Mobilfunkern steht das Wasser bis zum Hals
UMTS-Abenteuer fordert Opfer

Das milliardenteure UMTS-Abenteuer hat sein erstes Opfer gefordert. Mit Quam strich heute der schwächste der sechs Lizenznehmer die Segel und stellte den Mobilfunk-Geschäftsbetrieb ein.

HB/dpa MÜNCHEN. Auch dem hochverschuldeten Mobilcom-Konzern steht das Wasser bis zum Hals. Bei der Konkurrenz hielt sich die Trauer am Dienstag bei einem Spitzentreffen der Branche in Grenzen. "Der UMTS-Kuchen bleibt gleich groß. Die Stücke für die einzelnen Anbieter werden aber möglicherweise größer", sagte E-Plus-Chef Uwe Bergheim in München. Die etablierten Mobilfunkkonzerne sehen nach zwei Jahren voller Rückschläge erste Hoffnungsschimmer.

Bei dem UMTS-Gipfel auf der Messe Systems gaben sich Unternehmen, Politik und Regulierer betont optimistisch. "Die dritte Mobilfunkgeneration wird zu einer besseren Gesellschaft führen", sagte Fabio Colasanti von der Europäischen Kommission. Die neue Mobilfunkgeneration mit ihren Multimedia-Möglichkeiten werde das Leben einfacher machen und zu einer Steigerung der Produktivität führen. Auch O2-Chef Rudolf Gröger verkündete gut gelaunt: "Die Zukunft hat schon längst begonnen." UMTS werde am breiten Markt zwar mit Verspätung starten, langfristig aber ein Erfolg, war der einmütige Tenor.

Die vier Netzbetreiber Vodafone, T-Mobile, E-Plus und O2 sowie die Neulinge Mobilcom und Quam hatten vor zwei Jahren UMTS-Lizenzen ersteigert. Staunend sah die Öffentlichkeit zu, wie die Hightech- Euphorie die Gebote Tag für Tag in immer aberwitzigere Höhen trieb. Schließlich zahlten die Konzerne insgesamt mehr als 50 Milliarden Euro für die Genehmigung, den neuen Mobilfunk-Standard nutzen zu dürfen. Selbst der Chef der Telekommunikations-Regulierungsbehörde Matthias Kurth, der die Versteigerung leitete, war verblüfft: "Ich habe damals nicht damit gerechnet, dass wir in diesen Bereich kommen und gleich sechs Lizenzen versteigern." Mittlerweile hat sich Katerstimmung breitgemacht. Viele Experten bezweifeln, dass sich die Investitionen jemals rechnen werden.

Noch halten Mobilcom und Quam ihre UMTS-Lizenzen. Nach Einschätzung in Branchenkreisen hoffen beide Unternehmen auf eine Lockerung der Lizenzbedingungen. Denn bisher ist es ihnen nicht erlaubt, die Lizenz wieder zu verkaufen. Auch wenn sich zwei der Firmen zusammenschließen sollten, würde eine der beiden je acht Milliarden Euro teuren Lizenzen wertlos und an die Regulierungsbehörde zurückgehen.

Die Platzhirsche um T-Mobile (D1) und Vodafone (D2) wehren sich vehement gegen eine Änderung der Lizenzbedingungen. "Jeder hat gewusst, worauf er sich einlässt", sagt Vodafone-Technikvorstand Helmut Hoffmann. Auch er ist von der Investition überzeugt. "Wir sind Geschäftsleute und machen keine Geschäfte, die sich nicht rechnen." Wenn die Kunden erst einmal die Faszination der Technik begreifen, werde UMTS auch zum Erfolg.

Regulierer Kurth sicherte den Unternehmen zu, dass es bei den Regeln bleiben werde. Ende kommenden Jahres werde er überprüfen, ob die Lizenznehmer wie versprochen mit ihren UMTS-Netzen bereits 25 Prozent der Bevölkerung erreichen. Dann könnten die ersten Unternehmen ihre Lizenz verlieren. Quam dürfte dazu gehören - es sei denn, das Unternehmen wird noch vorher von einem der Großen geschluckt, die sich noch nicht auf dem deutschen UMTS-Markt engagieren. Als möglicher Interessent gilt derzeit der asiatische Hutchison-Konzern, der sich seinerzeit aus der UMTS-Versteigerung zurückzogen hat. Seither hofft er in Wartestellung auf eine Lizenz zum Schnäppchenpreis.

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