Mobilfunk-Neueinsteiger hält an UMTS-Lizenz fest
Quam-Rückzug bremst E-Plus

Die Geschäfte werden geschlossen, ein Großteil der Mitarbeiter entlassen - der Mobilfunk-Neuling Quam wird sich in den nächsten Monaten klein schrumpfen müssen. Die Muttergesellschaft Telefónica hat die Investitionen in Quam zunächst gestoppt. Die Börse honoriert dies.

sk/slo MADRID/DÜSSELDORF. Es kam nicht überraschend, dafür aber offenbar reichlich überstürzt: Am Mittwoch Abend hat die spanische Telefónica den zeitweisen Investitionsstopp bei ihrer deutschen Tochter Quam verkündet. Die weitere Zusammenarbeit mit Vertragspartnern wie E-Plus und Debitel hatte das Unternehmen aber auch am gestrigen Donnerstag noch nicht geklärt.

"Wir warten noch auf weitere Informationen von Telefónica, erst dann können wir uns dazu äußern", hieß es beispielsweise bei Debitel. Der Mobilfunkdienstleister vertreibt Handy-Verträge für Quam.

Mit E-Plus, der deutschen Tochter des niederländischen Telekomkonzerns KPN, hatten die Spanier den gemeinsamen Aufbau des UMTS-Netzes in Deutschland vereinbart - mit dem Ziel, etwa 750 Mill. ? zu sparen. Damit rechnet KPN jetzt nicht mehr. Das Unternehmen erwartet vielmehr, dass sich der UMTS-Start von E-Plus im Jahr 2003 verzögert. Quam betont jedoch weiterhin: Bestehende Verträge würden eingehalten.

Gespräche sollen auch mit der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post geführt werden. Quam hatte im Sommer 2000 eine der sechs deutschen UMTS-Lizenzen für mehr als 8 Mrd. ? ersteigert. Erfüllt das Unternehmen die daran geknüpften Vorgaben nicht, fällt die Lizenz an den Regulierer zurück. Um das zu verhindern, muss Quam bis Ende 2003 etwa 25 % der Bevölkerung mit UMTS-Diensten versorgen. Bis dahin gebe es keinen Grund, die Lizenzvergabe an Quam zu prüfen, hieß es gestern bei der Behörde. Ein Quam-Spreche sagte: Man halte an der Lizenz fest.

Bei dem Münchener Unternehmen stehen offenbar nur zwei Dinge fest: Quam wird keine neuen Kunden mehr anwerben und daher seine 15 Läden schließen. Ein Großteil der 900 Mitarbeiter wird wohl entlassen. Man werde aber die weitere Betreuung der 200 000 Kunden sicherstellen, die Quam seit seinem Marktstart im November 2001 gewonnen hat, hieß es in München. Telefónica dagegen erwartet nach eigenen Angaben, dass Konkurrenten die Quam-Kunden übernehmen. Doch die Konkurrenz winkte gestern zunächst ab. Die Quam-Telefonierer seien nicht so attraktiv, als dass man sie unbedingt haben müsste, hieß es.

Quam ist ein Joint Venture von Telefónica (57 %) und der finnischen Sonera (43 %). Beide Unternehmen entschieden, wegen der unsicheren Aussichten der neuen Mobilfunktechnik UMTS und der hohen Ausgaben, ihr Engagement in Deutschland vorübergehend auf Eis zu legen. Die Folge sind Sonderbelastungen in Milliardenhöhe, die die Halbjahresergebnisse der beiden Telekom-Unternehmen tiefrot färbten.

Telefónica fuhr einen Nettoverlust von 5,6 Mrd. ? ein. Der Umsatz brach um 4 % auf 14,6 Mrd. ? ein. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um 4 % auf 6,1 Mrd. ?. Auch die Krise in Argentinien belastete das Unternehmen.

Sonera verzeichnete im zweiten Quartal 2002 einen Verlust von knapp 3 Mrd. ? ein - nach einem Gewinn von 513 Mill. ? im Vorjahreszeitraum.

Die Börse honorierte die Entscheidung von Sonera und Telefónica: Die Aktienkurse beider Konzerne stiegen im Tagesverlauf um bis zu 14 %. Jacobo Pascual, Leiter der Research-Abteilung bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in Madrid, bezeichnete Telefónicas Vorgehen als "gute Entscheidung". Telefónica habe erkannt, dass es unmöglich sei, als kleinster Anbieter gegen fünf Unternehmen zu konkurrieren und die Schlussfolgerung gezogen, nicht noch mehr Geld zu verbrennen.

Die deutsche Telefónica-Tochter ist ohne eigenes Mobilfunknetz gestartet. Das Unternehmen hat Kapazitäten bei E-Plus gemietet, um bereits vor dem UMTS-Start eine Kundenbasis aufzubauen. Nach Informationen aus dem Quam-Umfeld hat das Unternehmen die Vorgaben der Mutter aber nicht erreicht. Vor etwa zwei Wochen nahm Quam-Chef Ernst Folgmann seinen Hut.

In Deutschland haben bereits 70 % der Bevölkerung ein Mobiltelefon. Für einen Neueinsteiger ist es daher sehr schwer, Marktanteile zu gewinnen.

Ohnehin gehen Experten davon aus, dass auf Dauer nur drei bis vier UMTS-Netzbetreiber in Deutschland überleben können. Sie erwarteten daher eine Konsolidierung der Branche.

Quelle: Handelsblatt

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