Mobilfunkgeräte mit großem Farbdisplay sollen Datendienste ankurbeln
Multimedia elektrisiert Handybauer

Elektronische Postkarten, bestehend aus bunten Bildern und nahezu beliebig langen Texten, sollen der SMS per Handy künftig den Garaus machen. Die Technik steht schon bereit. Ob sie ein Erfolg wird, entscheidet am Ende die Höhe der Gebühren.

CANNES. "MMS" heißt das Zauberwort auf der diesjährigen Mobilfunkmesse in Cannes. Hinter dem Kürzel verbirgt sich das Wortungetüm "Multimedia Messaging Service" - eine Mobilfunkanwendung, die erstmals die Übertragung von Fotos, Audio- und Videoclips über das Handy erlaubt. Die Netzgesellschaften werden MMS in den nächsten Monaten in Europa starten. Deshalb präsentieren viele Netzausrüster und Softwareentwickler schon jetzt in den vier engen Hallen des völlig zugebauten Messegeländes von Cannes ihre Lösungen für den neuen Datendienst.

Nach dem Erfolg der Handy-Kurznachrichten SMS erhoffen sich die Entwickler von MMS nun den Einstieg in die Mobilfunk-Datendienste. Die Voraussetzungen sind geschaffen. Die Technik ist weltweit standardisiert und muss jetzt nur noch in die Netze integriert werden. Konnten bei SMS bisher nur maximal 160 Byte (rund 160 Zeichen) übertragen werden, sind künftig bis zu 100 Kilobytes möglich. Gesendet werden die neuen Anwendungen über das GPRS-Netz, das in Deutschland schon steht und sich in anderen Ländern im Aufbau befindet.

Auch die ersten Handys für die bunte Datenwelt sind auf dem Markt oder werden in den nächsten Monaten ausgeliefert. Denn die Übertragung von bunten Bildern macht nur bei Handys mit einem großen Farbdisplay Sinn. Ericsson macht hier den Vorreiter und bietet als erster in Europa solch ein Mobiltelefon an. Sein Modell T68 verkauft sich überraschend gut - Balsam auf die Wunden der mit großen Verlusten kämpfenden Schweden, die besonders im Handygeschäft herbe Rückschläge zu verkraften hatten. Die anderen großen Player im Handymarkt wie Motorola, Nokia und Siemens haben für die nächsten Monate ebenfalls Multimedia-Handys angekündigt und werden sie mit großem Werberummel auf der anstehenden Cebit in Hannover dem Publikum präsentieren.

Die Marktforscher von Gartner Dataquest glauben fest an den Erfolg von MMS. "Bis zum Jahr 2005 werden 80 % aller Mobiltelefone den neuen Datendienst unterstützen", glaubt Ben Wood von Gartner. Er erwartet, dass der Markt für diese bunten Botschaften 2004 ein Volumen von 20 Mrd. $ in Westeuropa erreichen wird. Dies werde nicht nur den Absatz der Handys ankurbeln, sondern den Netzgesellschaften auch helfen, den Umsatz pro Kunde zu steigern.

Multimedia-Nachrichten müssen billiger als ein Brief sein

Entscheidend für den Erfolg der MMS-Dienste wird sein, zu welchem Preis die Netzgesellschaften Multimedia Messaging Services anbieten. Bisher haben die hohen Preise dafür gesorgt, dass die Nutzung von GPRS kein großer Geschäftserfolg geworden ist. "Die Übertragung eines bunten Fotos mit einem Urlaubsgruß darf höchstens 50 Cents kosten", meint Helmut an de Meulen, Geschäftsführer des Softwareentwicklers Materna GmbH. Hakan Eriksson, Forschungschef bei Ericsson, hält sogar nur 15 Cents für gerechtfertigt, denn die Übertragung einer Postkarte per MMS über das Handy brauche nur zwei Kilobyte. Auch Volker Ziegler, Leiter des Geschäftsgebietes mobile Anwendungen bei Siemens, hält das Porto eines Briefes für die richtige obere Preisgrenze für MMS.

An de Meulen von Materna sieht bei den Netzgesellschaften aber die Einsicht reifen, dass sie nur mit günstigen Preisen MMS zu einem Massenmarkt machen können. Denn vor allem die Privatkunden sollen mit der bunten Multimediawelt angesprochen werden.

Wird MMS ein Erfolg, werden auch die Ausrüster von Mobilfunknetzen davon profitieren. Denn das GPRS-Netz, über das MMS übertragen wird, ist Teil des heutigen GSM-Mobilfunknetzes. Weil dieses aber bereits heute oft überlastet ist, müsste es weiter ausgebaut werden.

Vor allem aber sind die multimedialen Datendienste ein Test für das künftige UMTS-Netz, das derzeit aufgebaut wird. Nutzen die Kunden massenhaft die neuen Multimedia-Anwendungen, so das Kalkül, werden sie auch die kommenden Dienste über UMTS akzeptieren, die das Herunterladen ganzer Spielfilme und das Versenden großer Dateien ermöglichen.

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