Mobilfunkdienstleister vertreibt künftig Produkte von mindestens vier UMTS-Netzbetreibern – Swisscom-Tochter sucht nach Kaufgelegenheiten
Debitel gibt dem Neueinsteiger Quam Starthilfe

Debitel hat sich auf das UMTS-Zeitalter gut vorbereitet: Der Mobilfunkdienstleister hat Vereinbarungen mit vier künftigen UMTS-Netzbetreibern, um deren Produkte zu vermarkten. Mit gut gefüllter Kriegskasse sucht Debitel nach Kaufgelegenheiten, um die eigene Wertschöpfungskette zu erweitern.

slo STUTTGART. Die Debitel AG vermarktet künftig die Produkte des Mobilfunk-Neueinsteigers Quam (ehemals Group 3G). Beide Unternehmen haben eine entsprechende Vereinbarung unterschrieben, teilte Debitel am Dienstag mit.

Der UMTS-Lizenznehmer Quam startet Ende November mit ersten Produkten und hat dafür Kapazitäten im bestehenden Netz von E-Plus gemietet. Die Zusammenarbeit mit dem Mobilfunk-Dienstleister Debitel ist für Quam eine enorme Einstiegshilfe. Auf einen Schlag können Quam-Produkte in über 5000 Verkaufsstellen, darunter Saturn und Media Markt, angeboten werden. Das Unternehmen hat bisher keine Kunden. Unter Branchenkennern gilt es als der schwächste der sechs UMTS-Lizenznehmer.

Mit Quam (Joint Venture aus Telefónica und Sonera) hat Debitel vier der künftig sechs UMTS-Netzbetreiber unter Vertrag. Der Stuttgarter Service-Provider hat bereits vor einigen Monaten mit E-Plus und den beiden Marktführern T-Mobil, D2 Vodafone vereinbart, ihre UMTS-Produkte zu vermarkten.

Debitel-Chef Peter Wagner sieht damit sein Ziel erreicht: "Wir wollten mindestens vier UMTS-Netze im Portfolio haben", sagte er, "es gibt aber noch Platz für einen fünften UMTS-Netzbetreiber."

Wagner verhandelt mit Viag Interkom über eine Zusammenarbeit. Das Unternehmen, eine Tochter der britischen BT Wireless (künftig MMO2), lässt seine Produkte nicht über Service-Provider vertreiben. Darüber ist es zwischen Debitel und Viag Interkom zum Streit gekommen, der vor dem Landgericht München landete. Eine Entscheidung steht noch aus. Zur Zeit wird eine außergerichtliche Einigung angestrebt.

Debitel hatte sich im vergangenen Sommer frühzeitig aus dem Bietergefecht um die UMTS-Lizenzen zurückgezogen. Die Gesellschaft, die zu Swisscom gehört, will Mobilfunkdienstleister bleiben. Die Aussichten der sechs UMTS-Lizenznehmer beurteilt Wagner skeptisch: Es werde eine Konsolidierung geben. In der Branche gelten E-Plus, die deutsche Tochter des angeschlagenen niederländischen Konzerns KPN, sowie Viag Interkom als mögliche Übernahmekandidaten. Falls es zu Fusionen der UMTS-Lizenznehmer kommen sollte, könne eine Lizenz erneut versteigert werden, so Wagners Vorschlag. Der Erlös solle an das Unternehmen gehen, das die Frequenz abgegeben habe. Eine solche Lösung sieht der Telekom-Regulierer bisher nicht vor.

Debitel selbst komme als Käufer einer Lizenz nicht in Frage, sagte Wagner. Er sucht nach anderen Kaufgelegenheiten, um die Wertschöpfungskette zu erweitern. Der Service-Provider, der eine gut gefüllte Kriegskasse mit etwa 100 Mill. Euro hat, ist unter anderem an dem Wettbewerber Talkline interessiert.

Debitel will auch ins Ortsnetz-Geschäft einstiegen. Das Stuttgarter Unternehmen will Leistungen der Deutschen Telekom im eigenen Namen verkaufen. Der Regulierer hat die Telekom angewiesen, mit Wiederverkäufern wie Debitel zusammenzuarbeiten, um damit den Ortsnetz-Wettbewerb zu stärken. Bisher gibt es aber noch keine Einigung zwischen dem Ex-Monopolisten und Debitel. "Das Telekom-Angebot muss nachverhandelt werden", sagte Wagner. Es sei nicht akzeptabel. Eine Einigung mit der Telekom wird im ersten Quartal 2002 erwartet. In zwei Jahren will Debitel so seinen Umsatz im Festnetz steigern. Der Anteil am Gesamtumsatz soll von heute 5 % bis zu 15 % steigen. Debitel hat europaweit knapp zehn Millionen Kunden, davon sieben Millionen in Deutschland. Damit ist Debitel der größte deutsche Service-Provider.

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