Mobilfunkkonzern plant Neuemission zum Schuldenabbau
Sonera will Beteiligung an Quam reduzieren

Einst Hätschelkind der Telekom-Branche, heute ein Konzern in Schwierigkeiten: Der finnische Mobilfunkbetreiber Sonera muss die Notbremse ziehen, um seine Schulden von 4,1 Milliarden Euro zu senken. Das Unternehmen will daher seine Ausgaben für UMTS deutlich zurückfahren.

hst/slo STOCKHOLM/DÜSSELDORF. Der finnische Mobilfunkbetreiber Sonera Oy, Helsinki, will seine Beteiligung am deutschen UMTS-Konsortium Quam (ehemals Group 3G) von zur Zeit 42,8 % langfristig auf 20 % verringern. Das kündigte ein Sonera-Sprecher an. Der Schritt gehört zu einer Reihe von Maßnahmen, mit denen das hochverschuldete Unternehmen saniert werden soll.

Mit einer Kapitalerhöhung von einer Mrd. Euro, dem Verkauf der restlichen Aktien der Deutschen Telekom sowie einer deutlichen Begrenzung seines finanziellen Engagements beim Ausbau des UMTS-Mobilfunkstandards will Sonera die Krise meistern. Die Finnen kündigten bei der Vorlage ihrer Quartalszahlen an, die UMTS-Investitionen deutlich auf 500 Mill Euro in den kommenden zehn Jahren zu reduzieren. Sonera ist mit rund 4,1 Mrd. Euro verschuldet, nicht zuletzt durch die hohen UMTS-Lizenzgebühren, die die Finnen unter anderem in Deutschland zahlten. Ihre Beteiligung Quam ist ein Joint Venture mit der spanischen Teléfónica.

"Es gibt für unser deutsches Konsortium keinen Bedarf an weiteren Mitteln", erklärte ein Sonera-Sprecher. Er betonte gleichzeitig, dass sein Unternehmen sich keineswegs ganz aus dem Konsortium zurückziehen wolle. Quam stehen nach eigenen Angaben Mittel von insgesamt 6,2 Mrd. Euro zur Verfügung, die bis 2010 bewilligt wurden. Etwa 40 % dieses Geldes könne das Unternehmen sogar durch die geplante Kooperation beim Aufbau der UMTS-Mobilfunknetze mit dem Konkurrenten E-Plus einsparen. Die Finanzkrise von Sonera habe daher keine direkten Auswirkungen auf Quam, hieß es bei dem Unternehmen in München.

Die Mittel für Soneras italienisches Konsortium IPSE 2000 sollen für die kommenden zehn Jahre auf 200 Mill. Euro begrenzt werden. Für die Beteiligung am spanischen UMTS-Konsortium Xfera wollen die Finnen bis 2004 rund 300 Mill. Euro ausgeben und auch in den neugegründeten russischen Mobilfunkbetreiber Megafon, an dem Sonera 26 % hält, will der finnische Konzern bis Ende 2005 nur 20 bis 30 Mill. Euro investieren. "Die neue Strategie von Sonera konzentriert sich auf profitables Wachstum in unseren weit entwickelten Geschäften im Inland und deutlich reduzierten Ausgaben im Servicegeschäft", erklärte ein Unternehmenssprecher. Er betonte jedoch gleichzeitig, dass die neue Strategie keinen Rückzug aus dem UMTS-Geschäft bedeute. "Wir gehen davon aus, dass UMTS langfristig profitabel für Sonera sein wird", sagte er.

Die Notbremsung von Sonera war notwendig geworden, nachdem die Aktienkurse der Telekomkonzerne enorm gesunken waren. Sonera galt noch vor gut einem Jahr als eine der Perlen in der Branchen, nicht zuletzt wegen des hohen technischen Know-hows. Im dritten Quartal dieses Jahres weist der Konzern einen Vorsteuergewinn von 50 Mill. Euro aus. Analysten waren von einem Verlust von 65 Mill. Euro ausgegangen. Der Aktienkurs zog leicht an, obwohl der Quartalsumsatz von 549 Mill Euro hinter den Erwartungen der Analysten von 560 Mill. Euro zurückblieb. Im dritten Quartal 2000 lag der Umsatz bei 510 Mill. Euro. Werden die Einmalaufwendungen einbezogen, hat Sonera allerdings einen Verlust im dritten Quartal von 352 Mill. Euro gegenüber einem Gewinn von 781 Mill. Euro im dritten Quartal 2000 erwirtschaftet.

Zum Abbau der Schulden will Sonera seine restlichen 38,6 Mill. Aktien der Deutschen Telekom verkaufen. Das ist jedoch wegen einer Sperrfrist erst ab Dezember möglich. Weiterhin will der Konzern eine Kapitalerhöhung durchführen. Dazu sollen 7,43 Millionen neuer Aktien im Wert von einer Mrd. Euro ausgegeben werden. Eine außerordentliche Hauptversammlung am 9. November soll darüber entscheiden. Der finnische Staat, der mit 53 % größter Aktionär ist, hat seine Zustimmung signalisiert und will sich an der Kapitalerhöhung beteiligen. Ende dieses Jahres, hofft Sonera-Chef Harri Koponen, sollen die Schulden bei 2,5 Mrd. Euro liegen.

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