Mobiles Telefonieren
Neue Handys werden feiner statt kleiner

Reuters LONDON. Eine gute Nachricht für alle, die mit den winzigen Tasten der Mobiltelefone Schwierigkeiten haben: Nachdem die Telefone auf Visitenkarten-Größe geschrumpft sind und sinnvollerweise nicht noch kleiner werden können, richtet sich die Aufmerksamkeit der Handy-Hersteller auf neue Ausstattungsmerkmale statt auf die Größe. Das Telefon der Zukunft wird große Farbdisplays, eine leistungsfähige Terminverwaltung und neue Computerspiele haben. Technikfans werden mit dem eingebauten MP3-Spieler Musik hören und vielleicht sogar mit einem Videofon kurze Filme anschauen können.

"Der Wettlauf um das kleinste Telefon ist vorbei", sagte der für das Konsumentengeschäft von Ericsson zuständige Direktor, Keith Westcott. Es gehe eher darum, den richtigen Stil für die gewünschte Zielgruppe zu treffen. Für den Massenmarkt der telefonierenden Teenager bedeutet das immer noch Größe und Design, bei den teuren Spitzenmodellen geht es dagegen darum, Handys und Taschencomputer (Personal Digital Assistants, PDAs) zu verschmelzen.

Der Communicator von Nokia aus dem Jahr 1998 war das erste Telefon, das auch ein Adressbuch und einen Kalender enthielt. Obwohl der Communicator wegen seiner Größe kein Verkaufsschlager wurde, hat sich die Idee durchgesetzt. In der ersten Hälfte von 2001 will Nokia einen Color Communicator auf den Markt bringen. Ericsson bietet schon ein Konkurrenzprodukt an. Das R380, nicht größer als ein normales Handy, hat einen berührungsempfindlichen Bildschirm von der Größe einer Visitenkarte und eine Reihe von PDA-Funktionen, wie ein Adressbuch und E-Mail-Versand.

Preise werden weiter nachgeben

Mit einem Preis von 800 bis 1000 Mark (mit Vertrag) ist das R380 ein Nischenprodukt, doch es wird erwartet, dass die Preise bis Ende 2001 deutlich fallen werden. "Wir haben in den letzten zehn Jahren gelernt, dass das Nischenprodukt des einen Jahres im nächsten Jahr zum Mainstream gehört", sagte der Marketing-Direktor von Europas größtem Handy-Händler Carphone Warehouse, Jonathan Hook.

Die Industrie hofft, dass Verbraucher bald ihr Handy und ihren Organizer gegen ein einziges Produkt eintauschen. "Wir müssen den Nutzern beibringen, dass ein Mobiltelefon mehr als ein Gerät ist, das man ans Ohr hält", sagte der Sprecher des Marktforschungsunternehmens Mobile Lifestreams, Ben Wood. Die erweiterte Funktionalität der Telefone sei ein Schritt auf dem Weg zum Multimedia-Telefon.

Es sind nicht nur die Verbraucher, die sich an die neuen Fähigkeiten der Telefone gewöhnen müssen - um Telefone mit Musikrekordern, digitalen Kameras und Computerspielen auszustatten, müssen sich auch die Hersteller neue Kompetenzen aneignen. Siemens und Casio haben schon im Juli eine Allianz angekündigt, und Motorola arbeitet mit Palm zusammen. "Wir erwarten, dass Nokia in irgendeiner Form mit einem japanischen Elektronik-Hersteller eine Allianz eingehen wird", sagte Wood. Für Unternehmen wie Sony und Panasonic ist das die Chance, in einen Markt einzusteigen, der bisher von europäischen Telefon-Herstellern und Motorola dominiert wird. Auch Microsoft könnte auf diese Weise den Einstieg in die Industrie finden. Eine Reihe von PDAs arbeitet mit der für Taschencomputer angepassten Windows-Version Windows CE.

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