Mobilfunkindustrie an Wachstumsgrenze
Dividende bei Vodafone im Blick

Etwas bizarr sind die Szenarien mancher Analysten für die Vodafone plc, die am kommenden Dienstag ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2001/02 veröffentlichen wird. So erwarten sie auf der einen Seite eine höhere Dividende, auf der anderen Seite den höchsten je von einem Unternehmen ausgewiesenen Verlust.

vwd LONDON. So erwarten sie auf der einen Seite eine höhere Dividende, auf der anderen Seite den höchsten je von einem Unternehmen ausgewiesenen Verlust. Große Unsicherheit herrsche hinsichtlich möglicher Abschreibungen auf den Goodwill, der von Analysten per 31. September 2001 auf rund 125 Mrd Pfund geschätzt wird. Vom Mobilfunkanbieter selbst sei der Goodwill bisher nicht beziffert worden, hieß es.

Die zu Grunde liegenden Aktiva rechtfertigen einen solchen hohen Betrag nicht, meinen die Analysten und erwarten daher sehr hohe Abschreibungen. Der hohe Goodwill resultiere vor allem aus der Übernahme der Mannesmann AG im Februar 2000, bei dem Mannesmann mit rund 112 Mrd Pfund bewertet worden sei.

Ein wichtiges Thema sei auch das Verhalten von Vodafone auf die in den Augen der Beobachter nun nicht mehr wachsende Mobilfunkindustrie. Das Unternehmen selbst sei davon überzeugt, dass dieser Bereich noch ein Wachstumssektor sei, der sich allerdings in einer Verschnaufpause befinde, hieß es.

Einigkeit herrscht unter den Analysten darüber, dass Vodafone ein höhere Dividende zahlen wird. Für das erste Halbjahr waren 0,7224 p je Aktie gezahlt worden. Die Ausschüttung schluckte 492 Mio Pfund entsprechend etwa 80 Prozent des freien Cash-Flows. Sollte die Gesellschaft an ihrer bisherigen Dividendenpolitik festhalten, so dürfte sie Analysten zufolge für das Gesamtjahr 1,48 p je Aktie zahlen.

Sollte Vodafone die Dividende nicht bald erhöhen oder ein Aktienrückkaufprogramm starten, so könne sich das Management dem Vorwurf des "Aufbaus eines Imperiums" statt der Schaffung von Shareholder Value ausgesetzt sehen, meinte ein Analyst.

Diese Furcht resultiere unter anderem aus dem jüngsten Zukauf. Vor wenigen Tagen hat Vodafone für die Aufstockung ihrer Beteiligung an der China Mobile (Hong Kong) Ltd 750 Mio USD ausgegeben, ein Investment, das in den kommenden Jahren keine wertvollen Beiträge zum Gewinn liefern werde. Der Cash-Flow in der Bilanz von Vodafone sei nur ein "vorübergehendes Phänomen", sagte ein Analyst.

Die Gesellschaft sei weiter in Bewegung. Die Stimm-Komponente gelange zur Reife, im Bereich Daten seien aber noch hohe Investitionen erforderlich. Die Spanne der Schätzungen zu den Abschreibungen reicht von acht Mrd bis 20 Mrd Pfund. Lege man 20 Mrd Pfund zu Grunde, so würde Vodafone für 2001/02 einen Verlust von 35 Mrd Pfund ausweisen - einer der höchsten Fehlbeträge, die ein Unternehmen je hinnehmen musste.

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