter steigend. Die Geräte bieten dabei nicht nur Routentipps - der Trend geht zum integrierten System mit Radio, Telefon und DVD-Player.

Beispiel für die Technik ist der "TravelPilot E1" von Blaupunkt. Das 700 ? teure Gerät passt in einen Standard-Einbauschacht im Auto. Außerdem sammelt ein Zwischenspeicher die Navigationsdaten - im CD-Schacht ist während der Fahrt Platz für Musik-CDs. Der Anschluss einer Freisprecheinrichtung fürs Autotelefon ist ebenfalls vorbereitet. Geht es im Urlaub nach Italien oder Frankreich, helfen länderspezifische CD-ROMs mit den Straßendaten der europäischen Nachbarländer.

Aufgerüstet wird aber nicht nur bei der Navigation. DVD-Player im Auto machen jetzt auch Mehrkanalton möglich. Ein Beispiel für das Multimedia-Center im Auto kommt vom Radiohersteller Alpine. Das rund 3000 ? teure "IVA-D900R" mit einem sieben Zoll (rund 20 Zentimeter) großen Display lässt sich zur Steuerzentrale für die gesamte im Auto eingebaute Informations-, Kommunikations- und Navigationselektronik aufrüsten.

Bei den Multimedia-Systemen geht es nicht nur um Unterhaltung oder Streckenführung. "Theoretisch könnte auch eine Pannendiagnose aus dem Motorsteuergerät übertragen werden", beschreibt Johann Nowicki, Verbraucherschutz-Experte beim ADAC, die Möglichkeiten. Er warnt aber zugleich vor Kinderkrankheiten des multimedialen Zubehörs. "Geht beim Nachrüsten etwas schief, ist die Verantwortung klar", sagt der Spezialist. Bei Neuwagen sei die Situation schwieriger, wenn das Radiosystem eines Zulieferers direkt in die Fahrzeugelektronik integriert werde. Hier gebe es durchaus Streitfälle, ob der Autohersteller, Radioproduzent oder Softwarelieferant für den Fehler verantwortlich ist.

Gerade ältere Navigationssysteme sind oft komplizierter zu bedienen, als der Bordcomputer eines Jumbo-Jets. Inzwischen haben die Hersteller aber auch in diesem Bereich nachgebessert. Ortseingaben sind nicht mehr nur über lange Stadtverzeichnisse, sondern auch über Postleitzahlen möglich. "Immer mehr Kunden wollen Geräte mit interaktiver Routenführung", beschreibt Wiesinger einen weiteren Trend bei den Verkäufen.

Diese Geräte verarbeiten aktuelle Verkehrsinformationen aus dem "Traffic Message Channel" (TMC) der Rundfunksender und ändern die Strecke um einen Stau herum. In dieser Situation bringt die höhere Speicherkapazität von DVDs noch einen weiteren Vorteil: Navigationssysteme liefern nicht nur Tipps, wie der Stau umfahren werden kann. Sie geben auch Hinweise auf Restaurants oder Sehenswürdigkeiten, die einen Zwischenstopp lohnen.

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