Mobilfunk: Schnecke Fortschritt

Mobilfunk
Schnecke Fortschritt

In der Mobilfunkbranche ist ein Streit über offene Standards ausgebrochen.

Die Revanche kam prompt: Am Dienstag hat der weltweit größte Handyhersteller auf dem Mobilfunkkongress in Cannes eine Allianz mit dem Computerkonzern IBM und dem Datenbankhersteller Oracle bekannt gegeben. Gemeinsam wollen sie neue Dienste und Produkte für mobile Geschäftskunden entwickeln und vermarkten. Gerade einen Tag zuvor hatte der weltweit größte Software-Hersteller Microsoft eine ähnliche Kooperation mit dem Mobilfunkbetreiber T-Mobile bekannt gegeben. Das, was Microsoft kann, können wir auch, war daher gestern eine der wesentlichen Botschaften von Nokia & Co.

Damit läuteten die Unternehmen auf dem Mobilfunkkongress in Frankreich eine neue Runde ein aus der Reihe: Die Crux mit den offenen Standards. Auf der einen Seite stehen Nokia und Partner wie Symbian sowie einige Handy-Hersteller, die gemeinsam offene Standards propagieren, mit dem Ziel: Die Netze und Handys aller Hersteller sollen miteinander kommunizieren können. Und dabei soll es nach Möglichkeit nicht einen Konzern geben, der die dafür erforderliche Software kontrolliert. Partnerschaft, Offenheit und Kooperation predigen Nokia & Co. daher unentwegt - natürlich nicht völlig selbstlos. Denn auf der anderen Seite steht Microsoft, der den Markt für Mobilfunksoftware mit seinen Produkten aufrollen will und dabei wohl als Endziel eine ähnliche Monopolstellung vor Augen hat wie bei Computern.

Dazwischen stehen die Mobilfunknetzbetreiber, die mal mit der einen oder der anderen Seite kooperieren. Und am Ende dieser Kette kommen die Kunden, und die merken im Prinzip derzeit nur: Es ist noch ein weiter Weg, bis die offenen Standards verwirklicht werden. Noch müssen die Kunden beispielsweise damit leben, dass die die so genannten MMS (Kurznachrichten inklusive Fotos und Musik) häufig zerstückelt übertragen werden. Schickt man eine MMS beispielsweise von einem Siemens zu einem Nokia-Handy, kommt sie häufig nicht vollständig an. Mal fehlt der Ton, mal das Bild, manchmal auch beides. Dabei gibt es MMS inzwischen seit fast einem Jahr. Um es mit Günter Grass zu sagen: Der Fortschritt ist halt eine Schnecke.

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