Mobilfunk-Chef Lamprecht wird als Nachfolger gehandelt
Siemens-Vorstand Jung gibt auf

Der langjährige Siemens-Vorstand Volker Jung, zuständig für den angeschlagenen Kommunikations-Bereich, will seinen Vertrag nicht verlängern. Mobilfunk-Vorstand Rudi Lamprecht, der als Sanierer Erfolge aufweisen kann, werden die besten Chancen auf die Nachfolge eingeräumt.

MÜNCHEN. Schon lange wird in der Siemens AG hinter vorgehaltener Hand Kritik an Konzernvorstand Volker Jung geäußert. Jetzt ergriff der 63-jährige die Initiative und kündigte an, seinen bis Ende September laufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. "Wir haben hier hervorragende Kräfte. Da muss ich nicht weitermachen", sagte Jung gegenüber "Focus Money".

Der Manager sitzt seit 1991 im Siemens-Konzernvorstand und gilt als einer der mächtigsten Männer in Deutschlands größtem Technologiekonzern. Seit 1998 verantwortet der Rheinländer den Geschäftsbereich Information und Kommunikation (I & C), eine der wichtigsten Säulen des Konzerns. Hier ist das Mobilfunk- und das Festnetz-Geschäft sowie die IT-Beratung gebündelt.

Im vergangenen Geschäftsjahr erzielten die drei Bereiche einen Umsatz von 26,5 Mrd. Euro, das ist etwa ein Drittel des gesamten Konzerns. Gleichzeitig ist I&C das größte Sorgenkind: 2002 verhagelte der Bereich die Siemens-Bilanz mit einem Minus von fast 500 Mill. Euro. Im Vorjahr lief sogar ein Verlust von 1,4 Mrd. Euro auf. Besonders bitter für Siemens: Über Jahrzehnte war das Telefongeschäft der wichtigste Gewinnbringer.

Eine interne Nachfolgelösung für Jung gilt als wahrscheinlich. Als aussichtsreichster Kandidat wird Rudi Lamprecht gehandelt. Der Informatiker hat das Mobilfunk-Geschäft in den vergangenen Jahren erfolgreich saniert. Heute schreibt der Bereich trotz der Branchenflaute schwarze Zahlen.

Lamprecht werden zwar auch Ambitionen auf die Nachfolge Heinrich von Pierers an der Konzernspitze nachgesagt. Doch der 54-jährige gilt als zu alt, um die geforderten zwei Amtszeiten als Vorstandsvorsitzender zu absolvieren.

Insbesondere am Krisenmanagement Jungs gibt es Kritik, er habe zu langsam reagiert. Nach dem Absturz der Hightech-Branchen hat I & C mit riesigen Problemen zu kämpfen. Die hohen Verluste führten zu einem für Siemens ungewöhnlichen Abbau von mehreren zehntausend Stellen. In München zogen erboste Mitarbeiter erstmals in einer Demonstration vor die Konzernzentrale. Und ob I & C die anspruchsvollen Margenziele des Konzerns bis 2004 erreichen kann, bezweifeln viele Analysten.

Der promovierte Elektrotechniker habe die Sanierung nicht entschlossen genug angepackt, so seine Kritiker. Jung wechselte zwar das Management der drei I & C-Bereiche völlig aus. Selbst zog er aber keine Konsequenzen. Im Konzern hatte Jung deshalb bald den Spitznamen "Teflon-Mann", weil an ihm nichts hängen blieb. Analysten kritisieren, Jung, in Personalunion Präsident des Branchenverbands Bitkom, habe zuletzt kaum strategische Akzente gesetzt.

Offen ist, ob sich mit dem Abschied von Jung auch die Strategie ändert. Oliver Wojahn, Analyst bei der Berenberg Bank: "Ich bin sehr skeptisch, ob es nun zu einem Wechsel kommt." Jung selbst hatte in der Vergangenheit für Aufsehen gesorgt, als er in einem Interview die Trennung vom Handy-Geschäft in Erwägung zog. Der Bereich gilt offiziell als Kernstück von Siemens.

Jungs Abgang ist womöglich nicht die einzige Veränderung: Ende September laufen die Verträge von drei weiteren Vorständen aus. Personalvorstand Peter Pribilla (62), Jürgen Radomski (62), für das Europageschäft zuständig, und Klaus Wucherer (58), der den Konzerbereich Automation verantwortet.

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